24. Mai 2026
Blogtalk, Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest, Podcast
Heute gibt es 2 in 1, Blogeintrag und Podcast, dementsprechend bekommst du hier Shownotes zum Podcast und gleichzeitig einen Blogeintrag oder einen Blogeintrag der mit einem Podcast unterstrichen werden kann, entscheide selbst.
Danke an AC-Foto.com für die Unterstützung dieses Podcasts!
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Links Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS und rechts Canon RF 70-200mm 2,8 L IS Z
Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass ich eine etwas zwiegespaltene Beziehung zu den „alten“ Canon 70-200mm 2.8 hatte. Als Canon dann die „Z“-Version ankündigte – intern fokussiert, intern gezoomt und endlich kompatibel mit Extendern – war klar: Das probiere ich aus. Zunächst habe ich es skeptisch bei AC-Foto im Rent ausgeliehen, zum Workshop Vogelftografie nach Helgoland mitgenommen (Es ist gerade ein Workshopplatz auf Helgoland vom 25-28. Juni frei geworden, melde dich schnell an!) und später auch bei AC-Foto gekauft.
#Transparenz, ich bin Canon Ambassador und arbeite mit AC-Foto.com zusammen. Mein Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z habe ich von meinem eigenen Geld bei AC-Foto gekauft und probiere natürlich so objektiv wie möglich zu sein. Wenn du meinen Blog und Podcast unterstützen willst, dann hol dir jetzt dein individuelles Angebot bei AC-Foto.com ein und spare dabei richtig!
Vorab meinen Vergleich zum Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS findest du hier.
Ich hatte das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z jetzt ein Jahr intensiv im Einsatz, von feuchten Wäldern bis hin zu windigen Küsten, und möchte meine Erfahrungen mit euch teilen. Es ist also mein Langzeit Erfahrungsbericht und kein Test für Wildlife-, Landschafts- und Makro Fotografie.
Natürliches Bokeh auf mittlere Entfernung
Der „Z“-Faktor: Bauweise und Handling
Das Erste, was auffällt: Das Objektiv ist groß. Es ist deutlich länger als die erste RF-Version, da es nicht mehr einfährt. Aber – und das ist der entscheidende Punkt für mich – die Balance bleibt immer gleich. Wenn ich das Objektiv auf dem Stativ habe (ich nutze hier eine Novoflex QPL-2 mit Q-Stop TC), verschiebt sich der Schwerpunkt beim Zoomen nicht. Die Stativschelle ist wirklich gut geworden und die Verarbeitung auf top Niveau. Mit 1115g (ohne Fuß) ist das Handling des Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z sehr gut freihand möglich.
Die Verarbeitung ist auf dem typischen L-Level. Der neue Blendenring (Iris Ring) und die Möglichkeit einen Power Zoom Motor einzusetzen, sind nette Features, die ich noch nie benutzt habe. Was mich aber wirklich begeistert, ist der Zoom-Widerstand. Er ist butterweich und kurzwegig.
Das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z gibt es in zwei Farben, Schwarz und Weiß. Ich habe mich für die weiße Variante entschieden, da ich das gewohnt bin und sich das Objektiv in der Sonne weniger erwärmt. Die Kombination aus dem Weißton und dem verwendeten Kunststoff führt aber dazu, dass das Objektiv bei mir eher einen dreckigen Braunton angenommen hat. Im Nachgang hätte ich vielleicht doch lieber das schwarze genommen.
Das Filtergewinde des Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z beträgt 82mm, das sollte man im Hinterkopf behalten. Mich stört es, da meine anderen Zooms alle 77mm Filter nutzen.
Intimate Landscape beim Workshop im Valle Verzasca
Moschusochenweibchen in der Landschaft der Berge Norwegens
Ein typisches Landschaftsfoto mit dem Tele Objektiv
Autofokus und Bildstabilisierung
Das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z performed wahnsinnig gut was den AF und IS angeht. Hier gibt es aktuell nichts Besseres im Hause Canon. Der AF ist unfassbar schnell und treffsicher, auch mit Extendern. Die Objekterkennung arbeitet perfekt. Beim Thema IS, also der Bildstabilisierung gibt es aktuell auch nichts, besseres am Markt. Das ermöglicht zum einen sehr ungewöhnliche Perspektiven, ohne dass man sich allzu große Gedanken über die Verschlusszeit machen muss. Auf der anderen Seite kann man, wenn das Motiv still hält, durchaus längere Verschlusszeiten im Grenzbereich angehen.
1/4 sek freihand beim Herbst Workshop im Bayerischen Wald
Die optische Leistung und das Bokeh
Optisch liefert Canon hier gnadenlos ab. Schon bei Offenblende von f/2.8 ist die Schärfe bis in die Ecken hervorragend. Auch der Kontrast ist perfekt, es ist ein absolutes Top Objektiv, das auf gnadenlose Schärfe abgestimmt ist. Beim Einsatz des 2X Extenders ist das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z ebenfalls auf einem sehr guten Niveau. Es bedient die 45Mpix der Canon R5 II erstaunlich gut und die Performance ist weit besser als eine Notlösung.
Das Bokeh des Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z ist durchwachsen, es stellt gut frei und hat für ein Zoom einen echten Bildlook. Dennoch sollte man es nicht mit den Festbrennweiten vergleichen. Bei Festbrennweiten wie das Canon RF 135mm 1.8 L IS im Nahbereich ein absolut weiches Bokeh erzeugen, wirkt das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z harsch und hart. Das ist dem geschuldet, dass das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z auf maximale Schärfe getrimmt ist. Es ist im Nahbereich schärfer als das Canon 135mm 1.8 L IS, gleichzeitig hat das Bokeh aber auch eine härte, die ich von Festbrennweiten nicht kenne. Hier ergänzen sich beide Objektive in der Praxis, abhängig davon welchen Look ich für das jeweilige Foto brauche. Schaut euch den kleinen Bokehvergleich an, der Arbeitsabstand ist 1:1 gleich, ich habe probiert mit beiden Objektiven ein gutes Buschwindröschen Bild zu machen, deshalb habe ich die Rahmung der Bäume leicht anders gewählt, also nur die Kamera leicht nach links und rechts bewegt. Das 70-200mm Bild ist bei 168mm und das 135er Bild logischerweise bei 135mm entstanden. Was deutlich auffällt ist wie viel deutlicher die Bäume gezeichnet werden und wie viel härter das Bokeh wirkt. Aber wie du siehst kann man auch tolle Fotos mit dem 70-200mm machen.
Versuch eines Bokehvergleiches, gleicher Arbeitsabstand RF 70-200mm 2.8 L IS bei 2.8 und 168mm
Canon RF 135mm 1.8 L IS bei 1.8
Das Foto des Schachbrettfalter wirkt nur durch das harsche Bokeh, mit dem 135er wäre es langweilig
Lensflares: hier ist das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z bestens korrigiert, es erzeugt kaum Lensflares im Gegenlicht und ist auch hier immer sehr kontrastreich. Kommt es zu Lensflares sind diese meistens sehr fotogen, das Licht bricht dann in einem schönen Orangeton, sodass ich persönlich das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z im Gegenlicht sehr gerne nutze.
Hier sieht man gut das unauffällige Flareverhalten
Der Technik-Check: Was passiert im Nahbereich?
Jetzt wird es für die Technik-Nerds unter euch interessant. Ein großes Thema bei modernen Objektiven ist die effektive Brennweite im Nahbereich. Viele fragen mich: „Radomir, bleiben bei 200mm im Nahbereich wirklich 200mm übrig?“
Ich habe das mal für euch durchgerechnet und in der Praxis getestet. An der Naheinstellgrenze von 0,68 m erreicht das RF 70-200mm Z einen Abbildungsmaßstab von 0,3x. Mathematisch bedeutet das: Die effektive Brennweite schrumpft im Nahbereich auf ca. 121 mm.
Bevor jetzt alle aufschreien: Das ist bei innenfokussierten Objektiven völlig normal. Zum Vergleich: Das extrem beliebte RF 135mm 1.8L hat an seiner Naheinstellgrenze eine effektive Brennweite von ca. 115 mm. Dementsprechend sollte man nicht davon ausgehen, dass man mit dem 70-200mm viel weiter weg vom Motiv kann als mit dem 135er.
Hier habe ich das 70-200mm genutzt, damit man die Pflanzen im Vordergrund noch erahnen kann.
Endlich: Extender-Kompatibilität!
Das war für mich der größte Kritikpunkt am kompakten Canon RF 70-200mm 2.8 L IS. In der Wildlife- und Landschaftsfotografie sind 200mm oft zu kurz. Mit dem RF 2x Extender machen wir aus dem 70-200mm ein 140-400mm f/5.6. In der Praxis war ich überrascht, wie gut die Bildqualität bleibt. Klar, man verliert etwas Kontrast, aber die Schärfe ist absolut gut. Der Clou: Der maximale Abbildungsmaßstab steigt mit dem 2x Extender auf 0,6x. Damit landen wir fast schon im Makro-Bereich. Für Schmetterlinge oder Libellen, bei denen man etwas Fluchtdistanz braucht, ist das eine geniale Kombination.
70-200mm für wen?
Wer braucht nun ein 70-200mm?
Du suchst ein einzelnes Zoomobjektiv für die Wildlife Fotografie, dann kauf KEIN 70-200er, nimm direkt das Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS oder das Canon RF 200-800mm IS. Hier bekommst du mehr Brennweite für weniger Geld in vergleichbarer Qualität.
Das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z ist perfekt, wenn du oben raus bereits mit anderen Objektiven im Bereich Wildlife Fotografie unterwegs bist, dann bekommst du ein Zoomobjektiv, das eine geile Freistellung liefert. Gerade in Kombination mit dem Canon RF 400mm 2.8 L IS macht mir die Linse große Freude.
Auch in der Landschaftsfotografie finde ich das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z stark. Auf Touren in den Bergen spare ich mir das 24-105mm komplett und arbeite dann mit dem Canon 14-35mm 4.0 L IS in Kombination mit dem Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z und dem Canon RF 400mm 2.8 L IS.
Für mich hat das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z das Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS abgelöst, da mir hier etwas Freistellung und Bildlook fehlte. Ich habe für mich festgestellt, dass mir genau das fehlt, da ich sonst die sehr lichtstarken Festbrennweiten gewohnt bin und habe den Schritt nicht bereut.
Selbst bei hartem Gegenlicht performend das Canon 70-200mm Z
Mein Fazit
Das Canon RF 70-200mm F2.8L IS USM Z ist ein Jahr im Einsatz und ich habe tausende Fotos gemacht. Für mich ist es ein Objektiv das nahe der Perfektion ist. Schärfe, Kontrast Stabilisierung und AF sind auf einem absoluten top Niveau, was wir bei einem Preis von 3599EUR aber ehrlicherweise auch erwarten. Die einzige echte Schwäche ist die Härte des Bokehs, die aber eben mit der Konzeption der kompromisslosen Schärfe einhergeht. Im polnischen sagen wir „etwas für etwas“ oder besser gesagt alles hat seinen Preis. Ich nutze das Canon RF 70-200mm 2.8 L IS Z sehr gerne als lichtstarkes Teleobjektiv für Landschaft, Makro und Tiere im Lebensraum. Im Vergleich zum 100-500er habe ich eine Linse gewonnen, die mir gerade auf Reisen viele neue Möglichkeiten im Nahbereich ermöglicht.
Du willst diene Fotografischen Fähigkeiten weiterentwickeln? dann schau bei meinen Workshops vorbei.
Gerade bei solchen Aufnahmen im Tierfreigehege spielt das 70-200mm seine Stärke voll aus.
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