Blog

Bohnensack – Jahresrückblick – Bokehvergleich

25. Dezember 2020

Bohnensack, Erfahrungsbericht, Fototechnik, Kameratest, Objektivtest, Podcast

Zum zuhören:

 

Heute gibt es gleich zwei Themen mit denen ich mich beschäftigen möchte.

 

Jahresrückblick

Zunächst möchte ich Danke sagen, Danke für ein spannendes und aufregendes Jahr 2020. Mich macht es stolz in diesem schwierigen Jahr keine staatlichen Hilfen beantragt zu haben und stets das Positive zu sehen und zu finden in einem so schweren Jahr. Ich danke an dieser Stelle meinen großartigen Kunden und Workshopteilnehmern, die viel Verständnis für Einschränkungen zeigten, und mit mir auch den Weg von Sonderlösungen gegangen sind.

Dieses Jahr ist mein neuestes Buch „Workshop Naturfotografie vor der eigenen Haustür“ im Humboldt Verlag erschienen und sehr gut angelaufen. Gleichzeitig wurde unser Gemeinschaftswerk Fotografieren in der Natur mit dem deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet. Beides freut mich sehr!

Zu guter Letzt habe ich in diesem Jahr die Chance bekommen, einige Coverstorys bringen zu können und bei vielen Naturfotowettbewerben vertreten zu sein. Darunter als Kategoriesieger beim Naturephotographer of the Year und beim GDT Naturfotograf des Jahres.

In diesem Jahr habe ich auch den kompletten Wechsel von Spiegelreflexkameras zu spiegellosen Kameras vollzogen und mit Novoflex zusammen meiner Produktideen umsetzen können. Es war ein aufregendes Jahr 2020, für das ich euch allen Danke! Ich wünsche euch von Herzen Gesundheit und Freude im neuen Jahr 2021.

 

Mit diesem Bild wurde ich Kategoriesieger Pflanzen und Pilze im Nature Photographer of the Year und beim GDT Naturfotograf des Jahres.

 

 

Bokehvergleich

Kommen wir zum zweiten Thema, dem Bokehvergleich. Ein Thema passend für die Weihnachtszeit, denn die Bokehkreise sind meine Tanne im Hintergrund. Ziel war es für mich zu sehen, wie ist das Bokeh und die Unschärfekreise bei meinen neuen RF Objektiven im Vergleich zu meinen andere Linsen, um für mich zu Wissen, wann ich welche Linsen einsetzen werde und welche Rückschlüsse ich auf meine Fotografie ziehen muss. Das alles ist aber kein wissenschaftlicher Test, sondern wirklich mein Interesse für die nächste Makrosaison.

Alle Bildernamen beinhalten den Objektivnamen, die verwendete Brennweite und Blende.

Alle Bilder sind JPGs aus der Canon EOS R5 die verkleinert wurden. Es wurden keine Veränderungen vorgenommen.

#Transparenz, alle eingesetzten Objektive sind mein Eigentum und wurden von mir gekauft.

 

 

Es traten folgende Objektive an:

Kategorie 1 etwa 100mm:

Canon EF 100mm 2.8 L IS Makro

Canon RF 85mm 2.0 IS

Canon RF 70-200mm 2.8 L IS

Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS

 

Kategorie 2 etwa 180mm:

Canon RF 70-200mm 2.8 L IS

Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS

Sigma 180mm 2.8 Makro OS

 

Kategorie 3 etwa 400mm:

Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS

Canon EF 400mm 2.8 L IS III

 

Zusatzkategorie 4 etwa 200mm bei weiterer Entfernung:

Canon EF 200mm 2.0 L IS

Canon RF 70-200mm 2.8 L IS

Canon RF 100-500mm 4.5-7.1 L IS

Sigma 180mm 2.8 Makro OS

 

Testschwächen:

Manche Objektiven haben keine Stativschelle, weshalb ich die Höhe des Statives ggf. nachjustieren musste.

In Kategorie 1 war die Naheinstellgrenze des Canon RF 100-500mm L IS nicht nah genug, diese musste korrigiert werden.

Geldscheine können nicht in Photoshop geöffnet werden, aus diesem Grund gibt es keine 100% Crops. Ich habe die Bilder lediglich verkleinert um das Bokeh zu zeigen.

 

Ergebnisse Verallgemeinert für mich:

1) Wie bereits hier im Blog berichtet, ist die effektive Brennweite von Zoomobjektiven im Nahbereich deutlich geringer als die von Festbrennweiten. Das merkt man ganz deutlich in allen Kategorien, weshalb ich persönlich weiterhin nur Festbrennweiten im Nahbereich nutzen werde.

Kurzerhand habe ich die effektive Brennweite meiner Objektive nachgerechnet. WICHTIG die effektive Brennweite kann man nur ohne weiteres direkt an der Naheinstellgrenze ausrechnen. Diese Ergibt sich nach einer einfachen Formel: (Naheinstellgrenze in mm X ABM)/(ABM +1)². Damit ergeben sich folgende effektive Brennweiten an der Naheinstellgrenze:

Objektiv Effektive Brennweite an der Naheinstellgrenze
Canon EF 400mm 2.8 L IS III 310,5mm
Canon EF 100-400mm 4.5-5.6 L IS II 177mm
Canon RF 70-200mm 2.8 L IS 106,6mm
Canon EF 70-200mm 2.8 L IS III 136,7mm
Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS 223,9mm
Canon RF 85mm 2.0 77,8mm

Kurzer Hinweis, die Naheinstellgrenze des RF 70-200 ist mit 0,7m um 0,5m kürzer als beim EF 70-200 2.8 L IS III (1,2m). Vermutlich wird der Abbildungsmaßstab bei 1,2m Abstand sehr ähnlich ausfallen.

2) Je Lichtstärker die Objektive umso größer die Unschärfekreise und umso schöner das Bokeh.

 

Vergleich in den drei Kategorien:

Kategorie 1:

Aus meiner Sicht ist klarer Bokehgewinner das Canon RF 85mm 2,0 IS. Was mir besonders auffällt ist, dass die Unschärfekreise zum Rand hin besonders schön rund sind, runder auch als beim Canon EF 100mm 2.8 L IS Makro. Bei 2.0 ist das RF 85mm noch nicht perfekt von der Schärfe, bei 2.8 sind Makroobjektiv und 85er gleich auf. (Ich habe beim RF 85 für einen ähnlichen Abbildungsmaßstab das Stativ leicht zum Motiv verschieben müssen.) Interessant ist auch, dass selbst bei 2.8 die Unschärfekreise des RF 85ers richtig rund aussehen.

Man merkt, dass das Canon RF 70-200mm 2.8 bei angegebenen 100mm deutlich kürzer ist als das Canon EF 100mm 2,8 L IS Makro. Das Bokeh des RF 70-200 2.8 ist wirklich schön. Die optische Leistung im Vergleich zu den Festbrennweiten ist im Nahbereich jedoch deutlich schlechter. Hier waren alle EF 70-200mm richtig schlecht aus meiner Sicht, das RF 70-200mm 2.8 L IS ist an der Naheinstellgrenze passabel aber nicht auf dem Level wie ich es gerne hätte.

Das Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS ist bei 100mm eigentlich nicht zu vergleichen, da der maximale Abbildungsmaßstab zu klein ist, macht man dennoch ein Testbild, so ist dieses erstaunlich scharf (deutlich schärfer als das 70-200er) und das Bokeh bei 4.5 schön, aber eben mit kleinen Unschärfekreisen. Um einen ähnlichen Bildausschnitt zu bekommen wie das Sigma 180mm Makro, muss das Canon 100-500mm auf 258mm Brennweite gezoomt werden.

 

Von links nach rechts, EF 100mm 2.8; RF 85mm 2.0; RF 85mm 2.8; RF 70-200 @100: RF 100-500@100

 

 

Kategorie 2:

Klarer Sieger was Schärfe und Bokeh angeht ist das Sigma 180mm 2.8 Makro. Es ist top scharf und macht große und schöne Unschärfekreise.

Im Vergleich ist das Canon RF 70-200 2.8 auch sehr gut, doch die effektive Brennweite ist deutlich kürzer. Selbst bei 200mm ist der Bildausschnitt nicht der gleiche wie beim 180er Makro. Das Bokeh ist top, auch wenn das Zoom an den Bildrändern zu leichten Katzenaugen neigt, also zu nicht runden Bokehkreisen. Die Schärfe ist leider nur passabel, hier ist das Makro um Welten schärfer.

Das Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS hat bei 177mm eine Offenblende von 5.0. Die Unschärfekreise weißen deutliche Verformungen auf und sind klein. Rein optisch ist die Schärfe fast auf Festbrennweitenniveau.

Von links nach rechts, RF 70-200 @176;  RF 100-500 @177; Sigma 180; RF 70-200 @200; RF 100-500 @258

 

Kategorie 3:

Das Canon EF 400mm 2.8 L IS III zeigt riesige und schöne Bokehkreise. Die Schärfe ist wie zu erwarten top.

Beim Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS sind die Unschärfekreise wesentlich kleiner und unförmiger. Sie sind gerade am Bildrand deutlich verformt und die effektive Brennweite ist deutlich kürzer. Um den gleichen Bildausschnitt zu erreichen musste ich beim 100-500er auf ca. 471mm zoomen.

Von links nach rechts, EF 400 2.8; RF 100-500 @400;  RF 100-500 @471

 

Sonderkategorie 4 1,9m Abstand:

Hier zeigt das Canon 200mm L IS deutlich wie Bokeh geht, es ist mit Abstand am schönsten. Sigma 180mm und Canon RF 70-200mm 2.8 fallen deutlich ab, sind aber beide sehr gut. Das 100-500er fällt nochmals weiter ab was die Form und die Größe der Unschärfekreise angeht ab.

Bereits bei 1,9m Abstand ist das Canon RF 70-200mm 2,8 L IS bereits fast auf Festbrennweitenniveau was die Schärfe angeht.

Von links nach rechts, EF 200 2.0; RF 70-200 @200; Sigma 180; RF 100-500 @200

 

Fazit und Praxisableitungen für mich:

Das RF 85mm zeigt wo es hingehen kann, ich bin sehr zuversichtlich, dass ein richtiges 100er Makro ein ähnlich perfekt rundes Bokeh zeigen kann. Für mich eine absolute Überraschung wie schön das Bokeh des 85ers ist.

Das RF 70-200mm 2,8 L IS ist für mich im Nahbereich nur brauchbar, aber nicht gut. Das Bokeh ist super, die Schärfe die rauskommt ist aber nur ok. Es ist im Testvergleich das schlechteste Objektiv von der Schärfe. Wichtig das ist nur im Nahbereich der Fall ab 2m Arbeitsabstand relativiert sich das komplett und das 70-200mm ist auf Festbrennweitenniveau.

Das Canon RF 100-500mm 4,5-7,1 L IS ist eine richtige Überraschung, es ist im Nahbereich für ein Zoom optisch überragend scharf und fast auf Festbrennweitenniveau. Das Bokeh fällt dagegen ab und ist auf Grund der geringen Blendenöffnung nicht ganz so schön. Ich werde es nicht für meine Art der Makrofotografie einsetzen, kann es mir aber durchaus für Libellen und Schmetterlingsaufnahmen ohne Unschärfekreise sehr gut vorstellen.

Insgesamt bin ich zufrieden und weiß warum ich meine Festbrennweite Mitschleppe, betrachtet man optische Leistung und Bokeh, so wird klar, dass ich im Nahbereich weiterhin vorwiegend mit Festbrennweiten arbeiten werde.

 

NEUERE EINTRÄGEÄLTERE EINTRÄGE

Sollten in diesem Blogbeitrag irgendwelche Marken genannt, verlinkt oder erkennbar sein, so handelt es sich um Werbung, unabhängig davon, ob dafür eine Gegenleistung erfolgt oder nicht.

Suche


Meine Bücher

Archiv

Facebook Instagram 500px Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed