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Canon EOS 1DX erster Eindruck, ein Härtetest

22. November 2012

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Kameratest

 


Canon EOS 1DX neben Canon EOS 5D III, die Anordnung der Bedienelemente unterscheidet sich grundlegend

Eigentlich wollte ich so schnell nichts zur neuen Canon EOS 1DX schreiben, aber da ich täglich Mails bzgl. meiner Erfahrungen mit der 1DX bekomme, möchte ich ein paar erste Eindrücke und Erfahrungen schildern. Ich hab etwa 5000 Fotos mit der Kamera gemacht, alles nur Tier- und Landschaftsfotos vorwiegend mit dem Tele. Dieser kurze Erfahrungsbericht bezieht sich somit ausschließlich auf die paar Fotos, die ich bis heute machen konnte…
Ich hätte eigentlich nicht gedacht, dass ich mir je die Canon EOS 1DX kaufen würde, die 5D III ist eigentlich die perfekte Kamera für mich gewesen. Aber dennoch, als ich in Norwegen das erste Mal mit der 1DX fotografiert habe, ist mir schon aufgefallen, dass ihr Dynamikumfang etwas größer ist als der der 5D III. Wir sprechen hier von wirklich geringen Werten, etwa 1/3 Blende vielleicht. Dennoch hatte ich diesen Floh im Ohr und er wollte nicht mehr verschwinden. Als ich nun in Lünen auf dem internationalen Naturfotofestival war, konnte ich nicht wiederstehen und habe die 1DX sowie einen zweiten LP-E4N mitgenommen.
Was soll ich sagen, zunächst fällt der extrem hohe Preis auf, 6300€ für eine Kamera mit gerade einmal 18Mpix und 150€ für einen Ersatzakku. Hallo Canon, geht’s noch? Das sind echt heftige Preise, also bin ich gespannt was ich dafür geboten bekomme. Beim Auspacken fällt mir nichts besonders auf. Ich entnehme einen Akkulader, den Akku und die Kamera und räume den Rest ins Regal. Was mir als erstes auffällt: die neue 1DX ist im Vergleich zur 1DIV deutlich schwerer und etwas wuchtiger geworden. Mich stört das nicht besonders, aber eigentlich fand ich das Gewicht der 1DIV bereits ausreichend. Ich habe in den ersten Tagen nichts weiter gemacht, als den AF per Microadjustment einzumessen und zu warten, bis die Bedingungen in den Bergen für mich optimal sind – keine Woche später sind sie perfekt! Unwetterwarnung, Schnee und Eis, härter kann der erste richtige Einsatz für die 1DX nicht werden. Bereits am ersten Abend war die 1DX komplett gefroren und was kann ich nun über die Kamera sagen? Sie funktioniert noch. Aber im Ernst, ich erzähle jetzt einfach ein wenig zum Handling und was mir so aufgefallen ist in den ersten Wochen.


Canon EOS 1DX voll Schnee und gefrohren

Zunächst habe ich die Kamera fast ausschließlich mit Handschuhen bedient, das ging eigentlich sehr gut. Die Verarbeitung ist 1er typisch einfach nur sehr gut. Solider kann eine Kamera wohl nicht gebaut sein. Der neue Joystick ist super und bereitet mir wesentlich mehr Freude als der alte Joystick der 1DIV oder 5D III. Besonders gut, es gibt einen Joystick fürs Hochformat, das ist für mich eine Revolution, die ich bereits von der 5D III kenne. Vorbei sind die Tage, an denen ich mich umständlich verrenken muss um im Hochformat das richtige AF Feld zu wählen! Super! Leider ist der zweite Joystick nicht genau an der gleichen Stelle wie der Joystick fürs Querformat. Im Endeffekt musste ich im Hochformat öfter den Joystick suchen, da ich ihn blind nicht gefunden habe. Genauso verhält es sich auch mit der Mfn-Taste, die im HF etwas anders angeordnet ist als im QF. Auch neu sind die zwei frei belegbaren Tasten am Bajonett, die ich bis heute noch nicht benutzt habe. Auf der einen habe ich die Abblendtaste und auf der anderen ist bei mir keine Funktion abgelegt.
Die Zoomfunktion ist bei der 5D III und 1DX identisch. Ich spare es mir an dieser Stelle schon wieder über die Zoomfunktion zu meckern. Wenn wir schon beim Meckern sind: Canon, wo bitte gehört die Löschtaste hin? Doch nicht mitten zwischen die anderen Tasten. Ich habe in den letzten Tagen mindestens 50mal auf die Speicherkartenauswahl-Taste gedrückt, um Bilder zu löschen, was natürlich nicht funktioniert hat. Sobald es dunkel ist und man z.B. im Zelt Bilder sichtet oder im Halbdunkel arbeitet, trifft man häufig eine andere Taste, als die mit dem Papierkorb drauf, was mich persönlich wahnsinnig gemacht hat, gerade in Actionsituationen. Ich habe mich bis jetzt immer noch nicht an diese Positionierung gewöhnt. Sehr schön hingegen ist die neue ISO-Taste, die wirklich nur für die ISO-Einstellung da ist. Für mich ist es schon immer ein Vorteil gewesen, dass man alle 5Ds (egal ob I, II oder III), komplett mit der rechten Hand bedienen kann, das geht bei der 1DX mal wieder nicht, an vielen Stellen ist teilweise wieder eine Zweihandbedienung gefragt. Also bitte Canon, das macht doch keinen Spaß so.
Kommen wir zur weltbesten Funktion, die die 1DX bietet, dem Weißabgleich. Ich liebe es an der 1DX, dass man auf dem oberen Display angezeigt bekommt wie viel Kelvin man einstellt. Für mich ist das wirklich ein enormer Vorteil gegenüber der 5D III, da ich den Weißabgleich sehr häufig verstelle und immer nur mit Kelvin arbeite. Wer mit der Bedienung und dem Menü der 5D III zurechtgekommen ist, wird bei der 1DX wenig neues sehen, außer ein paar Menüpunkte mehr… Sehr cool Canon, zwei CF-Kartenschächte, so wünscht man sich das. Endlich hat sich Canon mal etwas sinnvolles bei Nikon abgeguckt und wenn wir schon dabei sind Canon zu loben, NA ENDLICH, die 1er hat einen elektronischen Verschluss bekommen, so wie es bereits seit der 40d und 5D II im semiprofesionellen Bereich Standard war. Nun kann man also mit Hilfe des Liveviews die SVA einsparen. Das war an der 1DIV wirklich ein riesen Manko für mich. Der Sucher ist 1er typisch, die Informationen sind etwas anders angeordnet als bei der 5er, aber sonst sehr gut überschaubar. Der neue Sucher ist unglaublich groß, was wirklich sehr angenehm ist. Auch neu ist ein AF Symbol, das aufleuchtet beim fokussieren und anzeigt, dass der AF an ist (unten rechts im Sucher). Also wirklich Canon, erst zahle ich 6300€ für ne Kamera und dann muss sie mir anzeigen, dass ich den AF benutze? Ich finde dieses neue Element eher störend als nützlich. Die ganzen AF Settings und Einstellmöglichkeiten sind von der Bedienung genau so einfach, wie man es bereits von der 5D III kennt. So viel zur Bedienung – ach nein, Moment, doch noch nicht. Was passiert, wenn man bei der 1DX den Auslöser drückt? Richtig! Drrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr, Drrrrrrrrrrrrrr, Drrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr. Dieses Geräusch macht einfach süchtig. Die Kamera ist einfach unglaublich schnell. Die 12 Bilder pro Sekunde rocken bei Bewegungsabläufen von Tieren so richtig. Sie ist nicht nur was die Serienbildern angeht besonders schnell, sondern auch alle anderen wichtigen Faktoren, wie Auslöseverzögerung, Startzeit, Liveview on/off etc. sind es. Ich habe subjektiv das Gefühl, dass sie bei allem deutlich schneller ist als die 5D III. Und noch eine Sache ist mir aufgefallen, die 1DX ist extrem laut, viele Tiere gucken sich deutlich schneller nach der 1DX als nach der 5D III um. Auch der Silentmodus der 1DX ist eher ein Witz. Wer also lautlos arbeiten will, der sollte unbedingt bei der 5D III bleiben oder sie als Zweitbody behalten.
Kommen wir zu den neuen Akkus, LP-E4N heißen sie und sind in meinen Augen immer noch nur mäßig. Ich habe zwei neue LP-E4N mitgenommen, beide im ersten Ladezyklus, bei Temperaturen unter 0 Grad bin ich dabei auf 1279 Auslösungen gekommen, bevor der Akku leer war. Dieser Wert ist ok. Aber wie genau die % Angabe ist, will ich nicht verstehen. Nach 1000 Bildern zeigt der Akku noch 3% an und mit diesen 3% kann ich weitere 280 Bilder machen? Auch die Selbstentladung ist relativ hoch, binnen 2 Tagen hat ein LP-E4N bei mir 17% Akkuleistung verloren. Sprich beim Einsetzen hatte er noch 83%, nach den ersten Bildern (16 Stück) hat er noch 78% angezeigt und weitere 5min später 87% und während ich diesen Text im Zelt schreibe, zeigt die Kamera 86% an … Gerade die relativ hohe Selbstentladung bei Kälte habe ich bereits von der 1DIV gekannt, dennoch dachte ich, Canon hätte hier einen Fortschritt gemacht. Ich persönlich habe das Gefühl, dass die Canon LP-E6 bei Kälte wesentlich besser funktionieren als die 1er Akkus.
Kommen wir zum AF, der ja bei der 5D III bereits sehr gut war. Ich habe den AF bereits bis ans Limit führen können, bei Nebel und extremen Schneefall war es vorbei mit der Treffsicherheit, eine Ausschussquote von etwa 95% (in Verbindung mit dem 2,8 400mm L IS II). Ich muss aber zugeben, dass die Bedingungen wirklich extrem waren, ich glaube hier hätte keine Kamera mehr richtig fokussiert. Waren die Bedingungen etwas besser hat der Fokus wirklich schnell und sauber gearbeitet. Ich habe das Gefühl, dass der Ausschuss nochmals geringer geworden ist gegenüber der 5D III. Gerade beim Gebrauch des 2X Extenders III an dem 2,8 400mm L IS II ist der Ausschuss deutlich zurückgegangen. Ich habe bis jetzt nur mit Spot AF und einem AF Feld mit den umliegenden AF-Feldern gearbeitet. Die anderen Methoden verwende ich normalerweise nicht. Insgesamt glaube ich, dass der 1DX AF noch besser ist als der der 5D III, das wird sich aber erst in den nächsten Monaten zeigen.


Bei extrem starkem Schneefall, kombiniert mit Nebel, hat der AF einige Probleme gehabt (um auf dem Bild wirklich etwas erkennen zu können, musste stark an den Kontrasten gearbeitet werden)

Kommen wir zur Bildqualität, oh mein Gott, ich habe nur noch 18Mpix, so wenige Megapixel hatte ich seit Erscheinen der 5D II nicht mehr. Ich habe dies in Kauf genommen, in der Hoffnung eine bessere Grundschärfe und Rauschverhalten zu erhalten. Ich wurde nicht enttäuscht, die Bildqualität der 1DX ist wesentlich besser geworden im Vergleich zur 5D III und auch zur 1DIV. Die 1DIV Dateien habe ich nie gerne bearbeitet, die der 5D II und 5D III hingegen schon immer. Was soll ich sagen, Canon hat mit der 1DX wieder einen großen Schritt nach vorne getan. Der Dynamikumfang ist wirklich besser geworden als der der 5D III, gerade in den hellen Bereich kann man aus den 1DX Dateien mehr rausholen. Auch das Grundrauschen bei ISO 100 hat sich nochmals verbessert, die Bilder wirken nun wirklich extrem sauber. Damit lässt sich super im Photoshop arbeiten. Aber auch das Rauschverhalten hat sich nochmal deutlich verbessert, ich spreche hier von nochmals etwa einer Blendenstufe im High Iso Bereich von der 5D III kommend zur 1DX. Die 1DX Dateien kann ich bei ISO 2500-3200 so gut bearbeiten wie die Dateien der 5D III bei ISO 1600, dabei meine ich mit bearbeiten nicht entrauschen (ich entrausche meine Bilder nie), sondern der Dynamikumfang und das Rauschen das durch die EBV entsteht, ist bei der 1DX in den hohen ISO-Bereichen wesentlich besser geworden.
Mein aktuelles Fazit: ich bin mit der Kamera extrem zufrieden, die Bildqualität und die Performence sind exzellent, ein perfekter Allrounder für die Naturfotografie.


Ein Beispiel zum Veranschaulichen, ISO 1600 unbearbeitet, nur verkleinert

 


Der Bildausschnitt aus dem QF ins HF hat noch etwa 8 Megapixel (bearbeitetes Ergebnis)

 


Ein unbearbeiteter 100% Crop aus dem RAW mit ISO 1600

 


Es ist wirklich dunkel, ISO 3200 f/2,8 1/100sek, selbst bei solch schweren Bedingungen ist die Bildqualität noch gut zu gebrauchen

 


Ein unbearbeiteter 100% Crop aus dem RAW mit ISO 3200

 


Auch bei der Landschaftsfotografie offenbaren sich keine Schwächen, im Gegenteil das RAW lässt sich im Photoshop besser bearbeiten als die Dateien anderer Canon Kameras

 


Starke Kontraste hat die 1DX sehr gut im Griff

 


Auch bei krassem Gegenlicht sind die dunklen und hellen Bereiche durchgezeichnet

 

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