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Iteratives Microadjustment für Teleobjektive

16. März 2019

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest, Stativtest

Technikfreaks und Pixelzähler bitte wegklicken, das wird ein praxisnaher Tipp bzw. Blogeintrag-

Eine Frage, die mir häufig gestellt wird ist die der Schärfe mit Autofokus bei Teleobjektiven und Superteleobjektiven. Hier gibt es häufig unterschiedlich scharfe Bilder, also eine Stufe zwischen Scharf (durchaus ok), ich nenne es mal „halbscharf“ und so „richtig scharf“. Mein Ziel ist allerdings immer „richtig scharf“ abzuliefern. Häufig lese ich, „ich hab meine Ausrüstung justieren lassen beim Hersteller, damit sie richtig scharf ist“. Meine Erfahrung ist, selbst nach Justagen kann es sein, dass eben nicht immer „richtig scharf“ rauskommt. Dafür gibt es tolle, sehr aufwendige Messverfahren die sich an vielen Orten im Netz nachlesen lassen. Diese sind jedoch zeitaufwendig und erfordern oft einen Testaufbau und den Computer oder Laptop vor Ort.

Meine Problemstellung ist jedoch, dass ich regelmäßig auch mit fremden oder geliehenen Bodys/Objektiven arbeite. Was bringen mir diese aufwendigen Verfahren, wenn ich irgendwo ein Superteleobjektiv ausgeliehen habe um zwei Tage damit zu fotografieren? Aus diesem Grund erwische ich mich regelmäßig mit einem sehr einfachen iterativen Messverfahren, dass nur wenige Minuten dauert und in der Praxis sehr gut funktioniert und zu guten Ergebnissen führt. Darüber möchte ich heute berichten.

 

 

Microadjustment:

An sich ist Microadjustment relativ einfach erklärt. Es hilft euch dabei, der Kamera-Objektivkombination zu sagen, dass die Kamera pauschal gesehen weiter nach hinten oder nach vorne Fokussieren soll, als sie es eigentlich tun will.

Bei Canon EOS Kameras findet ihr es in den AF-Einstellungen (den Rosanen) unter dem Punkt „AF Microadjustment“. Hier solltet Ihr zunächst auswählen, dass Ihr nur für dieses Objektiv eine Justage vornehmen wollt „Abstimmung pro Objektiv“.

Dahinter verbirgt sich eine weitere Menüseite. Hier könnt Ihr über die Betätigung der „Info Taste“ und das Drehen des Daumenrades nach links und rechts das Microadjustment in den Plus- oder in den Minus-Bereich drehen.

 

Iteratives Verfahren:

Wie gehe ich nun tatsächlich vor, ohne Laptop und ohne Testtafeln?

  • 1) suche ein Motiv, kontrastreich und ab 15-20m oder weiter entfernt, an dem man die Schärfe erkennen und sauber fokussieren kann (z.B. Nummernschild)
  • 2) packe alles aufs Stativ, also Teleobjektiv mit Kamera UND Kabelauslöser.
  • 3) Bildstabilisator aus
  • 4) fokussiere per Liveview in der Bildmitte mit 10x Lupe, beobachte das Bild, dass es kein Hitzeflimmern gibt und keine Verwacklungen entstehen. Auslösen –> das ist euer Referenzbild
  • 5) Liveview deaktivieren, Fokus manuell verschieben (nach vorne oder hinten ist egal) und durch den Sucher mit dem mittleren AF-Feld fokussieren auf die gleiche Stelle wie beim Referenzbild (Wenn euch noch die Übung fehlt nehmt One Shot als AF-Modus)
  • 6) Liveview aktivieren (NICHT neu fokussieren) ODER Spiegelvorauslösung nutzen. Wieder darauf achten, dass Hitzeflimmern und Verwacklung nicht auftreten und Auslösen
  • 7) Wiederholt Punkt 5 + 6) zweimal, sodass Ihr drei Vergleichsbilder erhaltet
  • 8) Vergleicht die Vergleichsbilder mit dem Referenzbild bei 100% in der Bildrückschau.
    Tipp1: Zoomfunktion tatsächliche Größe ausgewählter Punkt aktivieren.
    Tipp2: nutzt bei den 5ern die Kreativtaste, damit könnt Ihr zwei Bilder direkt gegenüberstellen in der Bildrückschau
  • 9) Ist das Referenzbild und das Vergleichsbild nahezu identisch von der Schärfe, ist alles gut und Ihr müsst nichts weiter machen. Das ist das schönste Ergebnis, denn Ihr seid schon fertig.

 

 

Ist nun das Referenzbild und das Vergleichsbild nicht nahezu identisch von der Schärfe, geht es weiter. Das Referenzbild könnt Ihr einfachheitshalber mit dem Schloss (Bild schützen) versehen, dann findet Ihr es schneller wieder. Es geht also weiter:

  • 1) Verstell im Microadjustment nacheinander den Wert auf Plus und auf Minus Drei und führt folgende Schritte 5+6 durch der ersten Aufzählung durch.
  • 2) Wiederholt dies drei Mal.
  • 3) Vergleicht die neuen Vergleichsbilder mit dem Referenzbild bei 100% in der Bildrückschau.
  • 4) Entscheidet nun ob die Bilder mit Microadjustment in Richtung Plus oder Minus näher an der Schärfe des Referenzbildes liegen.

 

Es geht weiter:

  • 1) Auf Grund eurer Entscheidung beim letzten Durchlauf, wisst Ihr ob es in den Plus oder den Minusbereich des Microadjustments geht.
  • 2) Verstell im Microadjustment nacheinander den Wert auf Plus/Minus Eins und Fünf (abhängig von eurem Ergebnis) und führt die Schritte wie im vorangegangenen Abschnitt durch.
  • 3) Entscheidet nun, ob Plus/Minus Eins oder Fünf näher an eurem Referenzbild ist.

Es geht weiter:

  • 1) Auf Grund eurer Entscheidung beim letzten Durchlauf, wisst Ihr ob es mit Plus/Minus Eins oder Fünf näher am Referenzbild ist.
  • 2) Verstell im Microadjustment nacheinander den Wert auf Plus/Minus Null/Zwei oder Vier/Sechs (abhängig von eurem Ergebnis) und führt die Schritte wie im vorangegangenen Abschnitt durch.
  • 3) Entscheidet nun, ob Plus/Minus Null/Zwei oder Vier/Sechs näher an eurem Referenzbild ist und stellt dies als festen Wert ein.

 

Ergebnis:

Ihr habt euch nun entschieden welcher Wert am nächsten an eurem Referenzbild ist. Springt also wieder komplett an den Anfang. Erzeugt ein neues Referenzbild und vergleicht es mit dem neu eingestellten Autofokus. Sind die Ergebnisse annähernd gleich? Dann seid Ihr fertig. Ist dies nicht der Fall, fangt wieder von vorne an.

ACHTUNG Extender müssen jeweils neu eingemessen werden.

Ändern sich im Prozess die Lichtbedingungen deutlich, braucht ihr auch immer ein neues Referenzbild.

Dieses einfache iterative Verfahren klingt sehr kompliziert, mit etwas Übung dauert das Ganze allerdings keine 15 Minuten und Ihr könnt fast überall auf der Welt nachkontrollieren ob die Ausrüstung zusammenpasst oder nicht.

ACHTUNG, wenn die ermittelten Werte außerhalb des groben Intervalls [-5;5] liegen, dann solltet Ihr irgendwann tatsächlich über eine Justage eurer Bodys und Objektive nachdenken. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass man bei zwei Bodys, zwei Konvertern und einem Supertele (also sechs Kombinationsmöglichkeiten), niemals in jeder Kombination +/- 0 erreichen wird.

Zu guter Letzt hört auf euer Bauchgefühl, wenn Ihr mit euren Ergebnissen zufrieden seid, dann spart euch die Zeit des Testens und geht lieber Fotografieren! In diesem Sinne ein schönes Wochenende.

 

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