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Liebeserklärung an das Canon EF 135mm 2.0 L USM

23. November 2022

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest


ab Minute 29:30 geht es in dieser Podcastepisode um 135mm Objektive.

So sah es aus, als ich mein 135er vor 2 Jahren in Betrieb nahm. 

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM ist vor über 25 Jahren auf den Markt gekommen, also im April 1996 und jetzt kommt der super aktuelle Radomir ums Eck und macht einen Erfahrungsbericht, das ist doch nicht sein Ernst, oder? Leider doch.

Vorformuliert habe ich diesen Blogeintrag bereits im Sommer und inzwischen ist das Canon RF 135mm 1.8 L IS angekündigt worden. Ich schreibe also über alten Kaffee von gestern.

Bei der Arbeit im Wald, von links nach rechts: Canon EF 135mm 2.0 L; Canon RF 85mm 1.2 angesetzt und rechts das Canon EF TS-E 135mm 4.0 L.

 

Einleitung:

Warum schreibe ich überhaupt über dieses Objektiv, mit einem Gebrauchtpreis von 500-600€ ist das Canon EF 135mm 2.0 L USM ein verhältnismäßig günstiges Objektiv für viele Einsatzzwecke und genau darüber möchte ich berichten. Vor allem wenn wir das neue RF 135mm L IS USM danebenlegen, stellen wir fest, dass dieses mit 2699€ doch erheblich teurer ist.

#Transparenz, ich habe dieses Objektiv „ertauscht“ mit einem befreundeten Fotografen, es ist also mein Eigentum.

Warum ich das gemacht habe? Es ist eine Kindheitserinnerung für mich, schon an der Canon EOS D60 und 10D haben mein Kumpel und ich gerne das 135er und das Canon 200mm 2.8 L eingesetzt um bezahlbar, lichtstarke Brennweite zu bekommen.

Brennweite:

135mm ist eine Brennweite, die man mögen muss oder nicht. In meiner Recherche und Diskussionen mit anderen Fotografen habe ich gelernt, dass diese Brennweite geliebt oder gehasst wird. Ich persönlich liebe die Brennweite, mir persönlich ist 85mm und 100mm oft zu kurz, mit den 135mm fühle ich mich sofort zu Hause, ich kann sehr gut damit agieren und die Hintergrundkompression fällt wesentlich stärker aus als mit einem 85mm Objektiv. Vielleicht mag ich die Brennweite auch einfach, da ich Jahrelang gerne das Sigma 150mm 2.8 genutzt habe und hier kaum ein Brennweitenunterschied besteht?

Mit einer Naheinstellgrenze von 90cm und einem maximalen Abbildungsmaßstab 1:5,3 ist das Canon 135mm 2.0 L USM noch gut für die Pflanzenfotografie geeignet.

Verarbeitung:

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM ist super verarbeitet, wie eben ein altes L Objektiv. Es besitzt genau zwei Schalter, AF/MF und eine Fokussierbereichsbegrenzung. Dazu hat es einen MF Ring, der groß und griffig ist. Fertig.

Ich schätze das alte 135er wegen seiner Kompaktheit, man merkt einfach, dass es eine alte Rechnung ist, die verhältnismäßig einfach ist. Dadurch ist das Objektiv klein und mit 750g leicht ist.

AF:

Der Autofokus ist schnell für damalige Verhältnisse, heute ist er ok von der Geschwindigkeit. Geht es um einfache Motive, wie laufende Menschen oder rennende Kinder, ist das überhaupt kein Problem. Natürlich ist die Erkennung von Augen und Gesichtern mit einem aktuellen RF-Objektiv wesentlich schneller. Aus meiner Sicht ist es für viele Anwendungen immer noch ausreichend schnell. Würde ich z.B. Hallensport damit fotografieren wollen, würde ich natürlich ein RF 70-200mm 2.8 vorziehen. Für mich, der damit vor allem Pflanzen und Menschen fotografiert reicht es voll aus.

Bildqualität:

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM galt lange Jahre als Referenzlinse, mit dem Canon EF 70-200mm 2.8 L IS II gab es erstmals ein Zoomobjektiv, das eine ähnliche Schärfe erlaubte. Spätestens mit den heutigen Zooms und Festbrennweiten, ist das Canon EF 135mm 2.0 L USM höchstens gutes Mittelfeld, aber eben nicht mehr top. Meine Referenz wäre heute vermutlich das Canon RF 85mm 1.2 und künftig das Canon RF 135mm 1.8 L IS.

Die Schärfe des Canon EF 135mm 2.0 L USM ist aus meiner Sicht gut, interessanterweise bringt das Abblenden von 2.0 auf 2.2 bereits eine deutliche Steigerung der Bildschärfe. Es ist aber auch bei Offenblende sehr gut einsetzbar.

Betrachtet man die Chromatischen Aberrationen, so ist es für heutige Verhältnisse schlecht, die Chromatischen Aberrationen fallen stark aus, vor allem an Kontrastkanten zwischen weiß und schwarz.

Das Canon EF 135mm 2.0 ist mit Extendern kompatibel, hier mit dem Canon 2X III Extender bei 270mm und Blende 4.0

Streulichtverhalten:

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM ist weitgehend unauffällig und vor allem unanfällig für Streulicht. Fotografiert man ins direkte Gegenlicht merkt man deutlich, dass das Gegenlichtverhalten nicht optimal ist, es kommt zu starken Kontrastverlusten und nicht den schönsten Lenz Flares. Teilweise ist es fast zickig und der Kontrast kann schnell abfallen. Hier ist die Expertise des Fotografen gefragt, denn oft reicht eine Veränderung des Winkels zur Sonne um wenige Grad um dies wieder einzufangen.

In der Ecke oben rechts sieht man gut, dass das Streulichtverhalten nicht 100%ig optimal ist.

 

Bild Look:

Insgesamt klingt das nicht gerade vielversprechend, Schärfe ok, starke CAs und dazu noch mäßig bei Gegenlicht. Jetzt haue ich noch einen raus, blendet man auf 2.2 ab, also um 1/3 Blendenstufe, werden die Unschärfekreise auch noch eckig. Eigentlich sind wir uns jetzt alle einig, das Canon EF 135mm 2.0 L USM darf man nicht kaufen. Doch hier fängt meine Liebeserklärung doch gerade erst an.

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM hat einen hammermäßigen Bild Look und superschöne Farben und Kontraste. Ich kann es nicht beschreiben, die Vignettierung ist sehr angenehm und macht sowohl Portraits als auch Nahaufnahmen von Pflanzen zu einem Gedicht. Der Übergang von Schärfe zu Unschärfe sieht sehr organisch aus und macht einfach Spaß. Dazu sind die Unschärfekreise sehr besonders, denn die starken Chromatischen Aberrationen führen dazu, dass Unschärfekreise sowohl schöne Ränder bekommen als auch teilweise an Farbverschiebungen leiden. Dazu ist aber die Schärfe immer vollkommen ausreichend. Für mich ist die Bildanmutung magisch, ähnlich wie die des Canon 200mm 2.0 L IS, das ich so liebe, vielleicht noch nicht ganz auf dem Level, aber wirklich grandios.

Bokeh und Gesamtanmutung im Bild sind einfach traumhaft.

 

Canon RF 135mm 1.8 L IS USM vs. Canon EF 135mm 2.0 L USM:

Natürlich warte ich sehnsüchtig auf die Lieferung meines Canon RF 135mm Objektives. Denn mit Sicherheit werden alle oben benannten Kritikpunkte wie CAs, Schärfe, und Blendenform perfekt korrigiert sein, dazu wird der AF schneller sein und es bekommt einen Bildstabilisator. Technisch mache ich mir da keine Gedanken und bin mir sicher, dass das neue Objektiv hier top abliefern wird. Was mich persönlich interessiert ist, ob die Seele und der Bild Look eines perfekt korrigierten 135mm Objektives noch mit dem des alten Canon EF 135mm mithalten kann. Hier habe ich offen gestanden ein wenig Bauchschmerzen, dann viele der positiven Seiten der EF-Variante gehen natürlich Hand in Hand mit den Schwächen des Objektives. Ihr merkt, es juckt mich in den Fingern.

Canon EF 135mm 2.0 L USM für wen?

Aus meiner Sicht ist das Canon EF 135mm 2.0 L USM perfekt für diejenigen die wirklich Bokeh und Bild Look erleben wollen zu einem super Einstiegspreis im Gebrauchtmarkt von 500-600€. Aus meiner Sicht vereint das Canon EF 135mm 2.0 L USM einen ausreichenden AF, mit supergenialem Bild Look für einen, wie ich finde sehr fairen Preis.

Diejenigen unter euch, die gerne Pflanzen, Makros und Insekten damit fotografieren wollen, aber nicht gleich ein Supertele dafür kaufen möchten, sind mit dem 135er bestens bedient. Natürlich eignet es sich auch für Portraits und Bilder der Familie.

Das Canon EF 135mm 2.0 L USM wird nicht mehr hergestellt, entsprechend gibt es hier nur noch Einzelbestände bei den Händlern oder eben den Gebrauchtmarkt.

 

Der Look der Freistellung, gerade mit Motiven im Vordergrund ist beim 135er besonders schön.

 

Der Farn ziert den Wald, im Hintergrund deuten nur noch die Bäume sanft den Wald an.

 

Auch für Landschaftsaufnahmen ist das Canon 135mm 2.0 L sehr gut geeignet.

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