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Wieder bei den Gämsen, das letzte Mal dieses Jahr?

19. November 2012

Gämsen, Herbst, Säugetiere, Tiere, Vogesen, Wildlife

Der Wettbericht sagt für letzte Woche durchgehend perfektes Wetter in den Vogesen voraus: nur Sonne, keine Wolken, kein Regen. Ich hoffe daher, das die Gämsen noch in den Bergen unterwegs sind und ich vielleicht ein paar Fotos von Ihnen machen kann. Als ich ankomme sind die Vogesen aber in dichte Wolken gehüllt, so dass ich den ersten Abend in einer dichten Nebelbrühe verbringen werde. Aber: ich mag solch stimmungsvolles Wetter besonders gerne, und begebe mich deshalb sofort auf die Suche nach den Tieren. Der Schnee ist an den meisten Stellen schon getaut, nur ein paar klägliche Reste von besonders hohen Schneewehen lagen noch herum.
Bereits nach wenigen Minuten im Revier der Gämsen finde ich frischen Kot. Für mich ein sicherer Indikator dafür, dass noch Tiere unterwegs sein müssen. Durch den dichten Nebel ist es jedoch unmöglich, Tiere auf die Entfernung zu finden. Doch an diesem Abend ist der Zufall mein Freund: eine Gams rennt nur wenige Meter vor mir über den Weg. Ich folge ihr unauffällig, und schon bald darauf sehe ich ein zweites Tier. Es sind zwei Männchen, die immer noch ihren Brunftstreitigkeiten nachgehen. So schnell, wie ich sie gesehen habe, sind sie auch wieder weg. Leider kann ich in diesem Nebel so gut wie nichts sehen und laufe deshalb einfach auf Verdacht weiter in die Hänge, in denen ich vorher oft Gämsen fand. Das Glück ist mir hold, auch an diesem Abend werde ich fündig. Nach einem gelungenen ersten Abend kehre an meinen Schlafplatz zurück. Nachts vertreibt der starke Wind die Wolken und die Temperaturen fallen auf kühle -3 Grad.
Als ich erwache, ist von der Kälte nichts mehr zu spüren: das Thermometer zeigt 7 Grad! Mein Tag beginnt über den Wolken mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Nach dem starken Schneefall letzte Woche scheinen die Tiere nochmals ordentlich auf der Hochebene grasen zu wollen. Sie versammeln sich hier in großer Stückzahl. Hin und wieder sorgen Böcke für Unruhe, die sich immer wieder über die Hänge jagen, und dabei ab und zu mitten durch die Herde preschen. Ansonsten scheinen die Tiere den starken Rückgang an Touristen sichtlich zu genießen. Nachdem das Licht bei den Gämsen zu hart wird beende ich gegen 9 Uhr das Fotografieren, und wasche mich in einem kleinen Bach, der stellenweise zugefroren ist. Nun ist es mit 15 Grad aber schon richtig mollig warm geworden, und das Mitte November in den Bergen …
Am Donnerstag treffe ich einen französischen Fotografen, der sich in der Region sehr gut auskennt. Er erklärt mir, dass es in dieser Region auch einen recht großen Rotwildbestand gibt. Leider sei der jedoch schwer zu erreichen. Ich begebe mich auf die Suche, und finde auch einige gute Plätze, an denen ich entsprechende Spuren finde. Nur Tiere sind nicht zu sehen. Wenigstens hätte ich damit den passenden Platz für einen Ansitz. Nächstes Jahr werde ich zur Brunft wiederkommen, um dort vielleicht Tiere fotografieren zu können.
Nachdem ich die ganze Woche alleine in den Bergen verbracht habe, kommen mich meine Freunde Holger und Ralf besuchen. Ich freue mich sehr über die Abwechslung. Da ich gegen Ende der Woche immer weniger Gämsen gesehen habe, schlage ich vor, dass wir uns an einem Waldrand positionieren, an dem die Gämsen nach meiner Erfahrung immer rauskommen. Nach einer kurzen Weile des Wartens betritt eine Geiß die Szene, kurz darauf folgt der Bock. Vor unseren Kameras passiert das unglaubliche: wir beobachten eine Paarungsszene. Der Bock nähert sich von hinten, umwirbt die Geiß und schließlich kommt es zur Kopula. Nur wenige Sekunden dauert die ganze Szene, und doch war es genau das, was ich unbedingt im Kasten haben wollte. Fast drei Wochen habe ich darauf gewartet – umso grösser ist meine Freude!
Für den Samstagmorgen ist ein Workshop angedacht. Der Teilnehmer trifft mich daher am Freitagabend. Leider schlägt das Wetter in der Nacht gegen 04:00 Uhr um: der Sturm braust auf, es bläst unglaublich, der Wind ist extrem stark. Umso erstaunter bin ich, als es morgens trotz Sturm einen schönen Sonnenaufgang für uns gibt. Glück für den Workshop: es ist stürmisch und kalt, aber wir bekommen ein paar Bilder von den Gämsen. Am Samstag kehre ich spät abends nach Hause zurück. Endlich bekomme ich wieder eine Dusche, und kann mich rasieren.

 


Die Vogesen, ein Gebirge in dem Mensch und Natur sehr nahe beisammen sind

 


Da können die Gämsen auch mal im Vorgarten landen

 


Der Bock jagt gerne auch der Geiß über die Hänge hinterher

 


Der Brunftruf

 


Kurz vor der Paarung umwirbt der Bock die Geiß

 


Die Paarung

 


Ein einzelnes Tier zeigt Interesse an mir

 


Der Bock vor einer angeleuchteten Steinkulisse

 


Erhaben zeigt sich die Gams in ihrem eigenen Revier, dem Wald

 


Ein Jungtier im Sonnenaufgang über den Wolken

 


An einem Tag steht der Nebel optimal für ein Foto in den Wäldern

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