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Berlebach Pegasus

30. Mai 2013

Erfahrungsbericht, Fototechnik, Stativtest

 


PEGASUS

Die Suche nach dem richtigen Stativkopf spaltet die Fotogemeinde seit Erfindung des Stativs. Da gibt es eine Fraktion, die auf Videoneiger schwört, andere stellen einen Gimbal über alles, dritte greifen am liebsten zum Kugelkopf, und manche Fotografen möchten ausschließlich einen Getriebeneiger benutzen. Ich selbst arbeitete lange Zeit mit einem Kugelkopf, da dieser für mich den besten Kompromiss bedeutete. Mein Einsatzgebiet ist sehr weit: auf der einen Seite möchte ich mit dem Supertele Tiere fotografieren, auf der anderen Seite bin ich mit dem Weitwinkelobjektiv in der Landschaft zugegen, und zu guter Letzt verbringe ich viel Zeit nah über dem Erdboden beim Entdecken von Makro-Motiven. Für all dies möchte ich aber am liebsten nur einen einzigen Stativkopf haben, denn auf einer mehrtägigen Tour habe ich einfach nicht den Platz für zwei Stativköpfe.

Allgemeines:

Der Berlebach Pegasus sorgt seit seinem Erscheinen für Aufsehen, denn sein Konzept ist einzigartig. Ich konnte ihn vor zwei Jahren auf einer Messe das erste Mal ausleihen, und war sofort davon überzeugt. Ich habe ihn seither einigen befreundeten Fotografen empfohlen, die allesamt sehr zufrieden mit dem Produkt sind. Der Berlebach Pegasus vereint die Vielseitigkeit eines Kugelkopfes mit der Stabilität eines Videoneigers und der Geschwindigkeit eines Gimbalheads. Er scheint somit alle Vorteile der einzelnen Köpfe in sich zu vereinigen, und dies rechtfertigt dann vielleicht auch den Preis von 600 EUR.

 


Schllichtes, funktionales und ansprechendes Design

Erster Eindruck:

Beim Auspacken des Berlebach Pegasus wird sofort klar, dass es sich um echte Qualitätsarbeit handelt, dazu noch in Deutschland gefertigt. Der Kopf liegt wuchtig und stabil in der Hand – er scheint auf den ersten Blick unzerstörbar zu sein. Alles sitzt an seinem Platz: nichts wackelt, nichts hat Spiel, alles ist perfekt verarbeitet. Neben dem Kopf an sich liegen noch eine Arca-kompatible Schnellwechselplatte sowie ein Schwenkarm in der Packung bei, welcher zur Nachführung beim Filmen gedacht ist. Was mich sofort begeistert hat und besonders schön gelöst ist: der Imbusschlüssel zum Nachziehen von unterschiedlichen Schnellwechselplatten etc. ist im Pegasus fest verbaut, und kann bei Bedarf einfach aus dem Stativkopf gezogen werden. Ich hatte bis dahin in jedem Fotorucksack mindestens ein Exemplar zur Sicherheit verstaut – das kann ich mir nun sparen!
Ich habe den Berlebach Pegasus mit Sterngriff und 75er Kalotte bestellt. Das bedeutet, dass ich ihn in meinem Gitzo Carbonstativ in die passende Halbschale einsetzen und darüber nivellieren kann. Der Berlebach Pegasus wiegt 1,55kg. Das ist nicht gerade leicht, liegt aber vollkommen im Rahmen.


Der Pegasus im Praxiseinsatz mit einem 2,8 400mm Objektiv + 2x Telekonverter

Praxis:

Die große Frage ist, was taugt der Pegasus denn nun in der Praxis? Immerhin gibt es bereits Produkte, die meinen, alle positiven Eigenschaften anderer Produkte in sich vereinigen wollen, und am Ende können sie nichts so richtig. Um eines vorweg zu nehmen, das ist beim Pegasus nicht der Fall!
Das Handling des Pegasus ist im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig. Zunächst richtet man den Kopf über die Kalotte aus, das geschieht so, wie man es von Videoneigern und Gimbalheads gewohnt ist. Danach stehen zwei Schrauben zur Verfügung, mit denen man den Kopf einstellen kann: die eine dient dem Festziehen, die andere als Friktion. Löst man nun die Schraube zum Festziehen kann man den Kopf schwenken: nach vorne und nach hinten, sowie nach rechts und links. Dennoch kann der Kopf nicht abkippen, wie man es von Kugelköpfen kennt. Hierdurch kann man problemlos jedem bewegten Objekt folgen. Schwenks mit dem Tele sind kein Problem, der Kopf läuft sauber, schnell und ohne zu Ruckeln. Insgesamt ist das Handling mit einem Superteleobjektiv sehr gut und angenehm.
Jegliche Art von Objektiven, die eine Stativschelle besitzen, lassen sich vom Berlebach Pegasus hervorragend handhaben. Dazu gehören natürlich auch Makroobjektive. Erst wenn man in den Landschaftsbereich vordringt wird es etwas schwieriger, denn man benötigt eine quadratische, Arca-kompatible Platte unter dem Kameragehäuse. Ansonsten lassen sich keine Hochformataufnahmen mit dem Pegasus realisieren. Eine passende quadratische Novoflex QPL-1 kostet zirka 30 EUR. Der Berlebach Pegasus hat zwar die Möglichkeit eingebaut, die Schnellwechselplatte abzuklappen, um somit die Kamera in Hochformatstellung zu bringen, allerdings muss die Kamera damit entsprechend montiert sein – mit L-Winkel oder passgenauen Kameraplatten ist dies nicht möglich. Einzig mit einer quadratischen Wechselplatte, die man in alle Richtungen ins Schnellwechselsystem führen kann, lässt sich dies umgehen. Das Problem ließe sich seitens Berlebach gegebenenfalls durch eine Änderung der Schnellwechseleinheit lösen, die man je nach Bedarf um 90 Grad drehen könnte. Ansonsten ist der Mechanismus zum Kippen der Kamera ins Hochformat äußerst robust. Ich habe die Kipp-Mechanik sowohl mit dem 2,8/400mm, dem 5,6/800mm als auch dem 5,6/300-800mm Teleobjektiv getestet. Man konnte den Mechanismus in jeder Stellung problemlos arretieren, was mich persönlich sehr beeindruckt hat. Ich verwende diese Mechanik sehr häufig, denn sie ermöglicht mir, mit den Tele-Objektiven bodennah zu arbeiten. Ich komme damit geschätzte 15cm tiefer als mit einem Sachtler FSB8, was am Boden „Welten“ sind.
Die von Berlebach verwendete Arca Swiss-kompatible Schnellwechseleinheit ist exzellent in der Handhabung. Sie klemmt alle Arten von Schnellwechselplatten, was leider aufgrund der Abweichungen vieler Hersteller nicht selbstverständlich ist. Des Weiteren ist der Pegasus mit einer Wasserwaage ausgestattet. Diese sitzt genau an der richtigen Stelle, um alles gerade ausrichten zu können.
Kommen wir zum wichtigsten Punkt: die Stabilität. Mit der zunehmen Auflösung und Pixeldichte moderner Kameras müssen die Stative entsprechend stabiler sein. Ich habe noch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich nichts von Gimbal-Heads halte, da diese schlicht unbrauchbar unstabil sind. Nun ja, wo ordne ich einen Pegasus von der Stabilität her ein? Er ist um Welten stabiler als jeder Gimbalhead, deutlich stabiler als alle Kugelköpfe, jedoch nicht ganz so stabil wie ein sehr guter Sachtler Videoneiger kostet dafür aber nur einen Bruchteil des Preises.


Der Pegasus hält in jeder Stellung


Tiefer kommt man mit keinem Neiger!

Fazit:

Kurz und knackig, der Pegasus ist fast perfekt.
Legt man den Fokus vorwiegend auf die Telefotografie, will allerdings hin und wieder auch Makrofotografie und Landschaftsfotografie betreiben, so wird man keinen besseren Stativkopf finden. Er ist extrem stabil und belastungsfähig, und mit 600 EUR durchaus als preiswert zu bezeichnen. Einziges wirkliches Manko in der Praxis ist die Tatsache, dass man die Schnellwechseleinheit nicht um 90 Grad drehen kann. Ich kann ihn für die Naturfotografie aus meinem eigenen Praxiseinsatz nur empfehlen, und würde aktuell keinem anderen Stativkopf den Vortritt geben wollen.

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