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GDT Naturfotograf des Jahres 2020 – Die Disqualifikation

26. April 2020

Naturfotowettbewerb, Wettbewerb

Letztes Wochenende hat die Wahl zum GDT Naturfotograf des Jahres 2020 angestanden. Auf Grund der aktuellen Situation wurde in diesem Jahr online juriert, ein absolutes Novum, bei dem ich persönlich ein wenig zwiegespalten bin. Für mich hat die Möglichkeit der Wahl des GDT Naturfotografen des Jahres immer auch zum Besuch der Mitgliederversammlung gehört, ein Brauch, den ich selbst vermisse.

In diesem Jahr waren wieder tolle Bilder in der Auswahl, von herausragenden Fotografen. Ich freue mich total, dass ich dieses Jahr wieder dabei sein darf.

 

Platz 6 Kategorie andere Tiere
Canon 5DSR + Sigma 2,8 180mm OS Macro + Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II 
+ Novoflex Q-Base II

Zunächst habe ich in der Kategorie „andere Tiere“ Platz 6 belegt. Die Geschichte hinter dem Bild ist schnell erzählt. Wir waren gemeinsam beim Workshop kreative Pflanzen und Blumenfotografie in der Akademie am Michaelshof (Dieser Workshop wird vom 11-12 Juli erneut stattfinden). An diesem Morgen ging die Sonne wieder grandios auf und wir waren zwischen den wunderschönen Blumenbeeten am Michaelshof fotografieren. Anhand von Spinnen habe ich ein wenig mehr zur Insektenfotografie gezeigt, als es langsam zu tröpfeln begann, ein Gewitter zog über uns. Dadurch hatten wir über uns dunkle Wolken und am Horizont die aufgehende Sonne. Das Ergebnis war ein wunderschöner Kalt/Warm Kontrast in dieser Spinnenaufnahme.

 

1. Platz Kategorie Pflanzen und Pilze
Canon EOS 5DSR + Canon 4,5-5,6 100-400mm L IS II + Novoflex Triopod + Novoflex Classicball 3 II + Novoflex Panorama Q

 

Mit dem zweiten Bild wurde ich Kategorie Sieger, in der Kategorie Pflanzen und Pilze. An diesen Morgen denke ich so gerne zurück. Wir waren beim Workshop im Bayerischen Wald und die Gruppe hat den Aufstieg auf den Lusen (erstmals in meiner Workshop Geschichte) zweimal auf sich genommen und die Bedingungen waren absolut unglaublich. Wir hatten so eine traumhafte Stimmung am Gipfel, wie ich diese selten erlebt habe. Die Nebelschwaden mit dem einzigartigen toten Wald und einer wunderbaren Lichtsitmmung war schlichtweg atemberaubend. Für dieses Jahr ist gerade ein Platz frei geworden beim Workshop im Bayerischen Wald.

Kommen wir zu einem weiteren wie ich finde sehr interessanten Thema: RAW Kontrolle und Disqualifikation. Mit Sicherheit ist niemand stolz darauf in einem Wettbewerb disqualifiziert zu werden, deshalb gibt es hierzu so wenige Informationen im Internet und es ist eine Blackbox für die meisten Teilnehmer. Dieses Jahr wurde ich, vollkommen zurecht, disqualifiziert. Dafür schäme ich mich nicht im geringsten, ich ärgere mich viel mehr darüber, dass ich bei der schnellen Bildbearbeitung etwas gestempelt hatte, ohne es mir zu notieren und so kam es, dass ich das Bild beim GDT Naturfotograf des Jahres eingereicht habe. Die Disqualifikation ist absolut gerechtfertigt, da ich hier eindeutig etwas weggenommen bzw. retuschiert habe, was man durchaus als elementares Element im Bildfeld bezeichnen kann. Tatsächlich kann ich mich selbst nicht einmal daran erinnern, was mich persönlich am meisten ärgert. Aber so haben wir wenigstens wunderbares Lehrmaterial. Ich zeige euch einfach mal das unbearbeitete RAW (verkleinert in JPG konvertiert) und das bearbeitete RAW (verkleinert). Hier habt Ihr einfach ein wunderbares Beispiel, wofür man disqualifiziert wird! Kurzform: Schneehaufen weg; Foto disqualifiziert!

 

Der Schattenwurf eines Baumes. Bearbeitetes und disqaulifiziertes Bild.

Canon EOS 5DSR + Canon Extender 2x III + Canon 2,8 400mm L IS II + Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II

 

 

Original verkleinert

Canon EOS 5DSR + Canon Extender 2x III + Canon 2,8 400mm L IS II + Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II

 

Gleichzeitig freue ich mich total, dass Claudius Schneider so freundlich ist und mit uns auch sein disqualifiziertes Bild teilt. Er findet die Idee so etwas transparent zu zeigen gut, weshalb er hier mitmacht. Bei meinem Foto ist es ja wirklich eindeutig, ich habe etwas weggenommen, also ein ganz hartes Foul. Bei Claudius Bild liegt die Sache ein wenig anders, er hat grundsätzlich nichts retuschiert. Claudius hat recht stark an den Kontrasten und Farben gedreht und via Lightroom farbige Verläufe ins Bild gezogen, so dass aus einem eher tristen und faden Landschaftsfoto, ein wirklich richtig wunderbares, abstraktes Foto am Meer wurde. Mir persönlich gefällt das Ergebnis sehr gut und ich bin mir sicher, vielen von euch geht es genauso. Was passiert nun in einer solchen Situation?
Die RAW-Kontrolle sagt in einem solchen Moment, dass das Bild sich zu weit vom fotografischen Ausgangsmaterial entfernt hat. Das ist der Moment, in dem ein Foto aus der RAW-Kontrolle der Jury vorgelegt wird und diese entscheiden muss, ob das Bild zu sehr entfremdet worden ist oder nicht.In diesem Fall entschied die Jury, dass die im resultierenden Bild enthaltenen Farben, nicht durch die dezente Verstärkung oder Betonung von bereits in der RAW-Datei vorhandenen Farben entstanden sind, sondern deren Wirkung vorwiegend auf dem eingebrachten Farbverlauf beruht. In einem Wettbewerb, der sich der Authentizität verschrieben hat, ist diese Art der Bearbeitung etwas zu viel des Guten, auch wenn die Grundschritte, die zum Ergebnis geführt haben, nicht grundsätzlich gegen das Regelwerk verstoßen.

Das Verrückte ist, die Entscheidungen sind an der Stelle oft nicht hart, sondern sehr weich und individuell, deshalb ist es auch schwierig konkrete Grenzen ins Regelwerk aufzunehmen. Wir haben die beiden Extremwerte: klare Verstöße und so gut wie unbearbeitete Fotos – aber die Fälle dazwischen, hier muss die Jury erneut aktiv werden und die Verstöße diskutieren.
Das ist letztendlich auch der Grund, warum es hierzu eigentlich kein belastbares Material im Internet gibt und weshalb ich mich freue euch genau das zeigen zu können.

 

 


Das Ergebnis strahlt in wunderschönen Farben.

 


Das unbearbeitete Bild von Claudius.

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