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Canon 2,8 400mm L IS II im Praxistest

31. Juli 2012

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Objektivtest

 


Schon mit dem 500er waren gute Bilder kinderleicht! Der junge Nachwuchs aus dem Hause Rösner zeigt, wie es gemacht wird.

Auch wenn uns die Werbung von klein auf erzählt „nimm 2“, so waren mir zwei Supertele in der Praxis oft einfach zu viel des Guten und ich entschied mich für eine neue Taktik, nämlich aus „zwei mach eins“. Ich denke ich bin nicht der einzige Naturfotograf, der neben einem 4,0 500mm Objektiv auch noch ein kürzeres 2,8 300mm Objektiv im Einsatz hat. Mich hat es jedoch gestört, dass ich von den beiden Objektiven in der Regel immer nur eines dabei hatte und so kam mir irgendwann der Gedanke die beiden Objektive zusammen zu legen und nur noch ein 2,8 400mm Objektiv zu verwenden. Das war natürlich undenkbar, solange die 400er > 6kg wogen und die Konverterqualität alles andere als Top war. Aber nachdem Canon das Wunder vollbrachte und das neue Canon EF 2,8 400mm L IS II nur noch 3850g wiegt (immerhin 20g weniger als das Canon EF 4,0 500mm L IS) und die neuen Extender der dritten Generation optisch hervorragend gerechnet sind, habe ich den Versuch gewagt und bin vom Canon 2,8 300mm L IS und Canon 4,0 500mm L IS auf das neue Canon EF 2,8 400mm L IS II umgestiegen. Lange habe ich mit mir gehadert und hin und her überlegt bis ich diesen Schritt gegangen bin.
Eines sei vorweg gesagt: Die alten Canon Supertele mit IS waren optisch alle sehr gut und brauchen sich rein optisch nicht hinter den neuen Versionen zu verstecken!

 


Größenvergleich Canon 4,0 500mm L IS vs. Canon 2,8 400mm L IS II

Auspacken:
Beim Auspacken kommt zunächst ein neuer Canon Koffer zum Vorschein. Wenn der alte schon als Beautycase verschrien war, so verdient der neue diesen Namen noch viel mehr. Er erscheint noch eleganter als der Alte und ebenso praxisuntauglich zu sein. Im Koffer befindet sich das 400er mit einem neuen Deckel. Statt des „Elefantenkondoms“ das früher mitgeliefert worden ist, hat Canon nun einen neuen, etwas kürzeren Objektivdeckel erfunden, der zwar etwas besser funktioniert, aber auf Dauer durch eine praxistaugliche Alternative wie den Jagabua-Deckel ersetzt werden sollte. Außerdem liefert Canon 2 Tragegurte mit, einen für den Koffer und einen fürs Objektiv. Ganz neu für mich war, dass Canon nun auch zwei Stativschellen mitliefert. Neben der normalen, „langen“ Stativschelle mit 2 Gewindebohrungen, ist nun auch eine „kurze“ Stativschelle mit einem 1/4‘ Gewinde im Lieferumfang enthalten. Ich vermute diese ist für Sportfotografen mit Einbeinstativ gedach. Ich benötige diese nicht. Mein Fazit, neben dem 400er und der Streulichtblende habe ich alles in den Schrank gepackt.

Erster Eindruck:
Canon hat wohl einen an der Waffel, 11 499€ für ein neues Canon EF 2,8 400mm L IS, das entspricht dem Wert eines neuen Kleinwagens mit einigen Extras. Hat man sich von diesem Schock erholt, so kann man das neue 400er aus dem Koffer heben. Nimmt man es nun aus dem Koffer, so hat man eher das Gefühl ein 300er als ein 400er in der Hand zu haben. Es kam mir fast unwirklich leicht vor. Auch die Abmessungen sind für ein solches Objektiv angenehm kompakt.
Beim Abnehmen der Streulichtblende habe ich den ersten Negativpunkt des 400er festgestellt. Scheinbar hat Canon probiert überall Gewicht zu sparen und so empfinde ich die neue Feststellschraube der Streulichtblende als nicht ganz so wertig, wie die der alten Supertele. Die Streulichtblende insgesamt ist allerdings deutlich leichter geworden. Also Schnellwechselplatte unter die Stativschelle und es kann los gehen. Auch die Stativschelle wurde von Canon überarbeitet. Die neue Stativschelle ist doppelt Gelagert und läuft extrem gut, sehr, sehr sauber und leicht. Viel besser als bei den alten Superteles und so gut wie man es vom Canon 5,6 800mm L IS kennt. Die Feststellschraube finde ich hingegen, ebenso wie die der Streulichtblende nicht ganz so gut gelöst. Für mich ist diese fast zu klein geraten. Ich weiß nicht ob man diese noch sinnvoll mit Handschuhen bedienen kann. Das wird sich im Winter noch zeigen. Das Objektiv ist für Freihandfotografie geradezu prädestiniert, mit einem Gewicht von 3,85kg und der relativ kurzen Bauweise lässt es sich im ersten Moment um Welten besser freihand halten als das alte Canon EF 4,0 500mm L IS. Bei meinen ersten Bildern dachte ich mir erst der AF und IS sein kaputt, denn beides ist mittlerweile fast unhörbar und der AF startet unglaublich schnell und findet sofort sein Ziel. In Kombination mit dem neuen AF-System der 5D III und 1DX ist das neue 400er wirklich genial im Handling.
Neu ist auch ein zusätzlicher IS Modus, der IS Modus 3. Dieser wird auch „Anti-Kotz IS“ genannt. Bei diesem IS Modus aktiviert sich der IS nur während der Belichtung und ist bis zur Belichtung ausgeschaltet. Ich selbst habe diesen in der Praxis noch nicht getestet.
Ein weiteres Highlight für mich ist die neue Naheinstellgrenze von 2,7m, bei diesem Abstand erreicht das Objektiv einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:5,88. Was bereits sehr gut ist. Mit einem 2x Extender vergrößert man somit den max. Abbildungsmaßstab auf ca. 1:2,94 was durchaus Makrotauglich ist und das bei 800mm Brennweite! Für mich war dies ein ausschlaggebender Punkt für den Umstieg.


Ein Beispiel mit 400mm im Nahbereich, das Bokeh ist hervorragend

Praxis:
Kommen wir nun zur Praxis, hier kann das neue 400er voll und ganz überzeugen. Der AF ist schnell und treffsicher. Er gibt sich absolut keine Blöße. In der Praxis zeigte sich an der Canon EOS 5D Mark III für mich, dass der AF sauber arbeitet bis zu ISO 12800, F2,8 1/40sek. Das waren die Konditionen bei Vollmond in den Bergen. War es dunkler hat der Fokus nichts mehr gefunden. Ich denke mit diesen Werten kann man sehr gut leben. Blende 2,8 ist schon enorm und ermöglicht mit den High Iso Fähigkeiten neuer Kameras in der Praxis ganz neue Möglichkeiten. Man kann nun wirklich sinnvoll vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang fotografieren. Auch der neue IS arbeitet hervorragend, mit 1/100sek ist man freihand auf der sicheren Seite. Ich würde mir aber auch durchaus 1/25sek freihand damit zutrauen.
Das 400er ist absolut freihandtauglich, auch über mehrere Stunden. Ich finde es deutlich besser im Freihand-Handling als das 500er. Das liegt daran, dass die Gewichtsverteilung deutlich besser ist, da das 500er doch wesentlich länger ist als das neue 400er. Mittlerweile nehme ich oftmals nur noch das 400er mit (ohne Stativ) und trage es mit dem Objektivgurt auf den Rücken geschnallt. Mit dieser sagenhaft leichten Kombination (im Vergleich zu meinem sonst voll beladenen Rucksack), ist man deutlich schneller unterwegs und dank IS kann man den ganzen Abend bis in die Nacht gut freihand fotografieren.
Auch mit dem Canon Extender 1,4x III ist der AF des 400ers sehr schnell und treffsicher. Erst mit 2x Extender III wird das 400er deutlich langsamer. Hier empfehle ich die Fokusbereichsbegrenzung auf die Einstellung „7m – unendlich“ zu stellen, dann ist die Fokusgeschwindigkeit wieder sehr flott und in der Praxis gut zu gebrauchen. Auch mit den Extendern funktioniert der IS ganz hervorragend. Mit 800mm kann man gut 1/50sek freihand machen.
Die Stativschelle läuft, wie bereits erwähnt, um Welten besser als die des 2,8 300mm L IS und viel besser als die des 4,0 500mm L IS. Der Fokusring läuft absolut sauber und präzise ohne jedes Spiel. In der Praxis stellte ich schnell fest, dass Säugetiere das ungetarnte 400er sehr schnell als störend empfanden, sodass ich wieder zu einem Lenscoat greifen musste, den ich bei augenblicke-eingefangen.de erstanden habe.
Zum Transport, das neue 400er findet Problemlos mit angesetzer Streulichtblende und Kamera Platz im Lowepro Lenstrekker 600 AW oder auch im neuen Lowepro Pro Trekker 400 AW (hier jedoch nicht mit angesetzter Streulichtblende).

Optische Qualität:
Die optische Qualität des neuen 400er ist überragend und über jeden Zweifel erhaben. Es ist super scharf, löst Details unglaublich gut bist zum Rand auf und ist sehr kontrastreich. Auch das Bokeh ist exzellent geworden, sogar leicht abgeblendet werden Unschärfekreise noch ansprechend rund abgebildet. In Meinen Augen gibt es absolut keinen negativen Punkt zur optischen Leistung.
Mit 1,4x Extender III ist die optische Leistung immer noch ähnlich hervorragend. Man merkt diesen kaum.
Mit 2x Extender III ist die optische Leistung auch noch sehr gut, in der Bildmitte top zu den Bildecken lässt es leicht nach. Die Schärfe nimmt also minimal ab und die Chromatischen Abberationen etwas zu, es ist aber immer noch etwas besser als das alte Canon EF 4,0 500mm L IS + 1,4x Extender.
Was aber neu ist an den optischen Eigenschaften des neuen 400er IS II, ist die Detailzeichnung. Es ist unbeschreiblich, aber alle Bilder die mit diesem Objektiv entstehen haben eine bessere Detailzeichnung in Gefieder und Fell als man es von den alten Superteles kennt. Ich meine wirklich nicht die Schärfe, die war bei den alten Superteles schon hervorragend, sondern einfach das Gefühl das die feinen Details deutlich besser dargestellt/wiedergegeben werden.


Beispielbild mit 400mm @f/2,8 freihand


Ungeschärfter 100% Crop aus dem Beispielbild

 


Beispielbild mit 800mm, dieses Bild ist ein Crop aus einem Querformat ins Hochformat, also ca. 50% Beschnitt


100% Crop aus dem ungeschäften Original, mit 800mm freihand

Fazit:
Canons neue Preisvorstellung für das Canon EF 2,8 400mm L IS II ist wirklich beängstigend. Für diesen Preis kann man eigentlich ein perfektes Objektiv erwarten und Canon liefert auch ein rundum perfektes Objektiv. Bis auf die beiden Schrauben die mir nicht gefallen, glaube ich kaum, dass es aktuell möglich wäre ein besseres 400er zu bauen. Das neue 400er, ist dank der Gewichtsersparnis, dem neuen IS und der verbesserten Naheinstellgrenze so vielseitig, dass es für mich eine wirkliche Revolution in der Praxis darstellt.

 


Unglaublich, aber man kann selbst nachts fotografieren bei Vollmond ISO 12 800 f/2,8 1/40sek freihand

 


Canon 2,8 400mm L IS II + 2x Extender III


Das Bokeh ist sehr ruhig und schön, f/2,8 ISO 1000

 


Auch mit 2x Extender III ist das Bokeh sehr gut


Spotlight im Nahbereich, 400mm @ f/2,8 freihand

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