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Canon EOS 5DSR Pixelmonster oder einfach nur geil? (Kurztest)

27. Juni 2015

Allgemein, Erfahrungsbericht, Fototechnik, Kameratest

Dieser Artikel ist eine Ideensammlung nach ein paar Wochen 5DSR. Ich werde natürlich in einigen Monaten nochmals berichten, was sich bewahrheitet hat und ob ich irgendwelche Probleme mit der Kamera habe.

Geschichte:
Seien wir mal ehrlich, brauchen wir 50 Megapixel?
Ich kann mich noch daran erinnern, als eine 6 Megapixel DSLR mit einem 1,6Xfach Verlängerungsfaktor und 3 AF-Feldern, die mehrere Sekunden zum hochfahren brauchte 3300 EUR kostete und auf den Namen Canon EOS D60 hörte. Das war 2002 und als dann 2008 die Canon EOS 5D II eingeführt wurde mit 20 Megapixeln, hab ich gejubelt! So viel Bildqualität für einen so kleinen Preis und auch damals schon musste man sich die Frage stellen: Braucht man überhaupt so viele Megapixel und wie geht man mit den Daten um? Heute ist es dieselbe Frage, nur eben 2015 mit 50 Megapixeln — und brauchen wir das Ganze? Für mich persönlich lautet die Antwort ganz klar JA!
Viele mögen den Kopf darüber schütteln und das tue ich auch, doch mit einer Ausgabegröße von 20 Megapixeln werde ich von vielen Verlagen häufig nach größeren Dateien gefragt und die kann ich, wenn überhaupt, nur durch Interpolation erreichen, was aber im Endeffekt keine bessere Bildqualität erzeugt. Dennoch kommt mir eine so hochauflösende Kamera für den großformatigen Druck sehr gelegen. Zudem sehe ich in den 50 Megapixeln einen großen Wettbewerbsvorteil. Denn die Bilder die ich 2008 mit der Canon EOS 5D II gemacht habe, kann ich heute noch — gut 7 Jahre später — für Kalender, Cover und großformatige Drucke verwenden. Genau diesen Vorteil erhoffe ich mir auch von einer Kamera die heute 50 Megapixel ausgibt. Wer jedoch nur Bilder bis 75x50cm oder 90x60cm vergrößert, der kommt eigentlich auch noch gut mit 20Mpix aus.

 


Zweiblättrige Waldhyazinthe

Allgemeines:
Doch 50 Megapixel sind nicht nur gut, das Ganze muss auch gehändelt werden und da beginnen die Probleme in der Praxis. Um die Qualität einer solchen Kamera auszunutzen benötigt man die besten Objektive, diese sind meistens sehr teuer. Auf der anderen Seite verwackelt man bei 50 Megapixeln schneller Bilder, sodass die alte Faustregel 1/Brennweite als Verschlusszeit oft zu verwackelten Ergebnissen führt. Gleichzeitig sollte man die ISOwerte möglichst gering halten um die Auflösung voll auszunutzen. Die benötigten schnellen Verschlusszeiten sind gegenläufig zu den kleinen ISOWerten die verwendet werden sollten, sodass gute Ergebnisse deutlich schwieriger zu erzielen sind. Zudem muss der Fokus exakt sitzen, sonst sieht man die Unschärfen sofort. Wir müssen also wieder mit schweren und stabilen Stativen fotografieren gehen. Zudem steigen die Datenmengen rasant an, die Dateien sind beträchtlich größer als bei einer 20 Megapixel Kamera. Das bedeutet, dass man viele große Speicherkarten und Festplatten benötigt und gleichzeitig einen schnellen Computer mit viel Arbeitsspeicher für die Bildbearbeitung. Um die 50 Megapixel qualitativ sinnvoll umsetzen zu können, muss also deutlich in die Peripherie investiert werden, sofern dies nicht in der Vergangenheit bereits geschehen ist. Insgesamt kommt mir das Arbeiten und die benötigte Sorgfalt fast wieder wie analoges Fotografieren vor.
Es wird jedoch belohnt. Die Details, die wir bei einem so hochauflösenden Bild erreichen sind unglaublich, gestochen scharfe Ausschnitte sind machbar, man entdeckt Dinge, die man sonst nie wahrgenommen hat und großformatiger Druck, wie man ihn sich bei einer KB Kamera noch vor kurzem nicht hätte Vorstellen können. Vor 6 Jahren habe ich noch neidisch auf die 40 Megapixel des Mittelformats geschielt und war davon immer wieder begeistert. Heute ist die Qualität sehr ähnlich, aber die Praxistauglichkeit ist wesentlich höher als die einer Mittelformatkamera, da das Handling deutlich einfacher ist. Zudem ist Canon seinem Bedienkonzept treu geblieben (bis auf ein paar winzige Neuerungen), wer die Canon EOS 5D III gewohnt ist, bedient die Canon EOS 5DS oder 5DSR spielend. Zudem kann man die 5DS/R deutlich stärker individualisieren, was die Bedienung angeht. Es wurde auch nochmals am Autofokus Hand angelegt, dieser arbeitet nun noch schneller und präziser, endlich wurde er wirklich an die große Schwester Canon EOS 1DX angelehnt. Das ist sehr wichtig um die Qualität der Kamera ausnutzen zu können. Zudem ist der Sensor deutlich verbessert worden in den Tiefen. Hier hatte Canon immer Probleme, bei der neuen 5DS/R kann man aber endlich die Tiefen sehr stark aufhellen, bis zu 3 Blenden, ohne große Qualitätsverluste. Doch auch an den Kartenslots wurde gearbeitet, endlich schreibt der SD-Kartenslot auch mit einer hohen Schreibgeschwindigkeit Daten auf die Karte, das hatte bei der Canon EOS 5D III sehr für Ärgernis gesorgt, da dort das Speicherkarteninterface für SD Karten sehr langsam war. Ein letzter großer Vorteil ist der zuschaltbare „Crop Mode“ mit dessen Hilfe man während des Fotografierens eine „Cropkamera“ imitieren kann, mit einem Verlängerungsfaktor von 1,3x oder 1,6x, gerade in der Tier und Sportfotografie ist dies sehr von Nutzen. Es macht wirklich Spaß mit diesem Gerät zu arbeiten, die einzige Frage, die sich stellt, ist: 5DS oder 5DSR, also mit oder ohne Tiefpassfilter. Für mich war die Entscheidung einfach, da ich Naturfotograf bin und hier der fehlende Tiefpassfilter fast nie zu Moireebildung führt. Wer jedoch viel Architektur und Hochzeiten oder Fashion fotografieren möchte, ist mit einer Kamera mit Tiefpassfilter (5DS) besser bedient, da diese Motive sehr anfällig für Moiree sind.

Bedienung:
Die Bedienung der 5DSR ist gewohnt gut, man kann die Kamera stärker individualisieren und wirklich einwandfrei bedienen. Dennoch finde ich die Bedienung schlechter als bei den Vorgängern. Was mich stört:
1) Die immer eingeblendete Wasserwage oben im Bild taugt mir nicht, ich blende mir bei Tierfotos immer die Wasserwaage ein mit der Mfn Taste und jetzt muss mein Auge immer zwischen Bildinformationen unten und Wasserwaage oben hin und her fliegen, das mag ich nicht.
2) Den WB kann man in der Kelvinzahl nicht mehr direkt im Liveview einstellen, sodass man hier umständlicher arbeiten muss.
3) Die Kamera hat immer noch kein Nightdesign bzw. beleuchtete Tasten.
Das heißt nicht, dass die Bedienung schlecht ist, sie ist auf einem hohen Niveau, dennoch mag ich die 1DX von der Bedienung deutlich lieber, sie ist einfach schneller.

Bildqualität:
Die Bildqualität der 5DSR ist über jeden Zweifel erhaben, hier hat Canon deutlich nachgelegt. Endlich kann man die Tiefen gut Anheben, das war bis dahin nicht möglich. Man kann das Bild wirklich um 3 Blenden anheben, was die Helligkeit angeht. Die Bildqualität nimmt minimal ab, aber ist wirklich einwandfrei zu verwenden.
Belichtet man nur halbwegs korrekt und arbeitet sauber, erreicht man eine Qualität, die man so nicht kennt.
Die Farben kommen wesentlich näher an die 1er, als die 5D III, was für mich ein riesen Pluspunkt ist.

 


100% Crop aus diesem Bild, hier klicken

AF:
Der Autofokus ist extrem genau und schnell. Ich habe momentan das Gefühl, dass es der genaueste Canon AF ist, den ich je gesehen habe. Wirklich ein super AF mit dem ich mich auf Anhieb wohl gefühlt habe. Im Vergleich zur 7D II von der ich eher enttäuscht war, ist die 5DSR wirklich super.
Sonstiges:
Die 5DSR ist für die große Datenmenge wirklich flott unterwegs. Dennoch wirkt sie manchmal etwas träge, wenn man direkt in die Bildwiedergabe springt oder man direkt zoomt, merkt man die Datenmenge schon, obwohl ich Lexar 1000X Speicherkarten verwende.
Das Display ist realistischer geworden, ich hatte bei der 5D III immer einen WOW-Effekt bei der Bildrückschau und wurde dann am PC enttäuscht, das hat Canon nun deutlich realistischer hinbekommen, was für mich ein klarer Pluspunkt ist.
Sehr praktisch ist der „Crop-Mode“ mit dem man den Verlängerungsfaktor während des Fotografierens einfach auf der Mfn-Taste zuschalten kann.

 


Schneeule im Flug, mit der 5DSR kein Problem.

Fazit:
Die Kamera macht einen riesigen Spaß, es ist eine top Kamera, die den Fotografen zu einem sauberen Arbeiten verpflichtet. Wer das gerne umsetzt erhält eine traumhafte Bildqualität.

Vergleich eines um 3 Blenden unterbelichteten Bildes mit einem korrekt belichteten Bild:


Originalbild

 


Um 3 Blenden aufgehelltes Ergebnis

 


Der Vergleich eines korrekt belichteten Bildes mit dem um 3 Blenden aufgehellten Bild.

ISO-Vergleich zur 5D III:

 


Das Ausgangsbild für den Vergleich.

 


Der Vergleich bei ISO 100 (ungeschärft).

 


Der Vergleich bei ISO 1600(ungeschärft).

 


Der Vergleich bei ISO 3200(ungeschärft).

 


Eine Feder für den Detailtest.

 


100% Crop aus dem Bild.

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