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Canon MP-E 2,8 65 Erfahrungen

23. Januar 2012

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

Eines der Objektive über die im Internet am heftigsten diskutiert wird ist das Canon Lupenobjektiv, das Canon MP-E 2,8/65mm . Dieses Objektiv ermöglicht einen Abbildungsmaßstab von 1:1 bis 5:1. Oftmals wird behauptet, dass man es nur mit Makroblitzen und ähnlichem verwenden kann. Ich habe es lange in der Praxis im Einsatz gehabt und möchte nun darüber berichten.

Größenvergleich, links das Canon 2,8 100mm L IS Makro und rechts das Canon MP-E 2,8 65 ausgezogen zum Abbildungsmaßstab 5:1. (bei 1:1 ist das MP-E ca. 2cm kürzer als das 100er)

 

Technische Details:

Das Canon MP-E Lupenobjektiv ist ein reines Makroobjektiv, das keine Unendlichkeitseinstellung ermöglicht. Der Abbildungsmaßstab reicht von 1:1 bis 5:1 und das Objektiv ist mit einem Neupreis von um die 1000€ nicht gerade billig und dazu ein absoluter Spezialist. Es ersetzt nicht das normale Makroobjektiv, sondern ergänzt dieses nur um in Makroregionen vorzustoßen, in die man sonst nicht gelangen würde. Natürlich kann man einen Balgen oder ähnliches verwenden, aber das kompakte MP-E mit elektronischer Blende ist vom Bedienkomfort doch etwas ganz anderes als ein manueller Balgen. Das MP-E verfügt über keinen Autofokus, es hat lediglich einen manuellen Fokus. Die Offenblende wird mit 2,8 angegeben, was allerdings nur auf dem Papier so ist, in Wirklichkeit ist die Offenblende bei 1:1 etwa 5,6 und bei 5:1 etwa 16. Dabei ist die Schärfentiefe besonders klein. Ich Liste in nachfolgenden Tabellen mal die Werte auf:

Abbildungsmaßstab

f/2,8

f/4

f/5,6

f/8

f/11

f/16

1:1

0,396

0,560

0,792

1,120

1,584

2,240

2:1

0,148

0,210

0,297

0,420

0,594

0,840

3:1

0,088

0,124

0,176

0,249

0,352

0,498

4:1

0,062

0,088

0,124

0,175

0,247

0,350

5:1

0,048

0,067

0,095

0,134

0,190

0,269

Schärfentiefe in mm, abhängig von Blende und Abbildungsmaßstab.

 

Angegebene

Blende

1:1

2:1

3:1

4:1

5:1

2,8

5,6

8,4

11,2

14

16,8

4,0

8

12

16

20

24

5,6

11,2

16,8

22,4

28

33,6

8,0

16

24

32

40

48

11

22

33

44

55

66

16

32

48

64

80

96

Effektive Blende, abhängig vom Abbildungsmaßstab.

Wie man in den Tabellen unschwer erkennen kann, ist die Schärfentiefe bei diesen Abbildungsmaßstäben sehr gering und teilweise nichtmal 1/10mm groß. Deshalb ist das Scharfstellen und das arbeiten mit diesem Objektiv immer eine Herausforderung. Ein weiteres Problem mit dem man zu kämpfen hat ist die Ausleuchtung, da man sich seinem Motiv sehr stark nähert. Gleichzeitig hat man wegen der effektiven Blende zwischen 5,6 und 96 immer Probleme mit der Verschlusszeit. Aus diesen Gründen wird in der Regel auf einen Blitz verwiesen um sinnvoll mit dem Objektiv arbeiten zu können. Da ich aber keine Blitze in der Naturfotografie mag, habe ich versucht ohne Blitze zu arbeiten.

In der Praxis:

Das Canon MP-E stellt die Geduld des Naturfotografen auf eine harte Probe. Da man viele Baustellen hat, an denen gleichzeitig gearbeitet werden muss, zum einen muss man erst einmal scharfstellen. Dazu kommt man um einen guten Einstellschlitten nicht herum. Der Einstellschlitten, mit dem man die Kamera/Objektivkombination Millimeter für Millimeter verschieben kann ist unerlässlich, damit man korrekt scharfstellen kann. Gleichzeitig ist gerade bei einem großen Abbildungsmaßstab der Sucher sehr dunkel, was das Scharfstellen zusätzlich erschwert. Hier ist die neue Technik der Liveviews Gold wert, da man damit noch genauer scharfstellen kann. Das zweite Problem ist der Wind, da die Schärfentiefe so gering ist, ist nach jedem Windstoß ein erneutes Scharfstellen nötig. Gleichzeitig hat man aufgrund der effektiven Blende immer recht lange Verschlusszeiten, was dazu führt das selbst an windstillen Tagen viele unscharfe Fotos dabei sind, aufgrund minimalster Bewegungen des Motivs. Wegen der extrem geringen Schärfentiefe ist, ist es oft notwendig so genannte Stacks zu machen, also die Schärfentiefe durch mehrere Belichtungen, die man am Computer zusammensetzt, zu vergrößern. Wird jedoch während dessen das Motiv nur leicht bewegt durch den Wind, muss man wieder von neuem beginnen. Das Arbeiten ohne Blitze mit dem MP-E ist also sehr aufwendig und schwer. Dennoch ist es machbar. Der Aufwand den man mit dem MP-E betrieben muss ist also relativ groß in der Praxis. Freihand und ohne Blitz mit dem MP-E zu arbeiten ist eine Herausforderung für sich, die fast unlösbar scheint, aber dennoch machbar ist.


Canon MP-E 65 auf dem Einstellschlitten. Das Problem der zu tief bauenden Stativschelle wird deutlich.

Die optische Leistung des MP-E ist sehr gut, im Bereich von 1:1 bis 3:1. Wird der Abbildungsmaßstab größer, nimmt die optische Leistung ab. Zudem ist zu bedenken, dass die Beugungsunschärfe beim MP-E recht stark zuschlägt was bedeutet, dass man ab etwa f/13 automatisch unschärfere Bilder bekommt. Leider ist jedoch eine weiter geschlossene Blende häufig nötig. Das Bokeh des MP-E ist gut bei Offenblende. Abgeblende ist es jedoch eine Katastrophe. Bereits um 1/3 Blendenstufe abgeblendet werden Unschärfekreise sofort eckig, weshalb man nur bei Offenblende mit Unschärfekreisen arbeiten kann. Dies können die alten Luminare von Zeiss am Balgen bedeutend besser.

Die Verarbeitung des Canon MP-E ist überragend, der Schneckengang des Objektives ist sehr gut und genau einzustellen. Die Stativschelle ist ok, es ist die gleiche, die man schon vom Canon 100-400mm L oder 2,8 70-200mm L kennt. Der einzige Nachteil ist, dass die Stativschelle zu tief baut, dies führt dazu, dass eine Kamera mit Batteriegriff oder eine Kamera mit fest verbautem Hochformatauslöser immer am Einstellschlitten hängen bleibt. Hier ist eine Eigenkonstruktion notwendig um dies zu vermeiden.

Ich setze das Canon MP-E 2,8 65 in der Praxis sehr gerne ein, da das Objektiv trotz der vielen Schwierigkeiten die man damit hat sehr praxistauglich ist. Die Alternativen auf dem Markt, zwingen den Fotografen zu noch größerem Aufwand.


Freihand kann es auch klappen. Dieses Bild zeigt Raureif im Wald und entstand freihand bei einem Abbildungsmaßstab von 5:1.

 


Dieser Spanner wurde bei einem Abbildungsmaßstab von ca. 2,5:1 aufgenommen.

 


Hier wird die geringe Schärfentiefe sehr deutlich, dieser goldene Scheckenfalter wurde bei einem Abbildungsmaßstab von 3:1 aufgenommen.

 


Ein Flügeldetail des großen Ochsenauges, bei einem Abbildungsmaßstab von ca. 4,5:1. Trotz exakter Ausrichtung musste hier ein Stack aus 4 Bildern gemacht werden, damit die Schärfentiefe ausreichend ist. 

 

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