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Canon 2,8 300mm L IS II – Die Allzweckwaffe

30. Dezember 2017

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

 


Geradezu kompakt wirkt das 2,8 300mm L IS II.

Zugegebenermaßen, das Canon 2,8 300mm L IS II steckt mir schon lange in der Nase bzw. auf meiner Wunschliste. Wer wie ich eigentlich immer das Canon 2,8 400mm L IS II bei sich hat braucht objektiv gesehen kein 2,8 300mm L IS II, aber ich war schon immer Neugierig wie sich dieses Objektiv schlägt und wollte es einsetzen. So kam der Tag im Frühjahr 2017 an dem ich endlich das Canon 2,8 300mm L IS II erworben habe und ich muss mir die Frage stellen warum nicht schon früher. Aber der Reihe nach, fangen wir das ganze geordnet an.
Auspacken:
Beim Auspacken findet Ihr zunächst einen Koffer/“Beauty Case“ der wesentlich kompakter ist als der des Canon 2,8 400mm L IS II / 4,0 500mm L IS II / 4,0 600mm L IS II. Im Koffer findet Ihr das Objektiv mit Objektivdeckeln vorne und hinten, einen Objektivgurt und einen Tragegurt für den Koffer. Es ist neben dem Canon 4,0 400mm DO IS II das einzige Supertele, das mit einem einzigen Stativfuß ausgeliefert wird.

Erster Eindruck:

Mein erster Eindruck war, verdammt ist das teuer. Mit einem Neupreis von 6000 EUR schluckt man schon ganz ordentlich für ein 300er. Hat man den ersten Schock überwunden und greift in den Koffer wundert man sich wofür man so viel Geld bezahlt hat, es wiegt ja fast nix. Mit einem Gewicht von 2450 Gramm, ist dieses Objektiv fast 1,5kg leichter als das Canon 2,8 400mm L IS II das ich gewohnt bin. Das klingt im ersten Moment nicht viel, aber es ist richtig leicht.
Die Verarbeitung ist wie man es gewohnt ist von einem Canon Supertele erstklassig. Der IS hat 3 Stufen: 1) normal 2) für bewegte Objekte und 3) für diejenigen die von der I-er Version kommen, ist dieser zusätzliche IS Modus, der IS Modus 3. Dieser wird auch „Anti-Kotz IS“ genannt. Bei diesem IS Modus aktiviert sich der IS nur während der Belichtung und ist bis zur Belichtung ausgeschaltet. Ich selbst setze immer den IS Modus 1. ein, selten den Modus 2.
Die neue Stativschelle ist im Vergleich zu der des Canon 2,8 300mm L IS der ersten Version sensationell. Endlich eine richtig gut gelagerte Stativschelle und nicht mehr dieses hackelige Stativschellchen aus der ersten Version. Wozu Canon einen Anschluss für ein Kensington Lock an der Stativschelle verbaut hat, ist für mich nach wie vor rätselhaft, aber vielleicht brauchen das ja Sport oder Reportagefotografen für irgendwas. Und jetzt kommt das ABER warum hat diese Stativschelle wieder nur ein Gewinde für eine ¼‘ Schraube? Ich habe bereits in die Stativschelle meines 2,8 70-200mm L IS II ein zusätzliches Gewinde schneiden lassen und den Stativfuß des Canon 2,8 300mm L IS II habe ich auch sofort durch einen Nachbau ersetzt, der zum Schwalbenschwanzsystem kompatibel ist. Ich frage mich ernsthaft wie man überhaupt Stativschellen mit nur einem Gewinde bauen kann. Wenn die Schnellwechselplatte stabil sitzen soll, sind zwei Schrauben, gerade in Anbetracht des großen Hebels notwendig.
Der Mindestabstand beträgt beim Canon 2,8 300mm L IS II 2m; das entspricht einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:5,5 mit dem 2X Extender etwa 1:2,8. Somit ist das Objektiv auch bestens für den Nahbereich geeignet, auch wenn es kein Makroobjektiv ersetzt.

 


Größenvergleich Canon 2,8 300mm L IS II vs. Canonon 2,8 400mm L IS II ohne Streulichtblende

 


Größenvergleich Canon 4,0 300mm L IS vs. Canon 2,8 300mm L IS II vs. Canonon 2,8 400mm L IS II mit Streulichtblende

Optische Qualität:

Canon hat mit den neuen Supertele der Version II alles richtig gemacht, es gibt kein schlechtes Tele in diesem Bereich. Auch das Canon 2,8 300mm L IS II macht hier keine Ausnahme. Die optische Qualität ist über jeden Zweifel erhaben. An der Canon EOS 5DSR bildet es bereits bei Offenblende sehr scharf ab. Tatsächlich ist es nochmals besser als das Canon 2,8 300mm L IS der Version I, hier ist der Fortschritt deutlich spürbar. Auch mit den Telekonvertern löst es ordentlich auf.
Im Nahbereich schlägt sich das Canon 2,8 300mm L IS II sehr gut, auch mit Konvertern löst es top auf, sodass es für Makroähnliche Aufnahmen oder Portraits gut verwendet werden kann. Wer einen 2X Extender mit einem 36mm Zwischenring kombiniert kommt an die Grenzen der Auflösung. Aus meiner Sicht ist die Kombination aus Extender und Zwischenring nicht brauchbar.
Bei direktem Gegenlicht merkt man am 300er, dass es nicht ganz so sauber arbeitet wie das 2,8 400mm L IS II, es neigt schneller zu Lensflares als das 400er und 500er. Gemessen an der Konkurrenz von Zoomobjektiven etc. ist das aber auch erstklassig. Aber eben nicht so gut wie der Primus und mein Liebling das Canon 2,8 400mm L IS II.
Und jetzt kommt das spannende das 2,8 300mm L IS II ist nicht ganz so perfekt wie das 2,8 400mm L IS II. Ich mag es aber gerade im Gegenlicht dadurch noch lieber. Es hat einen ganz eigenen Bildtouch, der mir besonders gut gefällt. Es gibt den Bildern ein wenig mehr „Seele“. Das ist natürlich schlecht oder überhaupt nicht in Worte zu fassen, aber ich merke, dass ich das 300er unglaublich gerne einsetze dadurch.

Autofokus und Bildstabilisator:

Der Autofokus ist unglaublich schnell und präzise. Aus meiner Sicht momentan wohl der beste AF, den ich im Einsatz hatte, neben dem Canon 4,0 200-400mm L IS. Der AF des Canon 2,8 400mm L IS II ist nicht langsamer oder trifft schlechter. Aber tatsächlich ist der Abbildungsmaßstab mit dem 300er oft einen ticken kleiner und die Schärfentiefe beim Canon 2,8 300mm L IS II dadurch einen Ticken größer. Das verzeiht am Ende des Tages ein wenig mehr Fehler des Fotografen und verringert nochmals den Ausschuss.
Der Bildstabilisator arbeitet eigentlich perfekt. Angenehm leise und sehr effektiv.
Kurz AF und IS sind super.

Handling:

Kommen wir zum Handling des Ganzen, wenn man ein 2,8 400mm L IS II gewohnt ist, ist das 300er wirklich ein Leichtgewicht. Ich nehme es oft als „Immerdabei-Tele“ mit. Beispielsweise, wenn ich Landschaft fotografieren gehe.
Ich kann das 2,8 300mm L IS II mit angesetzter Streichlichtblende und Kamera transportieren im Rucksack, dort wo normal nur das 400er mit angesetzter Kamera reinpasst.
Freihand kann man das Canon 2,8 300mm L IS II sehr gut einsetzen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mit dem Canon 2,8 400mm L IS II längere Verschlusszeiten freihand realisieren kann. Ich merke in der Praxis regelmäßig, dass das 300er teilweise zu leicht für mich ist, sodass ich mehr verwackle als mit dem 400er.

Fazit:

Der Bericht liest sich durchwachsen, da ich probiere Ihn so objektiv wie möglich zu halten. In der Summe der Eigenschaften muss ich aber ganz klar sagen, dass das Canon 2,8 300mm L IS II mein Lieblingsobjektiv ist. Schnell, leicht und scharf. Ich habe es gerne dabei. Wer aber nur ein Objektiv für Wildlife sucht, der wird vermutlich nicht glücklich mit dem 300er werden. Es ist der Allrounder, der von Sport über People bis zu Natur alles kann. Für Wildlife ist das Objektiv perfekt, wenn man seinen Abstand zum Motiv gering halten kann.

Und weil es jetzt toll und modern ist authentische Einträge zu generieren, ich habe das Canon 2,8 300mm L IS II käuflich erworben und selbst dafür bezahlt. Es ist also kein Beitrag der auf Grund von Sponsoring entstanden ist. Das ist bei jedem meiner Blogeinträge der Fall, ich empfehle nur Sachen weiter, die ich selbst gerne benutze und die bei mir Tag für Tag eingesetzt werden.

 


Wunderbares Bokeh des Canon 2,8 300mm L IS II bei Gegenlicht. (Offenblende)

 


Auch wenn das Auge im Schatten liegt greift der AF zuverlässig und punktgenau. (Offenblende)

 

 


Bei einem solchen 100% Crop an der Canon EOS 5DSR wird klar, was das 2,8 300mm L IS II leisten muss, der Fokus muss auf den Punkt sitzen und es muss scharf auflösen.

 


Die angesprochene Schwäche bei Gegenlicht, kann wunderschön in Szene gesetzt werden. Der rote, obere Bereich ist eigentlich ein Lensflare.(Offenblende)

 


Das Bokeh bei Makros ist einfach traumhaft.(Offenblende)

 


Unschärfekreise bekommen eine sehr schöne Form.(Offenblende)

 


Und auch sonst unruhige Hintergründe können mit dem 2,8 300mm L IS II perfekt in Szene gesetzt werden. (Offenblende)

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