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Canon EOS 1DX, der neue Canonstar

27. Juni 2013

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Kameratest

 


Die 1DX im Schneesturm, bei -15 Grad und Windböen bis zu 70 km/h

So, nachdem ich mit dieser Kamera bereits seit neun Monaten arbeite, sie durch alle möglichen Wetterlagen geschleppt habe und viele tausend Mal auf den Auslöser gedrückt habe, wird es Zeit für einen finalen Erfahrungsbericht. Dieser Bericht soll ein Praxisbericht sein, bezogen auf MEINE Erfahrungen mit der Kamera, im Bereich der Naturfotografie. Der Aufbau des Berichtes wird einfach meinen Eindrücken folgen.

Erster Eindruck:

Jeder der eine Canon 1er in der Hand gehabt hat, weiß wie es sich anfühlt – einfach solide. Die 1DX setzt noch einen drauf, da sie etwas schwerer geworden ist und entsprechend liegt sie noch wuchtiger in der Hand. Ansonsten hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Neben dem Bajonett befinden sich nun zwei Funktionstasten im Querformat und ebenfalls zwei Funktionstasten im Hochformat. Zudem wurde der 1DX ein Joystick fürs Hochformat spendiert, den es früher nicht gab. Die Stern-Taste und die AF-Feldwahl-Taste dienen nun nicht mehr zum Zoomen, dazu verwendet man die Zoomtaste in Kombination mit dem Rad an der Kameraoberseite. Canon hat es endlich geschafft der 1DX einen elektronischen Verschluss zu verpassen, was bedeutet, dass man die SVA vollständig durch den LiveView ersetzen kann. Neu ist auch, dass Canon erstmals auf einen Dual CF Kartenschacht setzt, früher musste man immer mit einer CF/SD-Kartenkombination arbeiten. Der 1DX wurde zudem ein neuer Akku spendiert: der Canon LP-E4N. Dieser ist zum alten Canon LP-E4 voll kompatibel, sodass man keine neuen Akkus kaufen muss, wenn man bereits welche besitzt. Wenn ich schon bei Akkus bin, warum zum Teufel verwendet Canon in den 1er Kameras diesen mieserable LP-E4N? Diese Akkus sind einfach Schrott, die Selbstentladung ist, wenn man sie länger nicht verwendet, recht hoch und auch bei Kälte machen sie Probleme. Die Canon LP-E6 sind um Welten zuverlässiger. Ich verstehe das absolut nicht, hier wäre ein komplett neues Akkusystem oder ein Adapter für LP-E6 sinnvoll. Die Akkulaufzeit der 1DX ist nur als ok zu bezeichnen, ich mache mit einem Akku vllt. 1300-1800 Fotos, wenn ich Makros mit viel Liveview mache, komme ich auf ca. 400.

 


Auch bei Dauerregen verrichten die 1DX ihre Arbeit

Handling, Bedienung, Autofokus:

Wer die 1DX zum ersten Mal auslöst mit ihren 12 Bildern pro Sekunde (RAW) bzw. 14 Bildern pro Sekunde (JPG), wird es mit Sicherheit nicht schaffen nur ein Bild zu machen. Die Kamera und ihr DrrrrrrrrrrrrrrrrDrrrrrrrrrrrrrrrDrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr, ähm ich meine natürlich ihre Auslösegeschwindigkeit, ist einfach unglaublich. Es ist ein Geräusch mit Suchtpotenzial. An manchen Stellen wird behauptet, die 1DX sei unglaublich laut und nicht für Wildlifefotografie geeignet. Das stimmt nur bedingt, wenn die 1DIV nicht zu laut war, ist es die 1DX auch nicht. Ganz nebenbei bemerkt, die Nikon D4 ist noch lauter. Ein echter Manko der 1DX ist, dass sie keinen echten Silentmode hat wie die Canon EOS 5D III. Der Silentmode der 1DX ist eher ein Witz und wird von mir nie verwendet.
Alle Bedienelemente sind dort wo sie hingehören und machen was sie sollen. Wer mit jeder anderen Canon DSLR zurecht gekommen ist, der wird auch hier zurechtkommen. Besonders schön: um die Kelvinzahl des Weißabgleiches einzustellen, muss man bei der 1DX nicht ins Menü. Die einzige Taste, die in meinen Augen falsch angeordnet ist, ist die Löschen-Taste. Diese befindet sich zwischen der Zoom-Taste und der Schützen-Taste, da habe ich im dunklen Zelt mehr als nur einmal danebengegriffen. Für mich müsste diese Taste ganz am Rand angeordnet sein, damit ich sie nicht verfehlen kann im Dunkeln.

 


In Actionsituationen sind selbst die 12 Bilder pro Sekunde fast zu wenig

Kommen wir nun zur wichtigsten Neuerung der 1DX, die sie zu etwas besonderem und herausragenden macht, der Konfigurierbarkeit. Man kann die 1DX seinen Bedürfnissen unglaublich gut anpassen. Zunächst kann man alle Optionen, die man nicht verwendet, deaktivieren. So habe ich beispielsweise alle Belichtungsmessungsmethoden bis auf die Spotmessung und die Mehrfeldmessung deaktiviert. Ebenfalls habe ich alle AF-Feldgruppierungen deaktiviert, bis auf den Spot-AF, das Umgeben mit 4 Feldern und das Umgeben mit allen Feldern. . Solche Veränderungen sparen in der Praxis viele Sekundenbruchteile, da man manche Tasten seltener drücken muss. Aber das war noch nicht das Besondere. Ich kann bei der 1DX nun alle wichtigen Tasten frei belegen. So habe ich auf der Auslösetaste die Belichtungsmessung und das Auslösen. Auf der Sterntaste befindet sich der Autofokus im AV-Modus mit meinem Standard AF-Case. Auf der Funktionstaste 1 kann ich mein gewähltes AF-Feld während dem Fokussieren mit 4 AF-Feldern umgeben, auf der Funktionstaste 2 kann ich mein gewähltes AF-Feld mit allen AF-Feldern umgeben. Auf der MF-N Taste kann ich mir die Wasserhilfe im Sucher aufrufen. Auf der AF-On Taste habe ich wahlweise einen AF-Case für Flugaufnahmen oder einen „Mitziehmodus“, also TV bei 1/20sek und passendem AF-Setting vorkonfiguriert. Der AF steht dauerhaft auf AI-Servo. Über den Joystick kann ich nun meine AF-Felder verschieben ohne eine weitere Taste zu benötigen und auch den Weißabgleich und die ISO-Werte kann ich verstellen, ohne vom Sucher aufzublicken. Das klingt absolut verwirrend, ist aber in der Praxis phänomenal und vom Handling mit keiner anderen Kamera zu vergleichen. Stellen wir uns einfach die Praxis vor:
Ich stehe am Hang und beobachte eine Gams, das Spot-AF-Feld liegt auf dem Kopf und ich mache meine Fotos. Dabei fokussiere ich mit der Sterntaste und kann ggf. den Ausschnitt verschwenken, wenn es kein AF-Feld gibt, das mir meinen „Wunschbildaufbau“ ermöglicht. Rennt die Gams los, betätige ich einfach die Funktionstaste 1 oder 2, je nach dem mit wie vielen AF-Feldern ich mein aktives AF-Feld umgeben will. Bleibt die Gams stehen, lasse ich die Funktionstaste einfach wieder los und habe wieder meinen Spot-AF. Ich könnte aber die Funktionstaste auch mit der AF-On Taste kombinieren. Zur Erinnerung, auf dieser liegt mein „Mitziehmodus“. Dann kann ich die Gams im Rennen mitziehen. Wenn mir mein Bild nicht richtig gerade erscheint, kann ich dies immer durch einen Druck auf die Mfn-Taste kontrollieren, etc. Es ist einfach phänomenal. Ich kann die 1DX komplett mit der rechten Hand konfigurieren ohne jemals vom Sucher aufzuschauen. Man verpasst einfach nichts mehr. Alleine das ist ein Grund für mich, warum ich niemals mehr mit einem anderen Bedienkonzept fotografieren wollen würde.

Kommen wir zum AF allgemein. Die Funktionen und die Felder sind dieselben, wie man sie auch von der Canon EOS 5D III kennt, doch die Performance unterscheidet sich nochmals. Der 1DX steht ein weiterer Prozessor zur Verfügung. Diesen nutzt sie zur Farberkennung des Motivs. Der 1DX AF ist nochmals treffsicherer als der der 5D III, er packt besser zu und der Ausschuss in Actionsituationen ist geringer. Gleichzeitig ist der AF der 1DX, gerade in (bei?) Verwendung von Konvertern, treffsicherer und schneller. Dies ist gerade mit dem Canon Extender 2x III der Fall. Man kann nicht sagen, es liegen Welten zwischen den AF-Systemen. Das AF-System der 5D III ist top, das der 1DX einfach noch etwas besser. Schade finde ich, dass die AF-Felder nicht bis ganz an den Rand reichen. Häufig fällt mir bei wenig Kontrasten oder bei extremem Gegenlicht auf, dass die Sensoren am Bildrand im Hochformat wesentlich genauer arbeiten, als im Querformat, was allerdings bei der 5D III auch der Fall ist. In Extremsituationen kann das dazu führen, dass man im Querformat mit den Feldern am Bildrand nichts mehr trifft und im Hochformat noch recht gut. Auch mit extremem Gegenlicht hat das AF-System seine Probleme. Gerade, wenn man Tiere fotografiert, die direkt vor der Sonne oder vor ihrer Reflexion stehen, kann es sein, dass man nichts mehr scharfstellen kann. Das konnte bis heute noch keine Canonkamera besser. Die 1DX hat das aktuell beste AF-System von allen Canon Kameras, das ist meckern auf aller höchstem Niveau.

Auch schön: die Canon EOS 1DX ermöglicht eine Belichtungskorrektur von bis zu 5 Blenden, was in meinen Augen optimal ist. In der Praxis bin ich bis +/- 4 2/3 Blenden gekommen, also reichen 5 Blenden genau für mich aus.
Das LiveView-Handling ist genau wie bei der 5D III gewöhnungsbedürftig im Vergleich zu den alten Kameras. Man kann sich daran gewöhnen, aber es ist definitiv schlechter geworden für meine Art der Fotografie.
Noch zwei Worte zur Bildrückschau, Canon hat der 1DX hier ein nettes Feature verpasst: wer in der Bildrückschau die Beleuchtungstaste drückt, kann sofort die Displayhelligkeit anpassen. Außerdem hat Canon, wie bereits bei der 5D III, die schlechteste Lupenfunktion aller Zeiten auf den Markt gebracht (also die je in einer Canonkamera verbaut worden ist) . Die erste Zoomstufe vergrößert wie bei der 5D III einfach viel zu stark. Einen solch starken Crop nehme ich normalerweise nie. Das bedeutet, man kann nicht mal eben rein zoomen und sagen, so könnte mein Schnitt aussehen.

Bildqualität:

Die Canon EOS 1DX hat nur 18 Megapixel, oh Schreck, da kann man ja überhaupt nicht croppen. Das mag bedingt richtig sein, aber in der Praxis hat es mich bis heute nicht gestört. Die Canon EOS 1DX kann etwas ganz anderes, nämlich eine Bildwirkung erzeugen. Seit der Canon EOS 10D gab es keine Kamera mehr, bei der der Sensor ein Feeling rübergebracht hat. Das ist etwas, das man nicht gut beschreiben kann, die Bilder der Canon EOS 1DX haben einen ganz bestimmten Touch, einen eigenen Charme, der mir einfach sagt, dass ich meine Kamera gefunden habe, mit der ich viel mehr Bildgefühl transportieren kann, als mit jeder anderen Canon DSLR seit der 10D.
Das Fehlen der Auflösung ist allerdings nicht negativ, Landschaftsaufnahmen werden bei der 1DX Detailreicher aufgelöst als beispielsweise bei der 5D II. Insgesamt gibt das RAW der 1DX wesentlich sauberere Bilder raus, als die der 5D II. Ich persönlich sehe im Landschafts-, Makro und abstrakten Bereich keinen Nachteil gegenüber der 5D III, was die Auflösung angeht. Im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass meine 1DX-Bilder schärfer und detailreicher sind. Bei der Tierfotografie hat man einfach 4Mpix weniger und das sind 4Mpix, die man vom Bild nicht wegschneiden kann. Den ein oder anderen mag das stören, ich finde das überhaupt nicht schlimm, da ich meine Bilder ohnehin fast nie bzw. nur minimal beschneide.
Der Dynamikumfang der 1DX ist etwas besser als der der 5D III und liegt somit wohl wieder in etwa bei der 5D II. Allgemein habe ich das Gefühl, dass ich aus den 1DX RAWs gerade in den hellen Bereichen mehr rausholen kann, als bei anderen Canonkameras.
Das Rauschverhalten: Bis ISO 400 top, bei ISO 800 rauscht es, bei ISO 1600 nicht mehr zu gebrauchen. Nee, Nee, kleiner Spaß am Rande, den muss ich mir erlauben, da ich die ständigen Rauschdiskussionen nicht nachvollziehen kann. Die 1DX ist vom Rauschen her ein Hammer. Bis ISO 800 ist das Bild einfach clean und auch perfekt zum Bearbeiten geeignet. Man kann also wirklich noch Tiefen anheben, helle Bereiche abdunkeln etc. und am Ende sieht es immer noch besser aus als ISO 400 an der 5D II. ISO 1600 sind super zu verwenden, für alles was man braucht. ISO 3200 ist eigentlich meine persönliche Grenze. Auch das lässt sich noch problemlos groß drucken, ohne zu entrauschen. Aber ich gehe, wenn es nicht anders geht, auch auf ISO 6400 oder 12 800, um ansprechende Bilder machen zu können. Ziehen wir einen Vergleich zur 5D III, bis ISO 800 ist da kaum ein Unterschied und dann fängt es an. ISO 1600 fallen an der 5D III schon deutlich ab, wohingegen ISO 1600 der 1DX noch fast so aussehen, wie 800. ISO 3200 der 1DX sehen bei mir am Ende so aus, wie die 1600 der 5D III. Ich kann es nicht oft genug sagen: ich betrachte nicht das Grundrauschen, sondern das Ergebnis bei gleicher Bearbeitung. Denn man muss aus dem RAW kommend noch Tonwerte, Kontraste, Farben und ggf. Helligkeit anpassen. All das sind Signale die die Kamera aufnimmt und uns zur Verfügung stellt. Gleichzeitig verbessern diese Veränderungen zwar die Gesamtwirkung des Bildes, erhöhen aber gleichzeitig auch das Rauschen. Die geschilderten Unterschiede sind die Unterschiede im Endergebnis, also nach der Bearbeitung und nicht das Grundrauschen eines unbearbeiteten RAWs und das ist es, was für mich zählt!

 


Beispielbild mit ISO 3200 und 1/160sek Verschlusszeit

 


Der 100% Crop aus dem RAW, nicht entrauscht

Fazit:
Jetzt habe ich doch recht viel geschrieben, ich versuche es nochmal ganz einfach zusammen zu fassen:
Die Canon EOS 1DX ist eine absolut geile Kamera, die eigentlich keine Schwächen hat. Für die Naturfotografie, ein perfekter Allrounder, der Alles kann. Durch die Individualisierungsmöglichkeiten und die Bildwirkung ist es in meinen Augen eine perfekte Kamera mit kleinsten Schwächen. Ich liebe sie und würde aktuell mit keiner anderen Kamera fotografieren wollen.
Die Verbesserungspunkte aus meiner Sicht wären: mehr Bilder pro Sekunde, AF-Felder bis an den Sucherrand, eine feinfühligere Einstellungen der Zoomstufen in der Bildrückschau und ein Silentmodus wie in der 5D III.

 


Nachtfotografie mit ISO 12 800 f/2,8 und 1/20sek

 


100% Crop, nicht entrauscht

 


Landschaften werden sauber Aufgelöst, auch mit der Dynamik kommt die 1DX spielend zurecht

 


Der Lusen im Sturm, ohne Filter schafft die 1DX die Dynamik auf den Sensor zu bannen

 


Auch im Nahbereich leistet sich die 1DX keine Patzer

 


Helles Umfeld, dunkles Fell? Alles kein Problem!

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