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Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm in der Praxis

22. August 2012

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

 

Technische Daten

Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm

Brennweite 15mm
Blendenbereich f/2,8 – f/22
Fokussierbereich 0,25m – unendlich
Anzahl der Elemente / Glieder 15/12
Bildwinkel diag./horiz./vert. 110° / 100° / 76°
Objektfeld bei kleinster Naheinstellung 340 x 221 mm
Filtergewinde M95 x 1.0
Maße (mit Deckeln) ø 103 mm, Länge 132-135 mm (je nach Bajonett)
Gewicht 730-820g (je nach Bajonett)
Preis 2599 EUR

 

Mit großem Interesse vernahm die Fotogemeinde vor kurzem die Ankündigung von Carl Zeiss, dass ein neues Superweitwinkel-Objektiv für Spiegelreflex zur Verfügung steht. In diesem Brennweitenbereich gab es bis dato noch kein aktuelles Objektiv, das an einer Canon Vollformatkamera wirklich Spaß gemacht hätte. So setzen viele Fotografen große Erwartungen in das neue Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm.

Das 2,8/15mm gehört mit einem Neupreis von fast 2600 EUR mit Sicherheit zu den teuersten Weitwinkelobjektiven für Canon EF (ZE) und Nikon F-Bajonett (ZF.2). Mit manuellem Fokus und einer festen Brennweite von 15mm gehört das Weitwinkel zu den absoluten Spezialisten. Gerade für Landschaftsfotografen ist dieses Objektiv eine interessante Neuankündigung, aber ebenso für Architektur- und Reportagefotografen.


Das Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm im Praxiseinsatz im Verzascatal. Es wirkt selbst an der recht großen Canon EOS 5D Mark III imposant.

Mechanik, Verarbeitung und Handhabung

Das Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm kommt sehr schlicht daher, schwarz und fast unscheinbar, aber eben nur fast. Mit ca. 820 Gramm Gewicht und fast 13,5cm Baulänge ist diese schwarze Schönheit ein recht großes und schweres Weitwinkel. An der Naheinstellgrenze von 25cm erreicht das Objektiv einen Abbildungsmaßstab von etwa 1:10. Anstatt eines Kunststoff-Objektivdeckels wird eine Kappe aus Metall mitgeliefert, welche Frontlinse und Streulichtblende schützt. Dies ist wichtig, da die Streulichtblende des Objektivs fest integriert – und nicht etwa abnehmbar ist. Der Blickwinkel ist mit 110 Grad (bei Kameras mit Sensor im Kleinbildformat) beachtlich groß.

Insgesamt ist das Objektiv komplett aus Metall gefertigt und sehr gut verarbeitet. Es gibt kein Wackeln und keinerlei Spiel. Da man mit dem Objektiv nur manuell fokussieren kann, ist die Ganggenauigkeit des manuellen Fokus besonders wichtig. Der Fokusring läuft sehr sauber und präzise, wesentlich genauer als bei vergleichbaren AF-Objektiven. Gleichzeitig ist der Weg, den der Fokusring zwischen der Naheinstellgrenze und der Unendlicheinstellung zurücklegen muss ausreichend lang, um sehr genau fokussieren zu können. Mit Hilfe der Live View-Funktion moderner Spiegelreflexkameras lässt sich somit absolut exakt fokussieren. Dank des verbauten AF-Confirm-Chip, leuchtet beim Fokussieren das entsprechende AF-Feld im Sucher auf, sobald der Fokus sitzt. Somit kann man auch bequem durch den Sucher scharfstellen.

Die vergleichbaren Superweitwinkelfestbrennweiten für Kleinbild/Vollformat haben alle kein Filtergewinde. Eine Besonderheit dieses Objektives ist nun das Filtergewinde von 95mm – wegen der fest verbauten Streulichtblende lassen sich jedoch nur Schraubfilter verwenden. Mit einem Filterhalter (etwa von Lee oder Cokin) lässt sich an diesem Objektiv nicht arbeiten, da die Streulichtblende im Weg ist.

Optische Qualität

In der Praxis kann die optische Qualität des Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm überzeugen. Die Grundschärfe ist bereits bei Offenblende sehr gut – gerade in der Bildmitte bringt das Objektiv offen fast seine optimale Leistung. Die Schärfe zum Rand hin kann durch abblenden um 1-2 Blendenstufen nochmals verbessert werden. Bei F5,6 erreicht das Objektiv seine optimale Leistung. Sogar die äußersten Bildecken können dann überzeugen, was bei Superweitwinkelobjektiven an Kameras mit Sensor im Kleinbildformat eine Seltenheit ist. Hier leistet das Zeiss eine Qualität, von der man bei einem vergleichbaren Zooms nur träumen kann. Bis f/11 ist ein  Auflösungsverlust so gut wie nicht vorhanden und für die Praxis nicht relevant. Danach beeinflusst an einem Sensor der 20 Megapixel-Klasse die Beugungsunschärfe das Bild, die Ergebnisse wirken etwas weicher. Wird jedoch die größere Schärfentiefe oder eine längere Verschlusszeit benötigt, kann man bedenkenlos mit f/16 bis f/22 arbeiten. Die Bilder müssen dann ggf. etwas stärker nachgeschärft werden.

Das Objektiv ist sehr gut korrigiert, sowohl die Chromatische Aberrationen als auch die leicht kissenförmige Verzeichnung fallen kaum auf. Zu den Rändern hin treten Chromatische Aberrationen zwar auf, fallen aber sehr gering aus, deutlich geringer als bei den Konkurrenzprodukten. Der einzige negative Punkt ist die recht starke Vignettierung des Objektivs. Wie bei allen Superweitwinkelobjektiven, ist diese bei Offenblende deutlich sichtbar. Erst um zwei Blenden abgeblendet fällt sie nicht mehr ins Gewicht. Auch das Streulichtverhalten ist überzeugend und fiel in der Praxis nicht negativ auf.
Ich habe das Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm auch mit dem Canon EF 2,8/14mm L II und dem Samyang/Walimex 2,8/14mm verglichen. Beide haben was die optischen Leistung angeht keine Chance gegen das neue Zeiss. Ein guter Freund sagte bei der Auswertung der Vergleichsbilder „die Qualität vom Canon ist so gut wie die vom Zeiss, allerdings nur wenn man alle Korrekturen für das Canon im Photoshop aktiviert“. Alleine daran sollte deutlich werden, dass die optische Qualität des Zeiss den anderen SWW für Canon EF deutlich überlegen ist und einiges an Reserven bietet.


Ein Beispielbild bei Offenblende 2,8


Ein ungeschärfter 100% Crop aus den RAW zeigt selbst bei Offenblende eine sehr gute Schärfe

Fazit

Das Objektiv ist perfekt geeignet für all diejenigen Fotografen, die ohne Eile arbeiten, in Ruhe den Fokus setzen können und auf die bestmögliche Abbildungsleistung Wert legen. Denn Carl Zeiss hat beim Bau des Distagon T* 2,8/15mm so gut wie keine Kompromisse geschlossen. Zunächst erscheinen Baugröße, Gewicht und Preis recht hoch. Das Objektiv überzeugt jedoch bei den wichtigsten Disziplinen. Die Verarbeitung und die optischen Qualität dieses Objektivs sind absolut überzeugend. Einzig die Vignettierung fällt etwas stark aus, was sich jedoch am Rechner per Bildbearbeitung bei Bedarf schnell korrigieren lässt (ab ACR 7.1 steht von Adobe ein Korrekturprofil zur Verfügung). Wer also allerhöchste Ansprüche an ein Superweitwinkel stellt, für den führt kein Weg am neuen Zeiss vorbei.

 

 


Die Schärenküste Schwedens


Ein 100% Crop vom äußersten Randbereich (links) zeigt eine hervorragende Qualität, gerade am Vollformatsensor der 5D III erstaunlich


Saarländischer Urwald


Ein 100% Crop aus der äußersten Ecke (unten links) zeigt was wirklich in dem neuen Carl Zeiss Distagon T* 2,8/15mm steckt, eine solche Schärfe in den äußersten Ecken erreichte bis heute kein SWW Objektiv für Canon EF


Die wohl bekannteste Ansicht des Verzascatals


Im Nahbereich ist die Vignettierung bei Offenblende besonders angenehm um den Blick aufs Motiv zu lenken


Das pfälzer Butzerbachtal mit 15mm

 

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