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Wintereinbruch bei den Gämsen

9. November 2012

Berge, Säugetiere, Schnee, Tiere, Vogesen, Wildlife, Winter

 


Für mich spiegelt dieses Bild am besten wieder was ich erlebt habe, Nebel, Schneesturm und alle Gämsen sind nur am Fressen

Es ist Montag und seit letztem Donnerstag gibt es eine Sturmwarnung für die Vogesen. Ich warte nur darauf, dass die Temperaturen so weit fallen, dass es ggf. Schnee geben wird und entschließe mich am Montagmorgen aufzubrechen. Ich erreiche gegen 15Uhr die ersten Ausläufer der Vogesen und bin etwas enttäuscht, 4 Grad und Regen. Dennoch fahre ich weiter und erblicke, dass die Hauptbergkette mit dichten Wolken verhangen ist. Ich denke mir, na wenigstens habe ich dichten Nebel da oben. Die Temperaturen fallen immer weiter mit jedem Höhenmeter den ich fahre und mittlerweile zeigt das Thermometer -2 Grad an und der Regen fällt nun gemischt mit Schnee. Ich bekomme mit zunehmendem Schnee langsam wirklich Probleme den VW Bus die Straßen hochzubekommen. Das Lämpchen, das mich vor durchdrehenden Reifen warnen soll leuchtet mittlerweile dauerhaft und in jeder Kurve merke ich, trotz sehr langsamer Fahrt, wie schwer das Fahrzeug zu kontrollieren ist. Kurz bevor ich nicht mehr weiterkomme, lasse ich den Bus am Straßenrand stehen. Ich weiß von dieser Stelle an kann der Aufstieg beginnen. Schnell wuchte ich alles was ich aus dem Auto brauche und beginne den Aufstieg. Nach etwa 30min ist es so weit, um mich herum ist alles weiß, der Boden ist weiß, der Himmel ist weiß, ich stehe in einer Wolke und der Schnee tobt um mich herum, totales Whiteout. Der Wind bläst erbarmungslos und so langsam weiß ich, warum es eine Unwetterwarnung für dieses Gebiet gibt. Ich lass mich nicht beirren und laufe weiter in die Richtung in der ich die Gämsen vermute. Ich weiß nicht genau wo ich bin, ich hoffe einfach mich auf meine Orientierung verlassen zu können und tatsächlich, irgendwann erreiche ich einen Stein, an dem ich schon so oft vorbeigewandert bin und keine 500m weiter entdecke ich frische Gamsspuren im Schnee. Ich folge ihnen und finde recht bald eine Gruppe Gämsen. Ich bin überglücklich unter diesen schweren Bedingungen die Tiere gefunden zu haben. 20min nach Sonnenuntergang mache ich mich auf den Rückweg und erst jetzt wird mir klar, wie nass ich und meine Ausrüstung überhaupt sind. Auf dem Rückweg erkenne ich so gut wie nichts mehr, dennoch will ich die Kopflampe noch nicht auspacken. Die Stimmung ist einfach zu schön hier oben und eine Taschenlampe im Schneesturm bringt sowieso nicht viel. Ich bin froh als ich mein Auto erreiche und ich weiß ich kann hier in Ruhe die nächsten 13 Stunden verbringen, bis die Sonne wieder aufgeht. Wegfahren kann ich sowieso erst wieder, wenn der Schnee hier oben geräumt wird.


Im Nebel und Tiefschnee ist es schwer voran zu kommen

 


Ich freue mich besonders, 15min nach Sonnenuntergang diese Gams und auch ihr Junges wieder zu sehen, ist es doch die Selbe die ich bereits im Mai und Juni beobachten konnte

 


Der Platzbock dieses Jahr

Der nächste Tag beginnt, wie der letzte geendet hat. Ich sehe garnix, es ist einfach nur alles weiß und ich stehe in einer Wolke. Der Wind bläst heftig und es gibt unzählige Schneeverwehungen. Ich kann schlecht abschätzen ob ich beim nächsten Schritt hüfthoch im Schnee versinke, oder ob mein Schuh nur 5cm tief einsinkt. Ich suche die Gämsen dort, wo sie am letzten Abend noch waren und habe Glück, sie sind immer noch da. Neben dem Nebel setzt nun auch noch starker Schneefall ein, es beginnt immer heftiger zu schneien, bis es so stark schneit, dass der AF schlichtweg überfordert ist und die Trefferquote gegen null geht. Mein Tele ist mittlerweile sehr gut getarnt, der Schnee steht etwa 5cm hoch auf dem Objektiv. Dennoch probiere ich ein paar ansprechende Fotos zu machen. Dies ist in diesen Tagen besonders schwierig. Die Tiere ignorieren mich völlig und sind nur damit beschäftigt die Schneedecke auf zu scharen um fressen zu können. Man merkt, dass hier der Überlebenskampf und der nahende Winter deutlich schwerer wiegen, als irgendein Fotograf der in einem angenehmen Abstand auf den Auslöser drückt. Hier und da gibt es noch vereinzelte Brunftverhalten zu beobachten, der Platzbock steht jedoch fest und stolziert immer wieder zwischen den Tieren umher und sorgt für Unruhe. Die einzigen Momente in denen die Tiere nicht am Äsen sind, sind diese in dem sie dem Platzbock ausweichen. Ich bin sehr froh darüber, wenigstens in diesen kurzen Augenblicken Bilder machen zu können.
Am Nachmittag habe ich Glück, ein wenig Sonne scheint durch die Wolken, ich beginne wieder mit dem Aufstieg, doch kurz nachdem ich die Tiere erreiche umhüllt mich wieder dichter Nebel und Wolken. An diesem Abend ist es besonders kalt, recht schnell spüre ich meine Hände und Füße nicht mehr richtig. Es fühlt sich an, als hätte ich Eisklötze an den Beinen, doch halt stopp, meine Wanderschuhe und meine Hose sind bis zu den Knien komplett eingefroren. Auch mein Stativ bietet nur noch eine Höhe, da alle Segmente zugefroren sind. Dennoch lasse ich mich nicht entmutigen und fotografiere weiter bis nach Sonnenuntergang. So ging es auch die nächsten Tage … Eine harte Tour, die mir wieder große Freude bereitet hat.


Eine besondere Szene für mich, der vordere Bock posierte vor mir und versuchte die anderen Tiere zu beeindrucken, als auf einmal hinter ihm der Blatzbock auftauchte, seinen Brunftschrei ausstieß und den anderen Bock über den ganzen Hang jagte

 


Die Gämse sind mittlerweile fast nur noch an den Waldrändern oder im Wald zu finden

 


Das Jungtier aus diesem Jahr kämpft sich nur mit Mühe durch den Schnee

 


Kleinere Gräben werden von den Gämsen einfach übersprungen

 


Im dichten Schneetreiben suchen Mutter und Kind nach den letzten Leckerbissen der Saison

 


Der Schnee fällt teilweise so dicht, dass der AF eigentlich nix mehr trifft

 


Ein kurzer Lichtblick, die Sonne lässt sich kurz Blicken. Bei einer solch guten Sicht, entdecke ich eine Gämse mit ihrem Jungen im Wald.

 


Während auf den Gipfeln bereits der Winter Einzug gehalten hat, ist es nur wenige Höhenmeter tiefer noch Herbst

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