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Langzeit Test Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS USM meine Erfahrungen

1. August 2022

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

Das Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS USM zeigt auch im Regen keine Schwäche.

 

Einleitung: Ihr erinnert euch an meinen Erfahrungsbericht vom Canon EF 4,5-5,6/100-400mm L IS USM II und wie begeistert ich damals war? Viele von euch sagten, das war doch klar, warum hab ich erst so spät gekauft und deshalb war ich einer der ersten die das Canon RF 4,5-7,1/100-500mm L IS USM gekauft haben. Inzwischen habe ich es seit fast 2 Jahren im Einsatz und eins vorab, ich habe den Wechsel vom Canon EF 100-400mm L IS II auf das Canon RF 100-500mm L IS nie bereut.

Vorab einen Vergleich zwischen Canon 100-400mm L IS II, Tamron 150-600mm und 100-500mm L IS habe ich seinerzeit 2020 hier gemacht.

Erster Eindruck: Beim Auspacken ist bereits klar, da ist ein Canon L Objektiv, die üblichen Köcher und Karten springen einem entgegen und der Rest ist auch gleich. Dem Objektiv liegen eine Stativschelle und eine Streulichtblende bei. Wer von EF kommt nimmt zunächst war, dass die neuen L Objektive etwas heller geworden sind, als es noch bei EF der Fall war und das die Streulichtblende weiß und nicht mehr schwarz ist. Wer auf diese Idee gekommen ist sollte aus meiner Sicht einmal damit fotografieren, ständig ist die Streulichtblende dreckig, ich würde eine dunklere bevorzugen. Ansonsten gibt es wenig Auffälligkeiten, eine Gummilippe zum Abdichten des Bajonetts; 4 Schalter für AF und Stabilisationseinstellungen und 4 verschiedene Ringe.

Bedienelemente: Wir haben 4 Ringe vom Bajonett in Richtung Frontlinse gesehen: einen Controlring (im Menü frei belegbar, z.B. für die Belichtungskorrektur, ISO, Kelvin etc.), einen MF Ring mit dem man manuell Fokussieren kann, einen Smooth Tight Ring, mit dem man den Zoomwiderstand einstellen kann und einen Zoomring. Also alles dran was man braucht.

Dazu kommen 4 Schalter, ein Fokussierbereichbegrenzer (3m – unendlich), sodass der AF Bereich auf >3m eingeschränkt werden kann, ein AF/MF Umschalter, ein Stabilisator On/Off Schalter und zu guter Letzt ein IS Mode Wahlschalter. Letzterer kann zwischen 1,2 und 3 umgestellt werden. Im Mode 1 haben wir eine volle Stabilisierung beider Achsen; im Mode 2 wird nur noch eine Achse stabilisiert (Stichwort Mitzieher) und der Mode 3 ist der „Anti-Kotz-Modus“, hierbei wird der IS nur unmittelbar beim Auslösen aktiviert, er richtet sich unter anderem an den Personenkreis, der durch dauerhafte Bildstabilisierung zur Seekrankheit neigt.

Erwartungen: meine Erwartungen waren hoch, über 3000 EUR (genau 3099 EUR) für ein Zoomobjektiv in diesem Bereich ist eine Menge Geld und ich hatte ja bereits ein hervorragendes Canon EF 100-400mm L IS II. Mir persönlich war neben der optischen Leistung, die sehr gute Naheinstellgrenze von 0,9m und ein maximaler Abbildungsmaßstab von 1:3 wichtig, da ich damit sogar in einen Bereich der Telemakrofotografie eintauchen kann, was vor 10 Jahren noch sehr schwierig war.

Alpenveilchen sind mit einer Wuchshöhe von 10cm kleinere Pflanzen, die man super mit dem neuen Canon RF 100-500mm im Makrobereich fotografieren kann.

 

Praxisrelevanz eines 100-500mm Objektives: für mich persönlich ist ein 80-400mm oder ein 100-500mm Objektiv das perfekte Tele für die Naturfotografie. Ich möchte gerne erklären warum oder habe manchmal das Gefühl mich dafür rechtfertigen zu müssen. Das klassische 70-200mm Objektiv ist mir in der Regel zu kurz, sowohl für Landschaftsfotografie als auch für die Tierfotografie, ist es für mich immer nur begrenzt sinnvoll gewesen, weshalb ich, das 100-400mm Objektiv bevorzugt habe. Umgekehrt kommt ein 150-600mm oder 200-600mm Objektiv nicht in Frage für mich, das hat mehrere Gründe, zum einen ist mir die kürzeste Brennweite zu lang, so ist der Sprung von 100 auf 200mm enorm, wohingegen der Unterschied zwischen 500 und 600mm nicht mehr so merklich ist, das eine ist ein Sprung von 100% und das andere eben von 20%. Der zweite Faktor ist für mich das Filtergewinde, ich verwende am Canon RF 100-500mm L IS USM unheimlich oft einen Polarisationsfilter, weshalb ich das Filtergewinde in 77mm sehr schätze, gerade in der Landschaftsfotografie und dann kommen die kompakten Ausmaße dazu, es ist eingezogen mit 20,7cm wirklich kurz (zum Vergleich ein Sony 200-600mm 5,6 wiegt mit 2,225kg knapp 700g mehr als das Canon RF 100-500mm, das 1530g wiegt und dabei ist das Canon knapp 10cm kürzer, als das Sony). Für mich ist das Canon RF 100-500mm ein perfektes Immerdabei-Tele, das ich oft am Hüftgurt des Rucksacks trage und das durch mein Supertele ergänzt wird. Es ist in seinen Facetten einfach ein perfekter Allrounder für meine Fotografie.

Dunkelzoom: die Frage ob 7,1 ok ist als Offenblende oder nicht, wird mir oft gestellt von euch. Ich kann damit leben, warum? Die Offenblende wird ja durch die Brennweite und die Frontlinsenöffnung definiert und somit sollte jedem klar sein, wer gerne ein 77mm Filtergewinde haben will, der bekommt eben weniger Licht auf dem Sensor raus. Im Vergleich zum Canon 100-400mm L IS II verliert man nur zwischen 363 und 400mm 1/3 Blende Licht im Vergleich und gewinnt dafür oben raus 100mm Brennweite, ein für mich fairer Tausch. Aber natürlich, wenn ich dieses Objektiv in gleicher Größe, mit Offenblende 2,8 haben kann, dann bitte her damit, AC-Foto hat ja meine Lieferadresse! An der Stelle #Transparenz, ich habe mein Canon RF 100-500mm L IS wie immer bei AC-Foto gekauft und mit meinem eigenen Geld bezahlt. Über diesen Link könnt Ihr ein individuelles Angebot von AC-Foto bekommen, sodass sowohl ihr als auch ich beim nächsten Kauf profitieren. 

Optische Leistung: Kommen wir zurück zu den harten Fakten, das Canon RF 100-500mm L IS USM ist aus meiner Sicht das optisch wohl beste Telezoom, dass ich je gesehen habe. Die Auflösung ist hervorragend, die Schärfe ist brillant bis in die Bildecken und die Kontraste sind perfekt. Rein von der Schärfe und den Kontrasten ist es auf einem Level mit sehr guten Festbrennweiten (diese haben noch das bessere Bokeh). Natürlich gibt es einen leichten Randabfall, dieser ist jedoch kaum merklich und nicht praxisrelevant. Es ist problemlos möglich jedes Motiv bis an den Bildrand zu positionieren.

Selbst bei der Positionierung des Auges in der unteren rechten Ecke ist die Qualität nach wie vor überragend.

 

Chromatische Aberrationen, was ist das? Auch hier ist das RF 100-500mm bestens korrigiert. In der Praxis habe ich hier keine CAs wahrnehmen können. Hier hat Canon insgesamt wirklich abgeliefert, es ist der Wahnsinn. Beim 100-400er dachte ich schon, wie soll das besser gehen? Aber die Mikrokontraste und Schärfe ist einfach nochmal ein Level darüber.

Bokeh, Bildlook und Gegenlicht: Hmmm, das sind nicht so die Paradedisziplinen eines Zoomobjektives. Bokeh, aus meiner Sicht voll ok bis gut, was heißt das? Die Unschärfekreise sind in der Bildmitte rund und werden zu den Rändern leicht oval, die Freistellung ist ok, hier merkt man einfach die fehlende Lichtstärke im Vergleich zu 2,0 oder 2,8er Festbrennweiten. Betrachtet man aber die Offenblende und die Limitierung von Preis, Größe, Gewicht, so ist das Bokeh aus meiner Sicht sehr gut bis konkurrenzlos in der Klasse, es gibt eigentlich nichts zu beanstanden. Bildlook, eigentlich hat das Canon RF 100-500mm L IS keinen eigenen Bildlook für den ich es wiedererkennen würde. Es liefert einfach sehr gut und sauber ab. Den einzigen Bildlook kann es bei Gegenlicht erzeugen. Hier schafft es eine top Korrektur und bei direktestem Gegenlicht teilweise wirklich richtig geile Lensflares, die dem gesamten Bildeindruck positiv zugutekommen. Sonst ist es bei Gegenlicht sehr unauffällig und besser korrigiert als die meisten anderen Telezooms. Ich habe hier mit dem Canon 100-400mm L IS IIund einem Sony 200-600mm vergleichen können letztes Jahr in den Bergen. In Bereichen in denen beide wirklich Probleme hatten, war das RF 100-500mm noch nahezu frei von Lensflares.

Die Lensflares die das Canon RF 100-500mm L IS verursacht sind wundschön, hier eine Steingeiß im Morgenlicht.

 

Autofokus und Bildstabilisator: Der Bildstabilisator ist sehr gut, er stabilisiert so gut, dass ich konstant 1/50sek bei 500mm an der Canon EOS R5 scharf abbilden kann. Bei 1/25sek und 500mm rechne ich bereits mit einigem an Ausschuss. Diese Werte sind hoch individuell, ich bin damit aber sehr zufrieden. Bleibt der Autofokus und hier muss man aus meiner Sicht drei Faktoren unterscheiden mit modernen spiegellosen Kameras, wir haben zum einen die Geschwindigkeit von Naheinstellgrenze zu Unendlich, diese hat keinerlei Aussagekraft für die Praxis. Dann haben wir die Präzision des Autofokus und die Zeit, die benötigt wird um das Motiv sauber zu erkennen (Augen/Gesichts Erkennung). Ein Beispiel, was bringt mir ein Objektiv, dass zwar schnell von A nach B fokussieren kann, sein Motiv dabei aber nicht sauber erkennt? Und da ist das Canon RF 100-500mm L IS für mich ein top Objektiv. Der AF ist rasend schnell und die Zeit, die benötigt wird, um das Motiv zu erkennen ist fast nicht vorhanden. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, ich fotografiere oft parallel mit dem Canon EF 200mm 2.0 und dem Canon RF 100-500mm eine Tierart. Beim 200er ist die Motiverkennung so träge im Vergleich zum RF 100-500mm, dass ich hier mit dem klassischen AF-Feld arbeite, wohingegen ich beim gleichen Motiv beim RF 100-500mm L IS USM die Tieraugenerkennnung nutzen kann. Ich behaupte Stand heute, ist das Canon RF 100-500mm L IS USM mein schnellstes und treffsicherste Teleobjektiv.

 

Alles gold? Nein, auch das Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS USM hat ein paar negative Seiten, zunächst die weiße Streulichtblende, die ich persönlich noch als Geschmackssache abtun kann. Aber zwei weitere Punkte stören mich persönlich massiv: 1) die Stativschelle, so eine bescheidene Stativschelle ist aus meiner Sicht eine Frechheit für ein 3000€ Objektiv. Ich habe meine Stativschelle tauschen lassen und inzwischen mindestens 30 solcher Objektive von Workshopteilnehmern in der Hand gehabt, alle haben das gleiche Problem, die Stativschelle kann nicht fest genug klemmen. Egal wie fest diese angezogen wird, auf einem schwergängigen Stativkopf, kann ich immer meine Kamera in der Stativschelle drehen und das ist aus meiner Sicht ein echtes Manko. 2) der zweite Punkt ist der Controlring, warum zur Hölle hat, Canon hier den Controlring an das Bajonett verlagert. Um mein Teleobjektiv stabil halten zu können, greife ich automatisch weit in Richtung Frontlinse. Hier befindet sich bei den meisten RF Objektiven der Controlring, aber nicht beim RF 100-500mm, warum? Als Fotograf der sein Equipment wirklich blind bedienen kann, widerstrebt mir dieses Bedienkonzept.

Praxis: eigentlich habe ich schon alles gesagt, das Canon RF 100-500mm L IS kann alles etwas besser als das Canon EF 100-400mm L IS II. Es zeigt eine herausragende technische Qualität. Was mich sehr verblüfft ist die Schärfe im absoluten Nahbereich, denn auch hier ist die Schärfe wirklich herausragend. Gerade andere Zoomobjektive haben hier oft Probleme.

Wo ich persönlich über den Controllring und die Farbe der Streulichtblende hinwegsehen kann, so bin ich jedes Mal sauer, wenn ich an die Stativschelle denke.

Am Ende muss ich aber zugeben, dass alles zusammen betrachtet, eben dieses Objektiv sehr nahe am perfekten Telezoom ist.

Ein Steinbock mit unglaublich großen Hörnern, aufgenommen bei leichtem Nebel.

 

Muss jetzt jeder ein Canon RF 100-500mm L IS kaufen? Nein. Wer von meinen Workshopteilnehmern danach fragt, ob er es kaufen soll, bekommt von mir viele Gegenfragen gestellt. Ich sehe das Canon RF 100-500mm L IS USM als perfektes Telezoom für das R System an, ja. Dennoch solltet Ihr überlegen ob oder worauf Ihr wert legt. Es kann sein, dass gebrauchte Festbrennweiten wie ein Canon EF 135mm 2.0; Canon EF 200mm 2.0 L IS; Canon EF 300mm 2.8 L IS oder ähnliche euch wesentlich mehr bringen, gerade, wenn euch der Bildlook wichtiger ist. Denkt bei eurer Betrachtung daran, dass ich selbst diese Objektive besitze, wenn es um das Thema Bildlook geht und eben auf das Canon 100-500mm L IS als Ergänzung zugreife, wenn ich ein Zoom benötige. Vielleicht bringt euch z.B. die Kombination aus einem gebrauchten Canon 135mm 2.0 L und einem gebrauchten Canon EF 100-400mm L IS II viel weiter und kostet dabei noch deutlich weniger? Durch die Möglichkeit alle EF Objektive adaptieren zu können, habt Ihr die Chance viele sehr gute EF Objektive einsetzen zu können.

Fazit: Das Canon RF 100-500mm L IS zeigt aus fotografischer Sicht keine Schwächen. Wer es braucht bekommt hier ein unheimlich praxisstarkes Objektiv, das wirklich perfekt auf die Bedürfnisse von Naturfotografen passt. Gerade für Tier- und Landschaftsfotografie ist es wie gemacht und gleichzeitig eignet es sich auch noch für größere Insekten- und Pflanzenarten und die Landschaftsfotografie. Ich finde es ist ein rundum perfektes Telezoom.

 

Gerade für Landschaftsaufnahmen mit längerer Brennweite eignet sich das Canon RF 100-500mm L IS bestens.

 

Hier die Spiegelung der Bäume im Herbst, aufgenommen im Rondane Nationalpark.

 

Ein Detail im Bachlauf des Valle Verzascas, aufgenommen in Kombination mit einem Nisi Polarisationsfilter und ND 8 Filter.

 

Gerade für Tiere im Lebensraum ist das Canon RF 100-500mm perfekt geeignet. 

 

Gänse im Gegenlicht

 

Das Bokeh mit dem Canon RF 100-500mm L IS kann sich sehen lassen. 

 

Farn am Rande einer Lichtung.

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