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Ich bin enttäuscht …

21. Februar 2016

Fototechnik

 


Nicht den Kopf hängen lassen …

Dies ist der zweite Teil des Blogeintrags „Rückblick: Revolution, Evolution, Veränderung“. In diesem möchte ich mir ein paar Gedanken machen über die Zukunft der Technik für uns Naturfotografen.
Ich möchte diesen Gedankengang mit einem Zitat eines guten Freundes beginnen: „Ich bin enttäuscht, ich wollte 25 Mpix.“ (In Bezug auf die neue Canon EOS 1DX II)
Die neue Canon EOS 1DX II und die neue Nikon D5 wurden vorgestellt. Die Kameras sind noch nicht erhältlich und schon sind viele Leser enttäuscht. Seitenweise kann man im Internet nachlesen, wie schlecht die neuen Kameras doch sind, wie enttäuscht die Nutzer sind und was denn alles nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Ein Phänomen, das es bei jeder Markteinführung gibt. Doch warum ist es enttäuschend, dass die neue 1DX II nur 20Mpix hat? Warum ist es enttäuschend, dass die AF Felder nicht ganz so weit an den Rand gehen, wie man es gerne hätte. Warum ist es enttäuschend, dass es einen CFast und einen CF Slot gibt? Warum ist es schlimm, dass es einen neuen Akku gibt?
Die Kameras sind heute konstante Weiterentwicklungen der Vorgängermodelle. Sie können alles besser als die Vorgänger und sie werden gegenüber ihren Vorgängern mit Sicherheit deutliche Vorteile in der Praxis haben. Es sind wahre Arbeitstiere. Aber genau an dem Punkt, muss ich sagen, bin ich enttäuscht von den Kameraherstellern. Es gilt aufzuwachen und von Revolution statt Evolution zu sprechen.

 


Canon EOS 1DX, ein wahres Arbeitstier, ihr kann eigentlich nichts etwas anhaben.

 


Auch die Canon EOS 5D III oder 5DS/R können einiges aushalten.

Ich spreche an der Stelle den Kameraherstellern deinen gewissen Innovationswillen ab. Das EOS System als Beispiel seit über 30 Jahren am Markt. Das Nikon F-Bajonett seit über 50 Jahren. Und was hat sich verändert?
Die Objektive sind leichter, schneller und schärfer. Die Kameras haben ein Display und einen Sensor bekommen, und sonst? Ja genau, es hat sich eigentlich wenig verändert für über 50 Jahre Entwicklung. Na gut, eigentlich sind es die letzten 8 Jahre in denen sich die Unterhaltungsmedien rasend schnell entwickelt haben. Wir leben in einer Welt, die von Smartphones und Tablets dominiert wird. Diese Geräte begleiten inzwischen alle Altersgruppen täglich und verändern unser Leben rasant. Und wo stehen wir mit unseren Kameras? Genau, wir profitieren langsamer davon, aber WARUM?
Ich bezahle 6300 EUR für eine Kamera, für das Topmodell ohne Objektiv, und muss mich an einigen Stellen einschränken. Wie kommt es dazu?
Ich bin nicht enttäuscht, weil die Kameras die neu rauskommen 1 Bild pro Sekunde weniger machen als erhofft oder weil die Megapixelzahl nicht so hoch ist, wie ich es gerne hätte oder weil der Dynamikumfang 13,9 und nicht 14,1 Blenden beträgt. Das ist alles ok, in der Praxis spielt das eine untergeordnete Rolle.
Ich würde mir wünschen:
– dass ich im M/AV/TV Modus maximal 30 Sek. als Verschlusszeit einstellen kann, warum kann ich nicht einfach 120 Sek. einstellen?
– dass ich bei Bedarf einfach ein Klappdisplay vom Hersteller anschließen kann? Man könnte hier eine Einheit generieren mit einem wunderbaren, spritzwassergeschütztem Stecksystem oder ähnliches.
– dass die Bedienung einfacher wird. Eine Mischung aus Touchdisplay und den Actionfotorelevanten Einstellungen auf den traditionellen Tasten wäre doch optimal? Das kann man von der Usability vielleicht besser lösen.
– dass ich einen digitalen Grauverlauf in der Kamera erzeugen kann
– dass ich ein Panorama kameraintern erzeugen kann
– dass ich die Entfernungsbegrenzung meiner Objektive kameraintern einstellen kann
– dass ich lauter Apps in meine Kamera integrieren kann. Warum kann meine Kamera mir nicht anzeigen wo die Milchstraße sich befindet? Wo die Sonne auf- und untergehen wird? Wie die Hyperfokaldistanz ist abhängig vom Objektiv und Brennweite oder wie sich die Verschlusszeit beim Einsatz von Graufiltern verändert?

Warum kann mein Handy an manchen Stellen so viel mehr als meine Kamera? Sollte die Kamera nicht auch langsam die Features eines Mobiltelefons beinhalten? Ist es so schwer, Software, Apps etc. auf einen modernen Stand zu bekommen? Kann man nicht ein paar findige Appentwickler abwerben und eine vernünftige Software programmieren?
An dieser Stelle sei ergänzt, dass es tatsächlich wohl nicht so einfach ist, ein stabil laufendes Appsystem für eine Kamera zu entwickeln. Zumindest, wenn es wirklich durchgehend fehlerfrei und möglichst absturtzresistent sein soll.
Warum muss ich, wenn ich hochauflösend fotografieren will, das kleine Gehäuse der 5DSR kaufen? Warum darf ich nicht einen Softwareumfang haben, wie ihn eine 1DX II hat, wenn ich bereit bin, es zu bezahlen? Warum kann ich nicht ein modulares System haben? Und mir meine Kamera selbst zusammenstellen, z. B. hochauflösender Sensor, großes Kameragehäuse, kleines Softwarepaket und kleines Autofokussystem oder kleines Gehäuse, niedrigauflösender Sensor, großes Softwarepaket und großes Autofokussystem? Ich wünsche mir ein modulares System, bei dem ich frei wählen kann.
Ich finde es schade, dass wir als Fotografen so restriktiv sind.
Ich werde die neue Kamera ohnehin kaufen um konkurrenzfähig zu sein. Sie wird in der Praxis bessere Bilder machen als die alte, es wird ein Fortschritt sein. Eben nur eine Evolution und so werde ich in drei bis vier Jahren wieder die gleichen Gedanken haben. Fotografie entwickelt sich einfach nicht so schnell wie die Unterhaltungsindustrie momentan.
Ich bin gespannt, welcher Hersteller es schaffen wird, ins einundzwanzigste Jahrhundert vorzudringen und mit seinem System Massen begeistern wird. Ich hoffe es wird Canon!

 


Nun heißt es wieder zusammenpacken und fotografieren gehen …

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