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Canon EOS 5d Mark III, die Eierlegendewollmilchsau?

3. April 2012

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Kameratest

Ich weiß, dass es im Netz sehr schnell haufenweise Berichte über die Canon EOS 5d Mark III geben wird, gerade was die ISOperformance und den AF angeht geben wird. Deshalb will ich mich in diesem Bericht gar nicht darin verbeißen sondern einfach die neuen Funktionen und die Eindrücke die ich mit dieser Kamera gewonnen habe niederschreiben. Den nächsten Bericht wird es geben, wenn mich die Kamera auf meinen nächsten Reisen begleitet hat und gezeigt hat was sie in der Praxis leisten kann.
Kurz ein paar Fakten: Ein Vollformatsensor mit 22Mpix, 6 Bilder pro Sekunde, ein AF-System mit 61 AF-Feldern, ISO 50-102 400 und und und, das bekommt man bei einer Canon EOS 5d III für ca. 3300EUR.

5d III im Praxiseinsatz

Handling:
Wie bereits geschrieben die Kamera ist ordentlich verarbeitet, hier gibt es keine wirklichen Schwächen. Klar es ist noch keine 1er aber in meinen Augen sehr gut Verarbeitet. Der Verschluss klingt gut, wobei das ja sehr subjektiv ist. Jeden User, der von der 5d II kommt wird freuen, dass das Akkukonzept beibehalten worden ist, man kann also den LP-E6 als Akku weiterverwenden. Leider gibt es einen neuen BG, den BG-E11, sodass man diesen neu kaufen muss. Der neue 100% Sucher mit der eingeblendeten Gitternetzlinien, ist wirklich hervorragend gelungen und steht den 1er Suchern in meinen Augen in nix mehr nach. Neu für eine nicht 1er ist, dass man neben der CF-Karte auch eine SD-Karte verwenden kann, sodass man im Notfall wenn die CF-Karte voll ist auf der SD-Karte weitergeschrieben wird. Man kann aber auch die RAWs auf die CF und die JPGs auf die SD speichern oder halt auf beiden Karten alle Daten ablegen. Von den Bedienelementen wurde sehr viel bei der Canon EOS 7d abgeguckt, gerade der An/Aus-Schalter, die Liveviewtaste und die M-Fn Taste erinnern sofort an das Layout der 7d, in meinen Augen sehr gelungen, die mir die Bedienung der 7d immer sehr gut gefallen hat. Neu ist auch die Rate-Taste mit der man seine Bilder bereits vor Ort bewerten kann und ihnen 1-5 Sterne zuordnen kann, wie ich finde eher eine unnütze Funktion, aber vielleicht für andere Fotografen besonders nützlich. Über die Q-Taste kann man nun so gut wie alle wichtigeren Funktionen der Kamera einstellen. Viele der Tasten sind wie schon bei der 7d frei belegbar. Besonders gut ist gelungen, dass man den AF endlich ohne  größere Umstellungsorgien auf die Sterntaste legen kann. Früher hat man dafür zwei CF-Ns umstellen müssen, bei der 5d III gehts einfach über die Q-Taste. Über den Creative Photo Button kann man beim Fotografieren direkt den Bildstil verändern, die Mehrfachbelichtung einstellen und die HDR Funktion verwalten.

Was in meinen Augen gar nicht geht ist das neue verspielte Menü, wie kann man sowas einem Canonkunden zumuten? Ich finde das in Einsteigermodellen ok, aber in einer 3300€ teuren Kamera ein Menü einzubauen, das kunterbunt ist (insgesamt 6 Farben) und zudem so unübersichtlich. Es gibt nun 6 verschiedene Hauptmenüpunkte mit bis zu 5 Unterpunkten unter denen sich wieder bis zu 7 Unterpunkte finden, die man einstellen kann. Ich fand die frühere Lösung mit den CF-N Funktionen wie sie schon seit Jahren bei Canon zu finden sind wesentlich ansprechender. Dazu kommt das Canon einfach munter neue Worte kreiert um die eigenen Menüpunkte zu benennen. Was Z.B. schon immer AF-Geschwindigkeit hieß und womit jeder Canonkunde wusste was gemeint ist, heißt jetzt AI-Servo Reaktion. Aber naja, so wurde es gelöst und wir müssen uns nun daran gewöhnen.

Bildqualität:
Nun da legen wir den Finger auf eine wunde Stelle, es gibt noch keinen RAW-Konverter der wirklich endgültig zeigen kann, was in den 5d III Daten steckt. Momentan habe ich das Gefühl, dass die Daten der 5d III etwas weicher sind als die der 5d II. Die High Iso Fähigkeit hat sich deutlich verbessert, im oberen ISOBereich, jenseits der ISO 3200 würde ich von ca. 1,5 Blenden sprechen. Im Unteren ISOBereich wurde das Grundrauschen verbessert, hier sind es vllt. 0,5 Blenden. Der Dynamikumfang scheint im Moment weitgehend unverändert. Aber wie gesagt, es gibt noch keinen wirklich gut funktionierenden RAWkonverter, sodass ich hier noch nicht urteilen möchte. Das wird die Zukunft zeigen.

AF:
Das neue AF-System der 5d III hat 61 AF-Felder mit Doppelkreuzsensoren, Kreuzsensoren etc. genaue Listen welche Sensoren mit welchen Objektivkombinationen wie funktionieren findet man in der Bedienungsanleitung. Die Verteilung der AF-Felder ist Vollformattypisch relativ mittig. Die AF-Performance ist sehr gut, hier kann man nicht meckern, auch wenn ich noch nicht alle Settings durchprobieren konnte. Der AF greift schnell und ordentlich zu. Ich bin mir noch nicht schlüssig ob er besser ist als der der 1d MarK IV, im Moment tendiere ich zu leicht schlechter, aber ich denke das wird sich in der Praxis nicht viel geben. Besonders schön sind die neuen Einstellungen, wie man sie von der 7d gewöhnt ist, Z.B. das dauerhafte verwenden des Spot AF oder das Einteilen des AFs in AF-Zonen. Insgesamt lässt sich der AF sehr schnell verstellen, da man viele AF-Feldoptionen hat indem man während dem Fotografieren einfach auf die AF-Feld-Wahltaste drückt und im Anschluss auf die M-Fn taste drückt. Somit kann man zwischen den verschiedenen AF-Feld Methoden wählen. Schön ist auch, dass die Kamera im Hoch- und im Querformat unterschiedliche AF-Felder anwählen kann. Diese Funktion wurde von der 1d IV übernommen und hat sich schon dort gut bewährt.

Wie bereits erwähnt, die Menüeinstellungen sind mir bei der 5d III viel zu unordentlich geraten, es gibt Z.b. 6 AF-Presettings, die in Case 1-6 wiederzufinden sind im Menü. Hier hätte man einfach in die CF-Ns die 3 AF-Einstellungen (AI-Servo Reaktion, Nachführ Beschl/Verzög, und AF-Feld-Nachführung) packen können und alles wäre gut. Aber da ich mich schon weiter oben darüber aufgeregt habe will ich das an der Stelle lassen.

Bildrückschau:
Canon hat der 5d III ein neues Display spendiert, dieses ist 3,2 Zoll groß und ist nochmals besser als das schon hervorragende 5d II Display. Neu ist die Funktion, dass man sich 2 Bilder nebeneinander anzeigen lassen kann und sie somit direkt vergleichen kann. Bei dieser Ansicht ist es besonders schön, dass man den Bildausschnitt den man Vergleicht frei wählen kann. Neu für eine 5d ist auch, dass man durch das einfache drücken der Lupentaste, sofort auf 100% Zoomen kann und zwar dort wo das AF-Feld saß (1er User sind das ja gewöhnt). Etwas ungewohnt gestaltet sich nun das Zoomen, früher hatte man eine + und – Taste zum Zoomen in den Bildern, bei der 5d III muss man die Lupentaste gedrückt halten und gleichzeitig mit dem vorderen Rad drehen um zu zoomen. In meinen Augen ist es somit umständlicher geworden, da man beide Hände an der Kamera haben muss um die Zoomfunktion sinnvoll bedienen zu können. Doch hier hat Canon mitgedacht, man kann die Settaste mit der Lupenfunktion belegen, sodass man die Bildrückschau auch komplett mit der rechten Hand sinnvoll bedienen kann. Insgesamt ist dies also sehr gut gelungen. Eine weitere neue Funktion der Bildrückschau ist, dass man sich nun endlich auch hier Gitternetzlinien einblenden lassen kann.

Neue Funktionen:
Nun zu ein paar ganz neuen Funktionen in der 5d III

Mehrfachbelichtung:
In meinem ersten Preview sagte ich, dass die Mehrfachbelichtung wenig intuitiv ist, hat man aber erst mal etwas länger dran rumprobiert, bekommt man doch recht schnell raus, wie die neue Funktion wirklich zu verwenden ist. Einziges Manko ist, dass die Verarbeitung von Doppelbelichtungen quälend langsam ist. Sehr schön ist, man kann sich seine Komposition im Liveview ansehen, sodass man während der Doppelbelichtung genau auf Überschneidungen und Effekte achten kann. Die Ausgabedatei der Doppelbelichtung ist ein RAW. Insgesamt funktioniert die Mehrfachbelichtung sehr gut.


Mehrfachbelichtung aus zwei Aufnahmen

Silent Modus:
Canon ermöglichst eine neue Funktion, den Silent Modus in dem die Kamera deutlich leiser auslöst als normal, gerade für Tier-, Konzert- und Theaterfotografen interessant. Man hört den Verschluss kaum noch und der Spiegelschlag ist deutlich Schwächer. Leider nimmt die Serienbildgeschwindigkeit dabei ab.

Digitale Wasserwaage:
Erstmals wird in der 5d III auch eine digitale Wasserwaage verbaut. (ja in der 7d gab es die auch schon) Aber für jemanden der sonst mit einer 1er oder 5er unterwegs war ist dies eine vollkommen neue Funktion. Ob die Wasserwaage allerdings genau ist, kann ich leider noch nicht sagen, da ich immer noch die gute alte Blitzschuhwasserwaage verwende.

HDR:
Die HDR Funktion der 5d III ist sehr gut, im Detail zeigen sich hin und wieder unsaubere Stellen. Dennoch ist Sie sehr gut zu verwenden. Einziges Manko dieser Funktion ist, dass man am Ende ein JPG und kein RAW rausbekommt. Das heißt ist der WB falsch eingestellt oder ähnliches, muss man sowieso aus den Einzelnen RAWs zu Hause was neues basteln.

LiveView:
Ok, das ist gar keine neue Funktion, aber da ich in meinem Preview so viel darüber gemeckert habe muss ich noch ein paar Worte hierzu verlieren. Der Liveview ist mit dem neuen Display nochmal besser geworden, da man noch besser beurteilen kann. Zu meinem Bedienproblem, man kann die Lupenfunktion auf die Set-Taste legen, sodass man den Liveview komplett mit der rechten Hand bedienen kann. Dennoch ist die Lösung nicht perfekt, ein Manko bleibt, man hat nur eine Taste zum Zoomen, die Lupentaste. Das bedeutet, ist man in der 5x Lupe und will raus zoomen muss man zweimal die Lupentaste drücken wofür man früher nur einmal auf die -Taste drücken musste. Das bedeutet, dass man den Bildausschnitt freihand oder vom Bohnensack stärker verzieht als wenn man nur einmal drücken müsste. Ich hoffe Canon bessert hier mit einem Softwareupdate nochmal nach, sodass man die AF-Feldwahltaste und die Sterntaste im Liveview anders belegen kann, nämlich mit + und -, aber das bezweifel ich.

Fazit:
Die 5d III ist eine konsequente Weiterentwicklung der 5d II. Canon hat an allen Dingen gearbeitet, die an der 5d II kritisiert worden sind und viele Neuerungen eingebaut, die die ehemals sehr gute 5dII zu einem fast perfekten Allrounder machen. Leider greift Canon hierfür nochmal kräftig in die Tasche des Kunden, 3300EUR für eine semiprofesionelle Kamera ist schon happig. Kleinere Schwächen sind natürlich noch vorhanden, aber die Eierlegendewollmilchsau gibt es leider nicht, die 5d III kommt ihr aber schon recht nahe.

Zur Moviefunktion kann ich nichts sagen, da ich mit meiner DSLR nie filme.

 


Die AF Felder sind leider nicht so weit verteilt, man kommt leider nicht annähernd in die Ecken

 

Der hohe Dynamikumfang ermöglicht es Bilder sehr hell zu belichten ohne Ausfressende Stellen

 


Der Dynamikumfang zeigt sich bei solch kontrastreichen Motiven als besonders hilfreich 

 

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