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Canon RF 24mm 1.8 IS Macro – erste Erfahrungen / kleiner Test

5. September 2022

Fototechnik, Objektivtest

 

Größenvergleich Canon RF 24-105mm 4.0 L IS vs. Canon RF 24mm 1.8 IS vs. Sigma DG ART 24mm 1.4

Das Canon RF 24mm 1.8 IS Makro wurde letzte Woche ausgeliefert und wie es sich gehört, ist die Stimmung in den Internetforen negativ. Ich bin immer wieder verblüfft, wie emotional die Diskussionen über Objektive geführt wird, die man oft überhaupt nicht besitzt. Laut den Internetforen, verkauft Canon vermutlich nicht ein einziges Objektiv mehr, sieht man die Liefersituation, könnte es durchaus sein, dass dies nicht den gesamten Markt wiedergibt. Aber genug über die Kultur von Foren geschimpft, zurück zum Thema. Dieser kurze Blogeintrag soll nur dem Rechnung tragen, dass ich recht viele Fragen zu dem Objektiv bekommen habe. Er wird nur meinen ersten Eindruck schildern, detaillierter wird es vermutlich in ein paar Monaten oder Jahren mehr zu der Optik geben.

#Transparenz, das Canon RF 24mm 1.8 wurde wie immer bei AC-Foto gekauft und von mir bezahlt.

Im Folgenden werde ich das Canon RF 24mm 1.8 vs. Sigma DG ART 24mm 1.4 vergleichen. Warum ich das mache? Ganz einfach, ich will mein Sigma DG ART 24mm durch das Canon ersetzen und entsprechend ist es mein eigenes Interesse. Böse Zungen behaupten, dass ich keine andere 24mm Festbrennweiten habe; schuldig.

Objektivdesign Canon RF 24mm 1.8 IS vs. Nikkor Z 24mm 1.8:

Aus technischer Sicht gibt es zwei Konzepte für ein 24er. Deshalb will ich kurz das Nikkor Z 24mm 1.8 mit Canon RF 24mm 1.8 vergleichen, denn es sind zwei verschiedene Ansätze. Canon geht den Weg und baut ein Objektiv mit möglichst kompakten Abmessungen und möglichst Makrotauglich. Gleichzeitig verpasst Canon dem RF 24mm einen Bildstabilisator und baut mit unter 300g ein sehr leichtes Objektiv. Nikon geht einen anderen Weg, das Objektiv ist innenfokussiert und möglichst perfekt korrigiert.

Warum entstehen so unterschiedliche Objektivdesigns? 

Canon will einen möglichst großen maximalen Abbildungsmaßstab erreichen. Um das zu erreichen, benötigt man einen Auszug, diesen kann man konstruktiv entweder im Objektiv verbauen oder durch einen Tubus, der ausfährt lösen. Canon entscheidet sich dafür das Ganze über einen Auszug des Tubus extern zu lösen, dadurch wird das Objektiv eingezogen kompakter und erreicht einen maximalen ABM von 1:2. Dabei ist es ca. 3cm kürzer als das Nikkor und etwa 180g (40%) leichter bei gleichzeitig verbauten Bildstabilisator. Nikon will das 24er möglichst perfekt machen, als „klassisches“ 24er. Dadurch ist es länger, größer und schwerer und weist ein deutlich größeres Filtergewinde auf. Gleichzeitig ist es innenfokussiert und kostet mit 1249€ etwa 500€ mehr als das Canon und bringt „nur“ einen maximalen ABM von 1:6,7.

Betrachtet man die Konstruktionen kann man davon ausgehen, dass das Nikkor weniger digitale Korrekturen benötigt. Unterm Strich ist die Frage, was will man haben? Es ist sehr spannend, wie unterschiedlich ein solches 24er für eine spiegellose Kamera konzipiert sein kann.

Auspacken und erster Eindruck

Die Verpackung der nicht L Objektiv im Hause Canon ist sehr nüchtern, Karton, Luftpolsterfolie, Objektiv mit Deckeln. Eine Streulichtblende und eine Dankeskarte wären aus meiner Sicht noch angebracht, fehlen aber.

Nimmt man das Canon RF 24mm aus der Verpackung könnte man auch glauben es sei das Canon RF 35mm 1.8, Verarbeitung, Anmutung und Gehäusegröße sind wirklich identisch. Es ist funktional und sauber aus Kunststoff verarbeitet. Ein nüchternes Design, das keine Emotionen weckt.

AF und IS

Der AF ist schneller als der des Canon RF 35mm 1.8 und auch schneller als der des Sigma DG ART 24mm 1.4. Von der Lautstärke ist er leiser geworden als der des Canon RF 35mm 1.8 und ist lauter als der des Sigma.

Der Bildstabilisator arbeitet sauber und auf den Punkt.

Erster Test

Meistens teste ich schnell freihand grob in Richtung Bildränder und Bildmitte, im Vergleich zu einem anderen Objektiv und bewerte es schnell auf dem Display. So kann ich entscheiden, ob ich das Objektiv behalte. Dabei hatte ich zum einen das Motiv in der Bildmitte auf größere Entfernung ca. 12m fotografiert und dann am Bildrand oben und unten. Ich habe für mich den direkten Vergleich zwischen Sigma DGART 24mm 1.4 bei 1.8 und das Canon RF 24mm 1.8 bei Blende 1.8 gemacht. Spontan hätte ich in der Bildmitte minimal mehr Schärfe beim Sigma gesehen und zu den Bildrändern hin war das Canon deutlich besser. Dann bin ich weggefahren und habe später sauber getestet. In dieser Zeit habe ich im Internet gelesen, wie stark die optischen Korrekturen beim Canon RF 24mm sein sollen und entsprechend getestet.

Digitale Korrekturen

Das Canon RF 24mm 1.8 wird digital korrigiert. Vor allem die Verzeichnung wird recht stark korrigiert. Ob man das gut findet oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich ist das aus zwei Gründen beim 24er ok. Ich verwende das Canon RF 24mm im Nahbereich, da ist die Verzeichnung für Makros ok und bei People kann man das Profil nutzen. Ich sehe das Objektiv bei mir nicht in einem Einsatzfeld, in dem es ich behindern würde. Umgekehrt gewinne ich dadurch die kompakte Bauweise.

Optische Leistung:

Was die optische Leistung angeht, habe ich das Canon RF 24mm 1.8 mit dem Sigma DG ART 24mm 1.4 verglichen und bei Blende 4 auch noch die Bildecke gegen das Canon RF 24-105mm 4.0 L IS gegenübergestellt. Die gezeigten Ausschnitte sind ungeschärfte RAWs auf 100% gezoomt.

Da ich das Objektiv vorwiegend für Menschen und Makrofotografie einsetzen will, habe ich mein Motiv nicht zu weit entfernt gewählt. Es wurde die Verzeichnungskorrektur angewendet. Die Vignettierungskorrektur wurde NICHT verwendet. Warum ich das mache? Im Sucher wird das bereits korrigierte Bild angezeigt, es ist nicht möglich einen annähernd gleichen Bildausschnitt zu wählen, wenn man nicht die Verzeichnungskorrektur einsetzt. Zudem wurde das Canon RF seitens Canon, natürlich mit der Korrektur entwickelt. Es ist also aus meiner Sicht sinnfrei es ohne diese zu vergleichen.

In der Bildmitte ist das Sigma ART und das Canon RF 24mm jeweils bei Blende 1.8 zum Verwechseln ähnlich. Vielleicht mit leichten Vorteilen zum Sigma ART.

 

In den Bildecken finde ich bei 1.8 sowohl das Sigma als auch das Canon unbrauchbar. Wobei das Sigma ART schärfer ist als das Canon. Bei 2.8 wird es besser, aus meiner Sicht ist die Qualität brauchbar, aber nicht überragend. Hier sehe ich nach wie vor das Sigma ART vorne. Bei Blende 4 sind die Bildecken erstmals richtig brauchbar. Hier ist das Canon einen tacken detailreicher als das Sigma Art, aber es ist alles andere als ein praxisrelevanter Unterschied.

 

Das Ergebnis hat nicht ganz zu meinem ersten Test gepasst. Entsprechend habe ich das Motiv aus der Bild Ecke in Richtung Bildrand positioniert. Das bedeutet in der Mitte des unteren oder oberen Drittels des Bildes, um zu sehen, wie sich der Randabfall verhält. Dies ist für mich relevant, da ich hier oft die Augen des Motivs oder das gesamte Motiv (Makro) positioniere. Hier ist der Unterschied gigantisch. Am Bildrand (nicht Bildecke) ist das Canon RF 24mm 1.8 wesentlich schärfer als das Sigma ART 24mm 1.4. Das passt im Übrigen auch sehr gut zu den Testwerten des Sigmas von Opticallimits, die zeigen, dass der Abfall an gemessenen Linienpaaren zum Bildrand messbar fast 50% abfällt.

 

Unterm Strich kann ich sagen, dass der Unterschied in Bildmitte und Bildecke kaum Praxisrelevant ist, an den Bildrändern aber sehr groß ist.

 

Bokeh:

Das Bokeh hat einen klaren Sieger, das Sigma ART 24mm 1.4 hat bei 1.8 ein viel weicheres und schöneres Bokeh als das Canon RF 24mm 1.8. Betrachtet man sich die Highlights sind die Übergänge beim Sigma einfach viel viel schöner.

 

 

Sonnenstern:

Vielen von euch ist der Sonnenstern einer Optik sehr wichtig. Mein guter Freund Michael Lauer, der auch das Canon RF 24mm 1.8 einsetzt, ist hier begeistert. Bereits Bei Blende 9 kann man mit dem Canon RF 24mm 1.8 einen top Sonnenstern erreichen. Besonders spannend, dass dies bereits bei Blende 9 möglich ist. Einen solchen Sonnenstern erzeugen die üblichen Zooms eher bei Blende 16. Entscheidet selbst. Michael hat mir erlaubt euch dieses Bild zu zeigen, schaut mal bei Ihm vorbei.

 

Canon EOS R + Canon RF 24mm 1.8 @f/9.0

 

Praxis und Einsatzfeld:

Mein Einsatzfeld für das Canon RF 24mm 1.8 ist die Fotografie von Makros und Menschen. Entsprechend ist für mich die Schärfe in der Bildmitte hin zum Rand sehr wichtig. Die Bildecken interessieren mich bei der Optik für meinen Einsatzfall weniger.

Was mich sehr anspricht, ist die Baugröße und Gewicht, das Canon RF wiegt mit beiden Deckeln 297g und das Sigma ART 24mm 1.4 wiegt mit angesetztem EF RF Adapter und beiden Objektivdeckeln 820g. Damit ist das Sigma fast drei Mal so schwer wie das Canon. Die Baulänge des Sigmas mit Adapter ist ebenfalls fast doppelt so lang wie das Canon.

Besonders praxisrelevant ist für mich, dass der maximale Abbildungsmaßstab beim Canon wesentlich größer ist. Dabei tut mir persönlich sehr weh, dass das Bokeh des Sigmas schöner ist. Die Tatsache, dass das Canon einen Bildstabilisator hat ist mir eigentlich egal bei 24mm, kann aber natürlich ab und an von Vorteil sein.

Für mich sind in der Praxis zwei Dinge entscheidend beim 24er: Größe/Gewicht und Schärfe am Bildrand und das ist beim Canon RF 24mm eben deutlich besser. Gerade die Schärfe zu den Bildrändern hat mich an dem Sigma ART 24mm 1.4 schon immer gestört, da hier oft mein Motiv positioniert ist. Entsprechend war meine Arbeitsblende schon immer 1.8 und selbst da war ich nicht richtig zufrieden. In Ermangelung an guten Alternativen, habe ich es natürlich verwendet. Steige eben nun entsprechend auf das Canon um.

Die tatsächlichen Praxiseindrücke werden irgendwann folgen, das braucht aber einige Zeit.

 

Preis:

Das Canon RF 24mm 1.8 IS Makro kostet 749€. Ob das teuer oder preiswert ist, muss jeder von euch selbst entscheiden. Meine erste Empfindung war, oha das ist aber teuer. Dann habe ich die 1249€ des Nikkor Z 24mm 1.8 gesehen und das Bauchgefühl wurde etwas besser. Gleichzeitig habe ich in den alten Unterlagen gewühlt und siehe da, das Canon EF 24mm f/2.8 IS USM wurde am 07.02.2012 für 829 € angekündigt. Das bedeutet, 1 1/3 Blenden Lichtschwächer für 80€ mehr in 2012. Ihr merkt, ich rede es mir schön. Meine Empfindung beim Preis, ist teuer, aber gerade noch akzeptabel.

 

Fazit:

Mein kurzes Fazit zum Canon RF 24mm 1.8 ist für mich passend. Wie ihr merkt, muss jeder selbst entscheiden, ob das RF 24mm zur eigenen Fotografie, den Motiven und Erwartung passt. Ich sehe das Canon RF 24mm 1.8 bei mir als Objektiv, das eher im Bereich Blende 1.8-2.8 für Makros und  Menschenfotografie genutzt werden wird und glaube, es wird mir sehr praxisrelevanten Vorteil (zum Sigma ART) liefern durch die Größe, Gewicht und die gute Naheinstellgrenze.

 

Affiliate:
Da ich seit langer Zeit mit AC-Foto zusammenarbeite, könnt Ihr jetzt ein individuelles Angebot bekommen, auf eure nächste Bestellung. Über diesen Link könnt Ihr ein individuelles Angebot von AC-Foto bekommen, sodass sowohl ihr als auch ich beim nächsten Kauf profitieren. 

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