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Canon 200-400mm L IS, das Festbrennweitenzoom?

23. Februar 2015

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

 


Canon EF 200-400mm L IS II im Praxiseinsatz

Lange ists her, dass ich einen Bericht zu einem Objektiv geschrieben habe und dann habe ich die Ehre gleich etwas zu einem so besonderen Objektiv zu schreiben. Ich will an dieser Stelle eigentlich garkeinen „unboxing“ Bericht schreiben sondern einfach praxisnah vom neuen Canon EF 4,0 200-400mm L IS bzw. 5,6 280-560mm L IS berichten. Außerdem möchte ich auch auf den Vergleich zu den alt eingesessenen Festbrennweiten eingehen.

Verpackung und Lieferumfang:

Blablabla, Objektiv, Gurt, Anleitung, große Plastikkiste mit Schlüssel, alles dabei. Wer dieses Objektiv für fast 11 000 EUR erwirbt wird das mit Sicherheit alles wissen.

Haptik und Design:

Eigentlich unterscheidet sich das Design nicht im Geringsten von dem der anderen Superteleobjektive. Das Zoom verfügt über zwei Ringe, der vordere ist zum Zoomen und der hintere zum fokussieren. Beim Zoomen gibt es einen gewissen Widerstand, der Widerstand ist so groß, dass man sehr angenehm zoomen kann, ohne dass es zu schwer gehen würde. Ich kann während dem freihandfotografieren problemlos mit dem Daumen zoomen. Die Schalter sind auch alle bekannt und die Stativschelle verfügt wie alle neuen Objektive über ein Kensington Lock. Die Stativschelle läuft perfekt. Hinter der Stativschelle befindet sich die wohl größte Neuerung im Supertelebereich, ein einschwenkbarer 1,4x Extender. Diese Innovation ist aus meiner Sicht zum Niederknien und Lieben gedacht! Es ist wirklich geil, wie man durch einen einfachen Knopfdruck einen Telekonverter einschieben kann. Hinter dem Konverter befindet sich noch die Filterschublade, in der man die von den anderen IS – Supertele vorhandenen Filter verwenden kann.

Autofokus, IS, Konverter und Praxis:

Kommen wir nun zu dem entscheidenden, wie verhält sich das Objektiv beim fotografieren. Ich muss zugeben, dass ich mit dem Objektiv beinahe alle Aufnahmen freihand fotografiert habe, in Kombination mit der Canon EOS 1DX. Für mich ist die Performence schlicht überragend. Selten war ich so begeistert und in so einem Rausch wie mit dem neuen Canon 4,0/200-400mm L IS. Ich probiere es etwas genauer auszudrücken, der Autofokus nagelt mit der 1DX wirklich alles auf den Punkt fest, egal ob Dämmerung, Action oder Schneefall. Auf der einen Seite ist die Schärfentiefe etwas größer als beim 2,8 400mm L IS II, dadurch verzeiht der AF im Handling deutlich mehr und muss nicht ganz so exakt sitzen. Auf der anderen Seite arbeitet das AF-Modul mit dem 200-400 wirklich hervorragend mit der Canon EOS 1DX zusammen. Ich hatte zwei „Aha-Erlebnisse“ mit diesem Objektiv, ein Elchfoto in der Dämmerung, es schneite leicht und bei 1/30sek und ISO 3200 hat der AF die Schaufeln des Elches zuverlässig vom umliegenden Gebüsch unterscheiden können und hat sauber fokussiert. Aber auch bei Action ist das 200-400 überragend, bei Aufnahmen von rennenden Füchsen und gleichzeitigem Schneefall, traf der AF problemlos und der Ausschuss war extrem gering.
IS: der Bildstabilisator im 200-400mm arbeitet sehr gut und zuverlässig. 1/30sek bei 400mm sind mit der richtigen Technik gut machbar. Hier gibt es eigentlich keinen Unterschied zu den anderen Superteles der Generation II.
Der zuschaltbare Einschwenkkonverter arbeitet zuverlässig. Ich hatte nie ein Problem mit diesem Konverter. Ein klarer Vorteil bei Wind und Wetter muss man das Objektiv nicht vom Bajonett lösen.
In der Praxis ist mir folgendes aufgefallen: das 200-400 arbeitet perfekt und zuverlässig. Der Einschwenkbare Konverter ist genial, endlich muss man nicht ständig rumfummeln und schrauben, wie es bei Festbrennweiten der Fall ist. Das 200-400 verzeiht einem sehr viele Fehler hinter der Kamera, sowohl der AF als auch der IS reißen so viel raus, das der Ausschuss bei mir extrem gering ist. Mit meinem 2,8 400mm L IS II muss man viel sorgfältiger arbeiten. Vom Gewicht und der Größe ist das Objektiv gut im Rahmen. Leider verleitet es einen Fotografen, der an Festbrennweiten gewohnt ist zu Fehlern. Gerade am Anfang vergisst man immer, dass man ein Zoomobjektiv hat und fotografiert mit 400 oder 560mm. Wenn man dann feststellt, dass man ein Zoom hat, zoomt man manchmal bei eingeschwenktem Konverter raus, anstatt den Konverter raus zu flippen. Dennoch kann man sich daran sehr gut gewöhnen.


Unglaublich, bei ISO 3200 f4,0 1/30sek erkennt die 1DX mit dem 200-400 die Schaufeln des Elches und stellt auf diese richtig scharf.


Rennende Füchse, ein schnelles Motiv, selbst hier hat das 200-400mm L IS erstaunlich wenige Probleme mit dem Autofokus.

Bildqualität:

Lange hat es gedauert, bis dieses Objektiv erschienen ist, nicht zuletzt, da Canon eine perfekte Performence, auf Festbrennweiten Niveau, abliefern wollte. Das gelingt ihnen auch sehr gut. Von der Schärfe liegt das 200-400mm L IS wirklich auf dem Niveau aktueller Supertelefestbrennweiten. Es ist optisch wirklich überragend, dennoch gibt es hier zwei Dinge die negativ auffallen, zum einen die Vignettierung und zum anderen das Streulichtverhalten. Das 200-400mm L IS vignettiert deutlich stärker, als die aktuellen Supertelefestbrennweiten. Gerade bei Fotos im Schnee oder gegen den Himmel merkt man das sehr stark. Durch abblenden um 1/3-2/3 Blenden also auf 4,5 bis 5,0 lässt sich das jedoch schon sehr gut korrigieren. Zum anderen ist das 200-400 streulichtempfindlicher als die aktuellen Supertelefestbrennweiten. Dennoch ist das Objektiv vom Streulichtverhalten sehr gut geworden und ist in dem Bereich sogar besser als die alten Superteleobjektive mit Bildstabilisator. Dennoch ist es bei direktem Gegenlicht nicht so perfekt wie die neuen Supertelefestbrennweiten. Das alles ist meckern auf super hohem Niveau, insgesamt finde ich das 200-400 wirklich super von der optischen Leistung.
Das 200-400mm L IS, kann auch mit zwei 1,4x Telekonvertern betreiben. Die Bildqualität ist dann immer noch ziemlich gut. Mir persönlich ist dann aber eine Offenblende von 8,0 einfach zu duster.


100% Crop bei Offenblende, die Bildqualität des Canon 200-400mm L IS ist absolut überzeugend.

 


Auch bei 560mm Brennweite und Offenblende 5,6 ist die Qualität selbst am Bildrand sehr gut.

Festbrennweite oder Zoom:

Ja was denn nun? Ist die Festbrennweite jetzt unten durch und es wir nur noch gezoomt?
Ich würde sagen teils teils, es gibt Motive die ich lieber mit einem Zoom fotografieren würde und andere lieber mit einer Festbrennweite. Gerade bei wenig Licht, kann man die 2,8 des 2,8 400mm L IS II nicht ersetzen und gerade bei der Vogelfotografie kann man die Brennweite eines 600ers oder 800ers nicht ersetzen mit dem Zoom. Aber gerade auf Reisen, bei denen man nicht weiß was man fotografieren wird, oder bei Projekten, bei denen man eine gewisse Nähe zum Tier hat, ist das 200-400mm Objektiv echt eine Wucht. Ich finde es ergänzt die großen Superteles sehr gut, aber ganz ersetzen kann es sie nicht. Als Vogelfotograf oder Wildlifefotograf in Europa würde ich immer noch eine 400, 600 oder 800mm Festbrennweite verwenden. Wäre ich jedoch auf Motive spezialisiert, bei denen eine gewisser Arbeitsabstand eingehalten werden kann, so würde ich lieber das neue Zoom mein Eigen nennen.

 


Rennender Coyote mit 560mm kein Problem.

 


Selbst bei dichtem Schneefall lässt sich der Autofokus kaum beirren (400mm).

 


Für extreme Portraits mit 560mm Objektive ist eine Cropkamera hilfreich, in diesem Fall die Canon EOS 7D II.

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