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Welches Makroobjektiv?

12. April 2019

Bliesgau, Blumen, Erfahrungsbericht, Fototechnik, Frühblüher, Frühling, Makro, Objektivtest

 


Die Qual der Wahl, welche Brennweite?

2011 habe ich einen Artikel im Blog geschrieben in Bezug auf die Wahl der richtigen Makrobrennweite: 50, 100, 180mm 

 

Seit inzwischen über 15 Jahren widme ich mich stark der Makrofotografie, mache viele Kurse in diesem Umfeld und bekomme regelmäßig Fragen zu den Objektiven gestellt. 2011 habe ich das letzte mal dazu gebloggt .

Seitdem hat sich nicht einmal so wahnsinnig viel verändert. Grundsätzlich gibt es eigentlich drei klassische Typen von Makroobjektiven, 50mm, 100mm, 180mm. Dazu gibt es zwei Mischformen von Sigma, das 70mm und das 150mm Makro, das irgendwo dazwischen anzuordnen sind.

 


Größenvergleich: Canon 2,8 100mm L IS Makro; Sigma 2,8 150mm Makro; Sigma 2,8 180mm Makro ohne Streulichtblenden.

 


Größenvergleich: Canon 2,8 100mm L IS Makro; Sigma 2,8 150mm Makro; Sigma 2,8 180mm Makro mit Streulichtblenden.

 

50mm Makroobjektiv:

Das klassische 50/60mm Makroobjektiv hat bei mir überhaupt keine Anwendung. Es ist unglaublich kompakt und leicht. Mir persönlich ist es in aller Regel deutlich zu kurz von der Brennweite und erfordert eine extreme Nähe zum Motiv. Hin und wieder kann man es Einsetzen um das Umfeld des Motives stärker einzubinden. Canon hatte hier seit 1987 das 2,5 50mm Macro im Programm und es gibt ein altes Sigma 2,8 50mm Makro. Neu werden in dem Bereich keine Makroobjektive mehr angeboten, außer dem Sigma 2,8 70mm Macro ART.

 

Eines der ganz wenigen Bilder der letzten Jahre, die ich mit 50mm aufgenommen habe.
Canon 5DSR + Canon 1,8 50mm + Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II 
+ Novoflex Q-Base II

100mm Makroobjektiv:

Das 100mm Makroobjektiv ist der Klassiker für den Einstieg in die Makrofotografie. Es ist kompakt, vielseitig und gut bezahlbar. Ich habe meins auf jeder Reise dabei und setze hier auf das Canon 2,8 100mm L IS Makro. Es ist in allen Belangen ein top Objektiv und macht richtig Freude. Tolles Bokeh, tolle Schärfe und schöne Unschärfekreise, dazu Bildstabilisator und schneller AF. Besser geht es eigentlich nicht.

Mit dem 100mm Makroobjektiv kann man sehr vielseitig arbeiten, beginnend von klassischen Makros bis zur Pflanzenfotografie. Es ist einfach unglaublich universell. Tatsächlich ist es wohl die Einstiegsdroge in die Makrowelt.

Wer in die Makrowelt einsteigen will, findet hier auch noch viele andere 100mm Makros, zwei ältere Versionen des Canon 2,8 100mm, zum einen die erste Version ohne USM (seit 1990) und eine neuere Version mit USM (seit 2000). Die ganz alte Version ohne USM ist optisch ok und macht ein schönes Bokeh. Die zweite Version mit schnellem USM Motor empfinde ich persönlich als unbrauchbar, da hier die Unschärfekreise immer eckig werden, ich mag die Blendenform persönlich einfach überhaupt nicht.

Dann gibt es hier noch eine Fülle an Fremdherstellerobjektiven. Tamron hat seit Jahren das 2,8 90mm Macro im Programm. Optisch ist dieses Objektiv in allen Versionen gut gewesen und hat auch immer ein tolles Bokeh gezeigt. Die älteren Objektive sind durchaus 20 Jahre alt und für 150 EUR gebraucht zu bekommen. Hier ist ein günstiger Einstieg möglich. Auch Sigma bietet seit Jahren 105mm Makroobjektive an. Da ich kein Sigmafreund bin, habe ich bis heute nie eines dieser Objektive besessen und kann entsprechend keine Erfahrung mit euch teilen.

Viele meiner Lieblingsbilder sind mit dem Canon 2.8 100mm L IS entstanden, z.B.:


Canon 5DSR + 12mm Zwischenring + Canon 2,8 100mm L IS Makro + Novoflex PRO75 + Novoflex Classicball 5 II

 


Canon EOS 5D Mark II + Canon 2,8 100mm L IS Makro

 


Canon EOS 5D Mark III + Canon 2,8 100mm L IS Makro

180mm Makroobjektiv:

Das Telemakroobjektiv folgt oft, wenn man sich mit dem Makrovirus infiziert hat. Es ist länger von der Brennweite und ermöglicht einen größeren Arbeitsabstand zum Motiv, was gerade bei Amphibien/Reptilien/Insekten interessant ist. Zudem kann man dank der langen Brennweite schön mit der Schärfe/Unschärfe spielen. Klingt so, als ob das Telemakro alles besser kann? Nein, es ist sehr sperrig, groß und schwer. Das ist auch der Grund, warum ich auf Reisen eigentlich immer nur das Canon 100mm Makro dabei habe und eben vor Ort mit dem Fokus auf Makrofotografie auch das 150mm und das 180mm Makro dabei habe.

Neben dem Canon 2,8 100mm L IS Makro setze ich sehr gerne die Telemakroobjektive ein. Aktuell gibt es von Canon, das seit 1996 gebaute Canon 3,5 180mm L. Das Objektiv bietet nach wie vor eine sehr gute optische Leistung und einen guten Autofokus. Ich nutze es selbst nicht, da die Unschärfekreise bei leichtem Abblenden schnell eckig werden, was ich persönlich überhaupt nicht mag. Alternativ gibt es neu nur noch das Tamron 3,5 180mm DI, das Objektiv ist ok, es ist scharf, der AF ist eine Katastrophe und auch sonst würde ich das Tamron nur nehmen, wenn es ein absolutes gebrauchtes Schnäppchen wäre.

Sigma hatte ein 2,8 150mm Macro mit und ohne OS und ein 2,8 180mm OS Macro im Programm. Diese sind im aktuellen Programm alle eingestellt worden. Ich setze sowohl das 2,8 150mm als auch das 2,8 180mm Macro ein. Diese Objektive sind optisch gut (150mm) bis sehr gut (180mm OS). Das Bokeh ist super und auch die Unschärfekreise sind toll. Die Handhabung und Verarbeitung ist leider nur mäßig, auf Grund einer wirklich guten Alternative von Canon, setze ich diese aber dennoch ein. Gerade die Stativschelle, die Schalter und die Streulichtblende machen gerne einmal Probleme. Vom Bildergebnis sind sie jedoch einwandfrei. Das alte Sigma 2,8 150mm ohne OS ist absolut empfehlenswert, wobei die Canonobjektive (100/180mm) schärfere Ergebnisse liefern. Der Vorteil dieser alten Konstruktion ist, dass sie extrem kompakt ist. Um das alte 3,5 180mm Sigma mache ich lieber einen Bogen.

Tatsächlich hoffe ich, dass Canon und Nikon im Telemakrobereich in den nächsten Jahren ein neues Objektiv auflegen. Auch wenn die alten 3,5 180mm bzw. 4,0 200m Makroobjektive optisch noch gut sind, kann man hier heute einfach mehr rausholen. So ein 2,8 180/200mm L Makro mit IS, mit geilem Bokeh, schönen Unschärfekreisen und ohne störende Lensflares wäre schon was Tolles.

Aber auch mit dem 2,8 150mm Macro und dem 2,8 180mm Macro OS habe ich tolle Ergebnisse erzielen können:
 

Makro nicht gleich Makro?

Und jetzt zum wichtigsten, Makro ist nicht gleich Makro, was meine ich damit? Jedes Makroobjektiv hat einen sehr individuellen Bildlook. Gerade bei Gegenlicht, beim Arbeiten mit Unschärfekreisen etc. Was bedeutet das für mich? Ich habe meistens drei Makroobjektive dabei, das Canon 100mm L IS Macro, das Sigma 2,8 150mm Macro und das Sigma 2,8 180mm OS Macro. Grundsätzlich ist das Canon 100er und das Sigma 180er dem 150er optisch einfach überlegen. Wenn es also um ein rational, perfektes, scharfes Makro geht, würde ich nicht das 150er nehmen. Sobald ich aber ins extreme Gegenlicht gehe, ist das Canon 100mm L IS und das Sigma 2,8 150mm Macro einfach viel, viel schöner, da das Sigma 2,8 180mm OS extrem zu Lensflares neigt, die bei diesem Objektiv einfach nicht gut aussehen. Dafür hat das 2,8 180mm OS Macro das cremigste Bokeh.

Am Ende musst du dein Makroobjektiv kennenlernen und genau wissen, wann es wie funktioniert und welchen Bildlook liefert. Das heißt es gibt nicht das beste Makroobjektiv, sondern einfach unterschiedliche Möglichkeiten des Einsatzes und diese unterscheiden sich bei jedem Fotografen. Und da Momenten in Deutschland alles blüht, geh raus und probiere dein Makroobjektiv aus!

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